Bobenheim-Roxheim
Theaterkreis: Sommerstück mit Schnee statt Klee
„Man hätte als Titel auch ,Drei Männer im Klee’ wählen können“, meint Regisseurin Andrea Kühn, die ihre Stücke so wählt, dass alle spielwilligen Schauspieler des Theaterkreises mitwirken können, die teils schon seit der Kinder- und Jugendzeit dabei sind. Von 20 Aktiven stehen aktuell elf auf der Bühne. Den Sommer als Jahreszeit zu wählen, das hätte den Vorteil gehabt, dass die Akteure im Hochsommer nicht in dicken Winterklamotten auf der Bühne stehen müssten. Doch die Gruppe habe sich dagegen entschieden.
Das Stück „Drei Männer im Schnee“ orientiert sich am erfolgreichen Film aus dem Jahr 1955, der sich laut Wikipedia auf das Originaldrehbuch Erich Kästners stützt. Das wiederum enthält ganze Passagen aus Kästners gleichnamigem Roman aus dem Jahr 1934. Noch heute, berichtet Regisseurin Andrea Kühn, werde der Filmklassiker oft im Fernsehen wiederholt. „Ich kenne Leute, die sich den Film immer wieder gerne ansehen. Und die sich jetzt freuen, die scheinbar wenig aufgeführte Komödie live auf der Bühne erleben zu können.“
Stück für die ganze Familie
Es sei ein richtiges Wohlfühlstück für die ganze Familie, findet die Regisseurin. „Es ist lustig, nett, ohne sarkastische Töne – kurz eine schöne Verwechslungskomödie.“ Eine Herausforderung sei es gewesen, Spannung entstehen zu lassen. Dazu brauche man doch wenigstens ein, zwei „unsympathische Figuren, etwas durchtrieben und böse“, findet Kühn. Natürlich ist das den Profis gelungen.
Worum es grob im Stück geht: Der wohlhabende Unternehmer Schlüter (Markus Fischer) möchte kennenlernen, wie es ist, nicht als Millionär, sondern als armer Schlucker wahrgenommen zu werden. Wird man ihm unvoreingenommen begegnen, ihn weiterhin schätzen? Als zweiter Preisträger eines Schlüter-Preisausschreibens gewinnt er einen Winterurlaub in einem feudalen Grandhotel. Es begleitet ihn sein Diener Johann Seidelbast, der einen reichen Hotelgast mimen muss. Die Familie ist nicht begeistert von dem Selbstversuch, aber Tochter Hertha spannt ein Sicherheitsnetz, indem sie das Hotel darüber informiert, dass ein verkleideter Millionär anreist. Kurz vor Schlüter kommt jedoch der erste Preisträger an. Und Dr. Georg Scheinpflug – „den Doktor habe ich gemacht, weil ich kein anderes Geschenk für meine Mutter hatte“ – wird für den Millionär gehalten.
Der Schneemann steht
Probeschnuppern: Im zweiten Akt ist die Schneedecke ausgebreitet, der Schneemann steht trotz leichter Neigung. Die Freiluftbühne ist für verschiedene Szenen möbliert – teils aus eigenem Fundus, so Kühn. Lediglich die Recamiere aus Korb sei eine Neuanschaffung. Die Kleider im 50er-Jahre-Stil stammten vom Kostümverleih Fundus Lorsch.
Dr. Scheinpflug sitzt in der Lounge des Grandhotel, neben ihm die Lebedame Frau von Haller. Immer mehr rückt sie dem vermeintlichen Millionär zu Leibe. So sehr er sich auch bemüht, er kann ihr kaum entkommen. Derweil fühlt sich Schlüters Diener Johann von Hoteldirektor und -Portiere in die Zange genommen. Sie wollen ihn aushorchen über den millionenschweren Gast. Sein Gesicht spricht Bände. Ihm ist höchst unwohl.
Zeitintensives Hobby
Wie schafft man eine solch beredte Mimik? Seidelbast alias Klaus Beckerle erklärt: „Ich überlege mir, was treibt den Diener wirklich an? Was gefällt ihm, was nicht? Dazu mache ich die Mimik.“ Seine Figur kenne er gut. Charakterstudien der Protagonisten stünden ganz am Anfang der Proben. Man trainiere oder lerne den Text und gehe zur Feinarbeit über, erläutert Beckerle. Das bedeute auch, sich richtig zu bewegen – ob volltrunken, forsch, ängstlich, schüchtern oder abwehrend. „Dazu machen wir Improvisationsübungen“, sagt Beckerle. Textsicher müsse natürlich jeder Schauspieler sein. Wie man dieses Ziel erreiche, das sei unterschiedlich. „Mir helfen dabei die Proben, das situationsbedingte Agieren“, sagt er.
Begonnen haben die Proben im März als Online-Leseformat, ab Monatsende wurde einmal wöchentlich geprobt, die letzten Wochen zweimal und in der Premierenwoche täglich. Es sei ein zeitintensives Hobby, betont Scheinpflug alias Daniel Fuchs. „Ja“, ergänzt Beckerle, „am Anfang macht man das freiwillig, dann hat man sich verpflichtet, die letzte Woche wird richtig anstrengend, aber dann kommt die Freude.“
Noch Fragen?
Aufführungen von Erich Kästners „Drei Männer im Schnee“ sind freitags am 8., 15., 22. und 29. Juli sowie samstags am 9., 16., 23. und 30. Juli, jeweils um 20 Uhr auf der Freilichtbühne Im Busch am Rhein. Karten zu 13 Euro (ermäßig elf Euro) gibt es im Vorverkauf unter www.theaterkeis1975.de.