Fussball
Trainer aus der Region über die WM-Auslosung und die „deutsche“ Gruppe
Wenn ein eingefleischter Fußballer wie Tim Graf, Trainer des A-Klassisten DJK Schwarz-Weiss Frankenthal, nach der Gruppenauslosung zur Fußball-Weltmeisterschaft in Katar noch nicht vom Fieber gepackt wird, wird deutlich, dass etwas nicht stimmt. Graf ist nicht angetan von der WM mitten in der Saison. „Der Fußball steht nicht im Mittelpunkt“, hadert er nach wie vor mit der Vergabe an Katar. Es werde ja mehr über die WM diskutiert, als über den Fußball. Die Vorfreude sei bei ihm nicht da. „Normalerweise freue ich mich immer“, sagt Graf. Er stellt die Frage, ob sich die Spieler da voll auf das Turnier einlassen können. Dass ein schwerer Gegner in der Gruppe mit dabei sein werde, sei absehbar gewesen. Noch gut erinnert sich Graf daran, dass die deutsche Nationalelf in der Nations League im November 2020 von Spanien mit 0:6 „richtig vermöbelt“ wurde. Doch das war noch unter Ex-Bundestrainer Joachim Löw. Da sieht Graf unter dem aktuellen Coach Hansi Flick deutlich optimistischer auf die Spiele. Gegen Japan müsse die Nationalelf aufpassen, aber am Sieg dürfe nicht gezweifelt werden. Als dritter Gegner wird sich nach Ansicht von Graf Costa Rica gegen Neuseeland in der noch ausstehenden Qualifikation durchsetzen.
„Spanien ist schon ein interessantes Los“, sagt Stephan Krön, Trainer des A-Klassisten DJK Eppstein. Die deutsche Nationalelf sieht er jedoch unter Flick auf einem guten Weg. „Es ist ein Neuaufbau mit vielen guten neuen Spielern.“ Japan und Costa Rica, auch er glaubt an die Zentralamerikaner als Gruppengegner, seien Pflichtaufgaben, um die Gruppenphase zu überstehen. Ein Manko sieht Krön darin, dass der deutschen Mannschaft der klassische Stürmer fehle. Das zeigt: Von Timo Werner ist er nicht vollends überzeugt. Aber auch Löw habe das ja mit einer sogenannten falschen Neun gelöst. Da sei für ihn als Trainer interessant, wie Flick mit dieser Situation umgehe. Die Gruppe der Schweiz, die Brasilien, Serbien und Kamerun als Gegner hat, findet Krön ebenfalls interessant.
„Wenn die deutsche Nationalmannschaft in dieser Gruppe nicht weiterkommt, dann hat sie es auch nicht verdient“, sagt Martin Wohlschlegel, Trainer des Bezirksligisten VfR Frankenthal. Spanien und Deutschland verfügten beide über Teams mit jungen und talentierten Spielern. „Ich sehe beide gleichwertig. Wir müssen uns da nicht kleiner machen, als wir sind.“ Gut an Bundestrainer Hansi Flick findet Wohlschlegel, dass er die Spieler wieder auf Positionen agieren lasse, die sie in den Vereinen spielen. Auch wenn er auf Fußballspiele im Dezember nicht eingestellt sei, so denkt er, dass die Spieler das nicht politisch ausbaden sollten, was andere zu verantworten haben. Kritisch sieht er, dass der Kalender des Weltfußballs über den Haufen geworfen wird, um eine WM hitzeerträglich auszutragen. Allerdings: Sportliche Großereignisse nur in Demokratien auszutragen, das hält Wohlschlegel für schwierig.
„Spanien wird ein echter Gradmesser, die beiden anderen Spiele sollten wir auf jeden Fall gewinnen. Auch wenn Japan keine Laufkundschaft ist und in Asien zu den Topmannschaften zählt“, sagt Christian Schäfer, Trainer des Bezirksligisten FV Freinsheim. Ein Sieg gegen die Japaner im Auftaktspiel sei schon deswegen wichtig, um zu vermeiden, dass das Team vor der Partie gegen Spanien unter Druck gerät. Schäfer ist zuversichtlich, dass die Nationalelf mit neuem Elan spielen und ganz anders auftreten wird als bei den vergangenen Turnieren. „Wenn alle sich im Sinne des Erfolgs verhalten, wird ein Wir-Gefühl entstehen, das uns tragen wird. Dann traue ich den Deutschen alles zu“, ergänzt Schäfer. Ein Problem sei der fehlende Stoßstürmer, so der Coach, der Spanien, Frankreich, Brasilien und Argentinien favorisiert.
