Bobenheim-Roxheim
Theaterkreis verschiebt Premiere von neuem Kinderstück
Groß war die Aufregung bei der Probe von „Das Wasser des Lebens“: Eine Darstellerin ist an Corona erkrankt. Die schlechte Nachricht kam eine Stunde vor dem Treffen. Die Telefonleitungen zum Vorstand liefen heiß. Dann war es entschieden: Die zwei Vorstellungen im Dezember werden gestrichen, beide Januartermine bleiben bestehen und werden um zwei weitere Aufführungen ergänzt.
Sieben Darsteller im Alter zwischen acht und 17 Jahren ackern derzeit für die Inszenierung des Stücks von Paul Maar. „Für sie war die Absage zweischneidig. Erleichterung auf der einen Seite, weil die Angst vor Ansteckung auch vor ihnen nicht haltmacht. Und natürlich auch Enttäuschung, weil wir seit September proben. Die Akteure wollen zeigen, was sie drauf haben“, sagt Regisseur Gerwin Schmitt. Auch die gestiegenen Inzidenzen und die neue Virusvariante hätten bei der Verlegung der Premiere eine Rolle gespielt. Obwohl der Vorverkauf gut lief, hätten sich gerade die älteren Verwandten der Spieler gegen einen Theaterbesuch entschieden. Dazu das Risiko, die knapp 100 Sitzplätze vorwiegend mit Kindern und damit Ungeimpften zu füllen – die Argumente für einen neuen Termin überwogen, berichtet Schmitt.
Auszeit vom Alltag
Die Probe lief trotzdem, laut Schmitt sogar mit hochmotivierten Akteuren. „Theater bietet den Kids eine Auszeit vom Alltag, der durch die Pandemie sehr belastet ist. Man gewinnt seine Normalität zurück“, meint Schmitt, der diese Erfahrungen auch in seinem Beruf als Lehrer an der Schiller-Realschule und als Leiter der dortigen Theater-AG macht. Bei den Proben würden die jungen Schauspieler Corona zeitweise vergessen. „Klar spielt die Angst mit. Dann fragen mich die Darsteller, ob sie sich in ihrer Rolle umarmen dürfen. Da sie privat sowieso Kontakt haben und die Älteren unter ihnen bereits geimpft sind, ist das kein Problem. Wo es geht, achten wir im Stück auf Abstand.“
Schmitt ist froh, dass das Werk des Erfinders vom Sams nicht nur lustig ist. Es stärke junge Menschen in der Krise, weil es wichtige Fragen zum Leben beantworte. Welche Wege gehe man mit dem Älterwerden? Zwischen welchen Lebenskonzepten könne sich ein Teenie entscheiden?
Botschaft sofort verstanden
Auf dieser Suche nach dem Sinn des Lebens sind Nanna und Elisabeth – beste Freundinnen, obwohl sie ganz verschieden sind. Sie treffen auf Brauskopf, der das Wasser des Lebens finden will. Im unheimlichen Dunkelwald erleben die drei Abenteuer und stehen vor wichtigen Entscheidungen. Die Botschaft des Stücks hätten die Mitspieler sofort verstanden, sagt der Regisseur. Auch die Verteilung der Rollen klappte schnell. „Die Kinder haben ein gutes Gespür dafür, welche Rolle ihnen liegt.“ Seine Schützlinge seien mit Feuereifer dabei. Nur um das Lernen der Texte drückten sich die Mimen gerne mal, „obwohl das die Basis ist“, so Schmitt. „Wer den Text im Schlaf beherrscht, kann freier agieren.“
Das Bühnenbild nach einer Idee des Regisseurs ist inzwischen vollendet. Federführend beim Bau war Helmut Dries als technischer Leiter des Theaterkreises. Schmitt beschreibt es als eine Gratwanderung aus Comicelementen sowie realistischen und abstrakten Details. „Mir war wichtig, dass das Bühnenbild auch die jüngsten Zuschauer anspricht. Und zugleich den Charakter einer Parabel unterstreicht und die Phantasie anregt“, betont Schmitt, der seit drei Jahren Mitglied des Theaterkreises ist und erstmals Regie führt. Dries habe viel mit Lichteffekten gearbeitet, „der Dunkelwald ist grün schillernd angeleuchtet, die Quelle mit dem Wasser des Lebens flackert blau“.
Premiere im Januar
Die drei Hauptdarsteller tragen auf der Bühne ihre eigene Kleidung, damit sich das Publikum mit ihnen identifizieren kann. Die Waldtiere sind verkleidet. Elemente des klassischen Mitmachtheaters, bei dem die Zuschauer den Akteuren „helfen“, gibt es nicht. Dafür üben nun die jungen Darsteller das „nach vorne spielen“ – also in Blickrichtung des Publikums zu agieren. „Das ist viel wichtiger als im Erwachsenentheater. Die Zuschauer sollen in die Geschichte reingezogen werden und mitfiebern können“, betont Schmitt.
Das Ensemble hofft nun, dass die Premiere im Januar stattfinden kann und es insgesamt vier Aufführungstermine geben wird. Das Zeitfenster dafür ist beschränkt. Denn im Februar wird das Erwachsenenstück der Wintersaison inszeniert. Für zwei parallele Vorführungen mit verschiedenen Bühnenbildern bietet das Hoftheater Hasch-Masch nicht genügend Platz.
Noch Fragen?
Die Premiere von „Das Wasser des Lebens“ am Samstag, 5. Dezember, sowie die Vorstellung am 12. Dezember sind abgesagt. Bereits gekaufte Karten können zurückgegeben werden. Geplant ist die Premiere für Sonntag, 9. Januar, 15 Uhr. Am darauffolgenden Sonntag, 16. Januar, soll es um 15 Uhr eine zweite Vorstellung geben. Die Termine für weitere Aufführungen werden im neuen Jahr bekanntgegeben.