Frankenthal
Tischlerhandwerk: Gute Bewerber sind rar
„Das Ehrenamt ist für mich keine Last“, betont Schreider im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Großen Wert legt er auf eine qualifizierte Ausbildung des Nachwuchses, muss allerdings feststellen, dass es gerade im Tischlerhandwerk immer schwieriger wird, geeignete Bewerber zu finden – auch wenn er sich mit Erfolg für eine angemessene Erhöhung der Lehrlingsvergütung eingesetzt hat.
„Die Grundanforderungen werden höher“, sagt Helmut Schreider und nennt als einen der Gründe die Digitalisierung, die zunehmend im Handwerk Einzug halte. In der Berufsschule hätten die jungen Leute nicht selten große Motivationsprobleme. Damit es nicht abwärts geht, müsse das Engagement für die Ausbildung gestärkt werden, unterstreicht der Tischlermeister. Eine Verlängerung der Ausbildungszeit von drei auf dreieinhalb Jahre sei in der Diskussion.
Eignungstest und betriebliche Praktika sind für Schreider unabdingbare Voraussetzung für die Einstellung der Azubis. Damit hat er in seinem eigenen Betrieb gute Erfahrungen gemacht. Auch mit den schriftlichen Berichten, die die Tischlerlehrlinge jede Woche schreiben müssen. Mehrere seiner Auszubildenden, die er in der Regel als Gesellen noch ein Jahr weiterbeschäftigt, wurden bei überregionalen Wettbewerben ausgezeichnet. Und zwei von ihm ausgebildete Tischlerinnen haben sogar die Meisterprüfung bestanden.
„Bin als unbequemer Kritiker bekannt“
Seit 1994 konnte sich Helmut Schreider als Mitglied des Gesellenprüfungsausschusses ein Bild von den Kenntnissen und Fertigkeiten der angehenden Tischler machen. Mehr als 150 „Gesellenstücke“, die sich von der einfachen Holzverbindung bis zum Plattenmöbel entwickelten, hat er in dieser Zeit fachmännisch begutachtet. Auf der „Karriereleiter“ stieg er dann immer weiter nach oben: 1999 wurde er Lehrlingswart, 2014 Obermeister der Schreiner-Innung Vorderpfalz und damit zuständig für 54 Betriebe im Raum Ludwigshafen, Frankenthal und Speyer. Außerdem gehört er dem Tischler-Landesfachverband Hessen/Rheinland-Pfalz an.
Weitere Ehrenämter kamen hinzu: Seit 2017 sitzt der 58-Jährige im Vorstand der Kreishandwerkerschaft Vorderpfalz, seit zwei Jahren gehört er der aus 28 Arbeitgeber- und 14 Arbeitnehmervertretern bestehenden Vollversammlung der Handwerkskammer der Pfalz an. Mit seiner Meinung hält er nie hinterm Berg. „Ich bin als unbequemer Kritiker bekannt“, sagt er von sich selbst. Als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger erstellt Helmut Schreider seit 20 Jahren Gutachten für Gerichte – eine oft zeitaufwendige, aber höchst interessante Tätigkeit, an der er noch immer Freude hat. Darüber hinaus fungiert er als ehrenamtlicher Arbeitsrichter.
Helmut Schreider, der neben der Meisterprüfung eine berufsbegleitende Ausbildung zum Betriebswirt absolvierte, ist 1992 in die elterliche Schreinerei eingetreten und hat sie zwei Jahre später übernommen. Heute zählt der Betrieb in der Beindersheimer Straße neun Beschäftigte und ist gut ausgelastet. In den Auftragsbüchern bildet der Innenausbau mit der Anfertigung von hochwertigen Möbeln nach Maß einen Schwerpunkt. Seine Privat- und Firmenkunden kommen vorwiegend aus Frankenthal und der näheren Umgebung.