Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Theaterkreis zeigt das Kinderstück „In einem tiefen dunklen Wald“

Die Teezeremonie im Königshaus wird gestört, weil ein Untier die Prinzessin entführen will.
Die Teezeremonie im Königshaus wird gestört, weil ein Untier die Prinzessin entführen will.

Teenager, die ein Märchen cool finden? Die gibt es: Im Theaterkreis Bobenheim-Roxheim probt die Jugendgruppe gerade Paul Maars Geschichte „In einem tiefen dunklen Wald“, in dem es zwischen einem Untier und zwei Königsfamilien hoch hergeht. Es ist kurz vor der Premiere. Und es wird viel gelacht.

Aus dem Lachen nicht mehr heraus kommt Helena Kappes, als sie ihren ersten Satz aufsagt: „Man stelle sich das vor, eine Prinzessin, die zu Fuß gehen muss!“ Die 15-Jährige kichert so heftig, dass die königlichen Eltern prompt auch aus ihren Rollen fallen. Das Stück sei lustig, erklärt Helena später in der wohlverdienten Pause. Und dass sie gern mitspielt, weil ihre Figur – die faule und überhebliche Prinzessin Henriette Rosalinde Audora – keinen guten Charakter hat. Lara Merten wiederum mag das Stück, weil ihre Rolle die einer positiven Heldin ist: Prinzessin Simplinella als Gegenspielerin Henriettes ist sich für nichts zu fein.

Das Stück aus der Feder von Paul Maar, dem Erfinder vom Sams, und Rainer Lewandowsky, bricht außerdem trotz seinem traditionellen Märchencharakter mit Geschlechterklischees. Nicht der edle Prinz zieht aus, um die Königstochter zu befreien. Sondern Simplinella, die sich als Mann verkleidet. Und die einen verwunschenen Jüngling erlöst. Das Stück trägt den Titel „In einem tiefen dunklen Wald“. Zu Beginn der Proben nach dem Sommerferien entschied Regisseurin Britta Merten sofort, dass sie mit diesem Titel kaum ein Kind ins Hoftheater Hasch-Masch nach Bobenheim locken würde. Und so verpasste sie dem Stück einen zugkräftigen Untertitel: „Die Prinzessin und das vegetarische Untier“.

Elf Darsteller dabei

„Ich fühlte mich von dem Thema sofort angesprochen und mag den Stil von Paul Maar“, sagt Merten. Außerdem sei das neue Stück ideal für die große Zahl von Akteuren – insgesamt elf Darsteller im Alter von sieben bis 15 Jahren sind am Start. Fünf davon geben ihr Bühnendebüt. Alle hätten sich gut als Team zusammengefunden – nicht zuletzt durch die Übernachtung im Theater vor zwei Wochen. „Wir kamen gut voran mit den Proben und hatten richtig Spaß.“

Es ist 17 Uhr, die Kids haben einen langen Schultag hinter sich. Wer nicht gerade auf der Bühne steht, sitzt herum, blödelt oder zockt am Handy. „Ruhe dahinten“, ruft Merten. Und: „Marsch auf die Bühne! Holt Hocker und Tisch, ich bin heute faul.“ Die Regisseurin weiß, dass während der Vorstellungen die Akteure die Bühnenarbeit erledigen müssen. Und auch das muss geübt werden, damit bei den Szenenwechseln die richtigen Requisiten am passenden Platz stehen. Auch die Seitenwände müssen regelmäßig gedreht werden: In den Szenen im Wald sind Bäume sichtbar, die Kehrseite kommt zum Vorschein, wenn im Palast gespielt wird.

Aus dem Monster wird ein Prinz

Dort sprechen die kleinen Schauspieler ganz anders als im Pausenhof ihrer Schulen. König und Königin kommentieren das Geschehen mit einem gezierten „Ach!“ und sprechen den Diener (Ruslana Amelyanchik) grundsätzlich in der dritten Person an. Vincent Weber hat die größte sprachliche Herausforderung. Er spielt das Untier, das mit Vokalen, Umlauten und Verben so seine Probleme hat. „Pronzossn rotzvoll“, sagt er zu Simplinella, was keine Beleidigung sein soll. Er findet die Prinzessin reizvoll. Und als er sie wiederholt bittet: „Orlos, orlos!“, versteht diese immer nur, dass er keine Ohren hat. Zum Glück ist Simplinella so schlau, dass sie das Kauderwelsch des struppigen Wesens irgendwann richtig übersetzt: Sie soll das Untier erlösen. Was dann ganz traditionell geschieht: Sie küsst das sympathische Untier tapfer, obwohl es übel stinkt. Und dann muss Vincent ziemlich fix sein: Wenn Bühnentechniker David Andres richtig viel Dampf über die Bühne pustet, zieht er sein Fellkostüm aus und wird zum fein gekleideten Prinzen.

Merten, die als Lehrerin an der Karmeliter-Grundschule in Worms unterrichtet, souffliert ihren Schützlingen und verfolgt zeitgleich deren Spiel mit Argusaugen. Die Pädagogin spart nicht mit Lob und koordiniert die Bewegungsabläufe, die nicht immer stimmig sind. Mal steht der eine zu sehr im Hintergrund, mal hapert es an der Gestik. Zum Schluss ruft sie ihr Team zusammen und zieht eine Bilanz: „Ihr seid prima reingekommen in die Geschichte und seid sehr spielfreudig. Ihr müsst aber noch lauter sprechen. Je lauter, desto besser.“

Termin

Das Kinderstück „In einem tiefen dunklen Wald“ feiert Premiere am Samstag, 9. Dezember, 15 Uhr, im Hoftheater Hasch-Masch, Frankenthaler Straße 7. Weitere Aufführungen sind an den Sonntagen, 17. Dezember, sowie 7. und 14. Januar, 15 Uhr. Karten gibt es an der Tageskasse und im Vorverkauf bei Freer Elektronik, Danziger Straße 1, oder im Internet unter www.theaterkreis1975.de.

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