Frankenthal „Träumt so groß wie möglich“

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Nach zwei Tagen ein eigenes Lied: Beim Workshop Songwriting der Volkshochschule (VHS) Bobenheim-Roxheim haben sich acht Teilnehmer diesen Traum erfüllt. Unterstützt wurden sie dabei von den beiden Musik-Profis Cris Cosmo und Umbo Umschaden.

„Kreativität ist wie ein Muskel, den man trainieren kann“, ist Cris Cosmo überzeugt. Gemeinsam mit dem österreichischen Star-Bassisten Umbo Umschaden, der bereits für Christina Stürmer gearbeitet hat, leitet er das zweitägige Kreativ-Camp im Schulsaal der Realschule Plus. Acht Teilnehmer zwischen 16 und 50plus sind dabei, jeder hat Ideen, Träume und ein eigenes Projekt im Hinterkopf. Es ist der sechste Workshop dieser Art, den die VHS des Landkreises Rhein-Pfalz in Bobenheim-Roxheim in Kooperation mit der Bernd-Jung-Stiftung sowie dem integrierten Förderzentrum für Jugend und Soziales im Rahmen der Jugendkunstschule anbietet. Für Toni Kroliczak aus der Nähe von Bad Kreuznach ist das zweitägige Camp „eine Art Urlaub und Auszeit“ von seinem Beruf als Behinderten-Pädagoge. Er ist mit seiner Mahagoni-Gitarre bereits zum dritten Mal dabei, wirkt abwartend, zweifelnd. „Es gibt tausend Ausreden etwas nicht zu tun“, meint Umbo, wichtig bei der Verwirklichung eines Songs sei der erste Schritt. Als Singer-Songwriter gehe es nicht darum, eine tolle Stimme zu haben, sondern seine Botschaft ehrlich und authentisch rüberzubringen, ist Cris Cosmo überzeugt. Ob dabei die Musik zuerst stehe oder der Text, sei egal. Wichtig sei, die Zuhörer zu berühren, Bilder und Gefühle entstehen zu lassen. Das gelingt Karo Lemster auf Anhieb. Ihr hochemotionaler Songtext „If Only“ handelt von Ängsten und fehlender Kommunikation. Die 18-Jährige aus Bobenheim-Roxheim ist zum zweiten Mal dabei und feilt am ersten Tag an der Bridge, dem geschmeidigen Übergangsteil von Strophe und Reim. Wie man für einen Songtext voll starker Wortbilder ein musikalisches Konzept entwickelt, will Katrin Fissl aus Mutterstadt lernen. Die 16-jährige Schülerin lässt in ihrem Lied „Yours Sincerely“ die Jugend als Person zu Wort kommen und stellt kritische Fragen. „Diatonische Stufen-Akkorde“ für parallel laufende Dur- und Moll-Tonarten zu üben, bekommt Katrin von Cris als Hausaufgabe. „Bass und Bum Bum“, am liebsten in Techno, will Ilse Hartmann für eines ihrer illusionslosen Liebesgedichte. Weil die Großkarlbacherin seit 20 Jahren Texte in Mundart und Hochdeutsch schreibt, aber keine Musikerin ist – „ich singe nur im Bad und im Auto“ –, erhofft sie sich Inspirationen für die rhythmisch-melodische Umsetzung ihres Lieds. „Stein“ heißt der Song am Ende des Workshops und klingt dank Cris Cosmo wie fluffiger Gitarren-Pop. Mit einem besonderen Anliegen und drei Mitstreitern ist Pia Scheiring dabei: Die Ballettlehrerin aus Oggersheim arbeitet an „Fabi und Mo“, ihrem ersten eigenen Musical mit spirituellem Inhalt. An Texten und Songlinien wird sie gemeinsam mit Sängerin Andrea Held aus Weierhof-Bolanden, deren Tochter Elisa am Piano und dem Egelsbacher Gitarristen Jörg Mayer-Battisti arbeiten. Vier fertige Songs in zwei Tagen ist die stolze Bilanz des selbst ernannten Musical-Teams. „Kristallklar“, der Finale-Song, offenbart Ohrwurm-Qualitäten, und man hört im Geiste bereits ein großes Orchester. Und Pias frecher „Katzen-Blues“ mutiert nach dem Musik-Coaching von Umbo und Cris stilistisch vom Blues zum Rock’n’Roll. Die individuelle Hilfestellung der beiden Profi-Musik Cris Cosmo und Umbo Umschaden hat alle weitergebracht, stimmen die Teilnehmer überein. Gemeinsam wurden Reime gesucht, Akkorde getestet, an Rhythmik und Phrasierung gearbeitet. Beim gegenseitigen Vorspielen am Ende des Workshops wird das Klassenzimmer zum Musik-Club – Wow-Momente, spontane Kaffeebecher-Percussion und Gänsehaut-Effekte inklusive. Mit seiner Aussteiger-Ballade „Kurswechsel“ überzeugt Toni Kroliczak gleichermaßen Dozenten und Gruppe als neuer Reinhard Mey und wird kurzerhand zum Liedermacher „Toni Mahagoni“ geadelt. Einen aufgenommenen Mitschnitt des fertigen Songs kann am Ende jeder Teilnehmer mit nach Hause nehmen. „Das Niveau war sehr hoch“, stellen Cris Cosmo und Umbo Umschaden nach sechs Jahren Songwriting-Workshop fest. „Träumt so groß wie möglich“, gibt Cosmo seinen Songschülern als Praxis-Tipp mit auf den Weg. Und Kollege Umschaden ergänzt: „Der Meister ist öfter gescheitert als es der Lehrling versucht hat.“ Die meisten Songwriting-Schüler wollen im nächsten Jahr wiederkommen. Und dann soll es erstmals auch ein Hautnah-Konzert vor Publikum geben. Als ersten Schritt der Songs von der Schublade in die Öffentlichkeit.

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