Lambsheim
„Theater am Türmchen“ probt Bahn-Komödie: Warten auf Godot am Pfälzer Provinzbahnhof
Mit der launigen Komödie „Es fährt kein Zug nach irgendwo“ bringt das „Theater am Türmchen“ in Lambsheim anlässlich seines 30-jährigen Bestehens ein fulminantes Bahn-Abenteuer auf die Bühne des protestantischen Gemeindehauses in Lambsheim. Fünf Aufführungen sind geplant.
Wie heißt es so schön: „Senk ju vor träweling wis Deutsche Bahn.“ Davon sind die acht Akteure im Stück von Theaterautorin Winnie Abel weit entfernt. Denn sie sind gestrandet in Frankenstein, einem trostlosen Provinzbahnhof im Pfälzer Hinterland. Ihr ICE 6948 hat einen Triebwerkschaden auf offener Strecke. Das heißt: Nichts geht mehr. Kein Funknetz, kein frischer Kaffee, keine funktionierende Toilette. Die Aussicht auf ein Taxi oder eine Weiterfahrt meilenweit entfernt. Da liegen bald die Nerven blank.
Mit dem Stillstand nimmt das Stück Fahrt auf, und in bester Komödien-Manier entwickelt sich eine turbulente Handlung, die die Träume, Sehnsüchte und Erwartungen der Mitreisenden offenbart. Es treffen dabei ganz unterschiedliche Typen aufeinander: die gehetzte Business-Frau (Daniela Weisenburger), zwei illustre Kegelschwestern mit Pikkolöchen und drückender Blase (Ulrike Lotterhoß, Ingeborg Aldenhoven), eine abgedrehte Motivationstrainerin (Susanne Gopalan), ein eigenwilliger Verschwörungstheoretiker (Werner Haubrok) und ein stolzer Landstreicher (Martin Armingeon) .
Das Bühnenbild mit ikonischen Graffitis des diesjährigen Lambsheimer Turmmaler-Kollektivs „22.22“ und typischen Schwingtüren von Kulissenbauer Willy Heiser bringt ein Stück Realität auf die Bretter und wird so zum Biotop für eine Bahn-Odyssee mit Kammerspiel-Charakter. Die Handlung lebt von Dialogen in unterschiedlichen Sprachebenen, es gibt Business-Sprech und Alltags-Slang, Verschwörungsgeschwurbel, Banales und Tiefgründiges. Die Struktur des Stücks erinnert an „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett, einen Klassiker des Absurden Theaters, übertragen in die Gegenwart des bundesdeutschen Personenbeförderungswesens. Rund ein Dutzend typische Bahn-Ansagen strukturieren das Geschehen. Sie wurden von der Truppe aufwendig nachproduziert (Ton und Technik: Horst Lotterhoß) und stürzen als ominöse Stimmen aus dem Off die Gestrandeten abwechselnd in Hoffnung und Verzweiflung. Denn alle müssen irgendwie schnell weg hier. Als dann noch ein Polizist (Harald Krauß) erscheint mit dem Auftrag, einen entlaufenen Psychopathen zu finden und nach Kaiserslautern zu fahren, weckt das Begehrlichkeiten unter den Reisenden, und das Chaos ist perfekt.
Für Aki Gopalan, seit fünf Jahren Leiter der vereinseigenen Impro-Theatergruppe „Stegreif am Türmchen“, ist es die erste Regiearbeit in Lambsheim. Seine Inszenierung des Dreiakters von Winnie Abel setzt ganz auf Dialogwitz und Situationskomik. Und nebenbei sollen auch die Zuschauer mit eingebunden werden.
Termine
Das „Theater am Türmchen“ feiert mit „Es fährt kein Zug nach irgendwo“ am Samstag 29. März, um 20 Uhr Premiere im protestantischen Gemeindehaus, Hauptstraße 2, in Lambsheim. Weitere Aufführungen dort am 30. März und 4. April um 19 Uhr sowie am 4. und 5. April um 20 Uhr . Karten (15 Euro) über karten@tat-lambsheim.de und bei Brillen Bott in Lambsheim.