Etwas anders sieht das Sebastian Dumont, Übungsleiter beim Bezirksligisten SV Weisenheim. „Wir benötigen nicht den zentralen Stürmer, zumal wir keinen vom Kaliber Lewandowski haben“, erklärt der Coach. Die Spielanlage sei eine andere, und Deutschland könne auch mit den variabel agierenden Kai Havertz, Leroy Sané oder Serge Gnabry stürmen. Spanien sei zwar ein harter Brocken und Japan unangenehm zu bespielen, aber „wir haben eine richtig gute Truppe“. Dumont glaubt, dass Deutschland mit dieser Mannschaft das Finale erreichen könne, zumal Trainer Hansi Flick eine gute Lösung darstelle. „Unser Team ist mit Champions League-Siegern von Bayern München und dem FC Chelsea gespickt. Deshalb sehe in Deutschland mit Spanien in der Favoritenrolle“, prognostiziert Dumont.
Roland Beck, Trainer des Bezirksligisten RW Seebach, ist da etwas vorsichtiger. Allerdings nicht in Bezug auf die Vorrunde. „Dass wir aus Topf eins einen starken Gegner ziehen würden, war klar. Japan und Costa Rica oder Neuseeland hingegen muss man schlagen. Das Weiterkommen ist eine Pflichtaufgabe“, betont Beck. Eine schwierige Gruppe wäre denkbar gewesen. Eng dürfte es nach Meinung Becks danach werden. „Ab dem Achtel-, spätestens dem Viertelfinale gibt es keinen Selbstläufer mehr. Da wird jede Partie zum 50:50-Spiel“, mutmaßt Beck. Die deutsche Nationalelf hebe sich nicht mehr von anderen ab und brauche jeweils einen guten Tag, um weiterzukommen. „Da kann man schnell an seine Grenzen stoßen“, überlegt der Seebacher. Seine Favoriten sind Brasilien, Spanien, Frankreich, England und Belgien.
„Die Gruppe ist sicherlich nicht einfach mit Spanien als Gegner, aber wenn man Weltmeister werden will, muss man jeden schlagen“, sagt Christian Rutz, Trainer des Landesligisten VfR Grünstadt. Das solle nicht despektierlich gegenüber Japan sein. „Aber in dieser Gruppe muss Deutschland Zweiter, wenn nicht sogar Erster werden. Deutschland hat alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weltmeisterschaft.“ Unter Hansi Flick mache die Mannschaft bisher einen sehr guten Gesamteindruck. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken.“
„Wenn die deutsche Nationalmannschaft die Gegner nicht unterschätzt und Vollgas gibt, dann ist die Gruppe machbar, und Deutschland ist Favorit auf den Gruppensieg“, sagt Sascha Gerber, Trainer des A-Klassisten SV Obersülzen. Costa Rica oder Neuseeland sei ein mögliches Freilos. Ebenso müsse die Mannschaft Japan schlagen. „Spanien ist schon immer ein Angstgegner der Deutschen gewesen, aber Deutschland ist technisch besser. Ich schätze die Mannschaft unter Hansi Flick allgemein stärker ein als noch unter Joachim Löw.“
„Die Deutschen sind meiner Meinung nach die stärksten in dieser Gruppe und Favorit auf den Gruppensieg. Spanien hat keine schlechte Mannschaft, im Vergleich zu den Spaniern ist die Geschlossenheit im Team bei den Deutschen aber größer“, meint Michael Wolter, Trainer des Landesligisten TuS Altleiningen. Auch in der Offensive sei Deutschland stärker geworden. „Ich bin davon überzeugt, dass Deutschland die Gruppe auf jeden Fall überstehen und eine sehr gute WM spielen wird. Die Mannschaft hat unter Hansi Flick definitiv Chancen auf den Titel.“