Bobenheim-Roxheim
Theaterkreis zeigt Kinderstück „Piraten in der Rumpelkammer“
Das Wochenende war ein voller Erfolg und schon eine Premiere an sich. „So etwas haben wir mindestens die vergangenen 15 Jahre nicht mehr gemacht“, erzählt Britta Merten, die in dem neuen Kinderstück erstmals hauptverantwortliche Regisseurin ist. Die zwei Tage wurden für Spiel und Spaß genutzt, aber vor allen Dingen, um das komplette Stück gleich viermal durchzuspielen. Was laut Merten die acht Akteure im Alter von neun bis 14 Jahren enger zusammengeschweißt habe. „Und alle Mitspieler haben schauspielerisch große Fortschritte gemacht.“
Nach dem Probenwochenende sitzt der Text
Ob das die jungen Mimen genauso sehen? Maja konnte vorher ihre Rolle nur aus dem Textbuch ablesen. „Jetzt kann ich alles auswendig“, berichtet die Zwölfjährige stolz. Und das bedeutet seitenweise Text. Denn Maja spielt Piratenkapitän Smudge – und der steht eigentlich immer auf der Bühne, gemeinsam mit Piratenfreund Kuddel, gespielt von ihrer Freundin Guilia. Mit keckem Dreispitz auf dem Kopf zieht Maja den ungeschickten Kuddel aus so mancher Patsche. Wenn der Pirat aus dem Boot in den stürmischen Ozean purzelt. Oder rückwärts in einen Karton knallt.
Der Bau des Segelschiffs klappt noch nicht
Ein Bühnensturz will gelernt sein, soll echt aussehen. Das beherrscht Giulia schon ziemlich gut. Was noch so gar nicht klappen will bei der Probe, ist der Bau eines Segelschiffs. Man nehme einen Garderobenständer, einen Besenstiel und ein Bettlaken. Klingt kinderleicht, ist aber kniffelig. Denn wenn die Piraten das Laken über die Konstruktion stülpen wollen, stürzt der Stiel regelmäßig ab. „Probiert es immer wieder, bis ihr den Dreh raushabt, dazu sind Proben da“, kommandiert Merten, die im Zuschauerraum mit Blick ins Textbuch die schwierigsten Passagen durchgeht.
Die Sturm-Szene hat es in sich
Als das provisorische Segelschiff seetüchtig ist, proben die Kinder die Sturm-Szene, die es in vielerlei Hinsicht in sich hat. Neben der dramatischen Handlung gilt es, die kleinen Zuschauer zum Mitspielen aufzufordern. Sie sollen die passende Geräuschkulisse liefern – mit Händen und Füßen Sturm, Blitz, Wind und Donner erzeugen. Smudge ruft die entsprechenden Anweisungen in den Zuschauerraum, in dem die übrigen Akteure stellvertretend für das Publikum sofort mit den Händen klatschen und auf den Boden trampeln. Doch gleichzeitig gilt es, in der Rolle präsent zu sein. Und am Blickkontakt zu arbeiten. Denn es ist ein Kunststück, auf der Bühne mit seinem Mitspieler zu reden und zugleich in den Zuschauerraum hinein zu agieren, weiß Co-Regisseur Helmut Dries zu berichten. Und dann ist da auch noch der Text, ohne den es gar nicht geht. Den haben die jungen Amateure schon ziemlich gut im Kopf. Doch Merten findet immer wieder Passagen, die haken. Dann souffliert sie die Sätze und beruhigt: „Selbst, wenn ihr bei der Premiere Texthänger habt, spielt einfach weiter. Sprecht laut und deutlich. Ihr kennt den Text, die Zuschauer nicht.“
Seeungeheuer mit aufwendigem Kostüm
Dass die acht Darsteller das Stück aus der Feder von Christina Stenger toll finden, macht das Auswendiglernen von insgesamt 64 Textseiten einfacher. Ruslana gefallen besonders die interaktiven Stellen. Lara wiederum gefällt es, dass die Piraten in dem Theaterstück keine Ahnung vom wahren Leben haben, denn sie sind aus einem Abenteuerbuch in eine echte Rumpelkammer gefallen. Hier erleben Smudge und Kuddel spannende Abenteuer, bei dem ein niesendes Seeungeheuer eine entscheidende Rolle spielt. Es trägt in dem Stück das aufwendigste Kostüm, das aus einem Fahrradhelm, Tischtennisbällen und ganz viel Pappmaché gefertigt ist.
Die Botschaft der Stücks: Es lehrt, wie wichtig und schön Fantasie und Bücher für Kinder sind. Bei den Mitgliedern der Kinder- und Jugendgruppe vom Theaterkreis ist sie längst angekommen. Seit sie das Stück einstudieren, lesen sie wieder gern Kinderbücher.
Info
„Piraten in der Rumpelkammer“ wird jeweils sonntags am 4. und 11. Dezember, sowie am 15. und 22. Januar um 15 Uhr im Bobenheim-Roxheimer Hoftheater Hasch-Masch, Frankenthaler Straße 7, aufgeführt. Kartenvorverkauf bei Freer Elektronik, Danziger Straße 1, oder im Internet unter www.theaterkreis1975.de. Kinder, die als Matrosen verkleidet kommen, werden mit süßen Goldmünzen belohnt.