Bobenheim-Roxheim
Theaterkreis: Premiere „Mord auf Fernbrook Manor“
Für Nervenkitzel sorgte nicht nur die Frage, ob die Premiere auf der Freilichtbühne Im Busch wegen des Regens abgebrochen werden sollte. Ebenso spannend war die Krimikomödie „Mord auf Fernbrook Manor“. Die Debatten auf der Bühne über das trübe englische Wetter unterstrich das Tiefdruckgebiet mit kleinen Schauern. Das mit Jacken und Schirmen gewappnete Publikum honorierte die humorvolle Mörderjagd mit Szenen- und Schlussapplaus.
Für Andrea Kühn, seit 2017 künstlerische Leiterin des Theaterkreises, war es eine doppelte Premiere: Erstmals führte sie bei einem selbst geschriebenen Stück Regie. Als Autorin ließ die 1963 Geborene das Flair der 60er ihrer Kindheit wieder aufleben und schrieb mit der Krimikomödie eine Liebeserklärung an Agatha Christie. Als Regisseurin musste Kühn ein Stück unter Corona-Bedingungen einstudieren. Was bedeutet: Szenen in Minimalbesetzung zu proben und erst kurz vor der Premiere das Ensemble auf der Bühne zusammenzuführen. „Es war meine bislang stressigste Zeit im Theaterkreis“, erzählte die Controllerin im Finanzwesen der RHEINPFALZ vor der Premiere und fügte hinzu, dass die Rückkehr zum Spielbetrieb nach anderthalb Jahren Pause ein Herzenswunsch aller theaterbegeisterten Laiendarsteller der Altrheingemeinde sei.
Skript nach Corona-Regeln
Dass Kühn nun ein Werk aus eigener Feder inszeniert, hat einen praktischen Grund: Nach der dritten Corona-Welle musste das Theaterstück aktuellen Abstandsregeln folgen und Szenen mit Darstellern enthalten, in denen Personen aus zwei Haushalten beteiligt sind. Solche Krimikomödien sind selten. Daher verfasste die Bobenheim-Roxheimerin selbst ein Bühnenstück, in dem die Hauptdarsteller nicht nur auf der Bühne, sondern auch im wahren Leben ein Paar sind. Und die ihre Nachforschungen nach dem Täter häppchenweise betreiben – stets ist nur einer der zwölf Tatverdächtigen im Visier des auf Kriminalfälle spezialisierten Pärchens Hector Pearson und Winifred Peters (Klaus Beckerle und Karolin Eberle).
Den Meisterdetektiv Hector umgibt der Charme eines Jean-Paul Belmondo. Weltmännisch und galant begleitet er seine kluge Ehefrau Winifred auf einer verregneten Autofahrt durch das englische Moor. Das harmonische und leicht dekadente Duo erinnert an das Detektiv-Paar Jonathan und Jennifer Hart aus der US-Serie „Hart aber herzlich“. Weniger herzlich ist der Empfang, den man den beiden im einsam gelegenen Hotel Fernbrook Manor bereitet. Neue Gäste scheinen hier unerwünscht. Nur widerwillig überlässt Hotelchef Arthur Quinn (Markus Fischer) den Ankömmlingen zwei Zimmer.
Songs der 60er-Jahre
Die mangelnde Gastfreundschaft ist nur eines der Rätsel, die sich im Stück aneinanderreihen. Recht bald wird ein Gast durch zwölf Stiche ermordet – Charles Grey (je nach Aufführungstag Gerwin Schmitt und Thomas Andres), der als Sicherheitsberater das Hotel vor Einbrechern schützen sollte. Seltsamerweise tauchen keine Polizeibeamte auf, und Pearson beschließt mit seiner Gattin, den Fall aufzuklären.
Tatverdächtig sind alle, die sich auf Fernbrook Manor, befinden – das Personal und die Gäste. Gelungen ist der szenische Kniff, mit dem sich Kühn bei der Aufklärung bedient: Jeder Verdächtige wird einzeln verhört. Dabei spielt sich die Nacht des Mordes immer wieder neu ab. Pantomimisch wiederholen dabei die jeweils Verhörten ihre Handlungen aus der Zeit, in der Grey erstochen wurde. Dazu erklingen zu kleinen Tanzeinlagen Songs, die in den 60ern angesagt waren, etwa von Manfred Mann, den Beach Boys und natürlich die Hymne der Hippie-Bewegung „San Francisco“.
Stilechte Kostümierung
Zu den Stärken des Stücks zählt die opulente Kostümierung. Sie stammt stilecht aus den 1960ern und wurde vom Lorscher Kostümverleih Gerda Brunnengräber geordert. Für die Möblierung der geschickt ausgenutzten Naturbühne – Kühn hat hier vier Räume des Hotels angesiedelt – hat der Fundus vom Theaterkreis ausgereicht, angefangen von futuristischen Lava-Lampen bis hin zu kitschigen Sofas. Sehenswert ist eine Stellwand mit drehbaren Elementen: Auf einer Seite ist die Rauten-Tapete einer Hotel-Suite dargestellt, die andere zeigt die Farne an der Fassade, die dem Hotel seinen Namen gaben.
Bemerkenswert bei der Premiere war, dass das Ensemble trotz des Regens seine Rollen unbeirrt und begeistert ausfüllte. Eine Planänderung, die sich nach der Premiere hinter den Kulissen unbemerkt abspielte: Die Kostüme, die eigentlich in den Räumen der Freilichtbühne für die nächsten Aufführungen aufbewahrt werden sollten, wurden von den Darstellern mit nach Hause genommen und getrocknet. Ebenso das Exemplar der New York Times, das die Regisseurin als Requisit am Wormser Hauptbahnhof ergattert hatte – eines der zahlreichen Details, die in der Summe eine spannende und humorvolle Zeitreise in das England vor über einem halben Jahrhundert darstellten.
Termine
Weitere Aufführungen vom 3. bis 5. sowie 10. bis 12. September jeweils 20 Uhr, sonntags 19 Uhr. Die Freilichtbühne Im Busch ist zu erreichen über die B9 in Richtung Worms, Ausfahrt Rheinufer 2. Kartenverkauf: unter www.theaterkreis1975.de sowie in Bobenheim-Roxheim bei Freer Elektronik, Danziger Straße 1.