Frankenthal
Theater Alte Werkstatt zeigt Boulevardstück „Jugendliebe“
Im Hinblick auf sein kühl kalkulierendes Wesen, das ausschließlich dem Kurvenverlauf von Umsatz und Gewinn folgt, kann man den Geschäftsmann mittleren Alters (Uwe Hörner) als Paradebeispiel für den Menschentyp „Homo oeconomicus“ beschreiben. Also als strengen Wirtschaftsmenschen, der mit seiner Firma verheiratet ist und die weltfremde Lebensgefährtin daheim vernachlässigt. Bis den von Geld getriebenen Boss aus heiterem Himmel ein Brief seiner ehemaligen Jugendliebe Ulrike erreicht, mit der er vor 25 Jahren in einer spontanen Bierlaune den Bund der Ehe einging – und die nun behördlich beglaubigt die Scheidung verlangt. Doch der in Vergessenheit geratenen Gattin, die mittlerweile als konsumkritische Entwicklungshelferin im bunten Neo-Hippie-Outfit die Welt verbessern möchte, würde somit die Hälfte seines millionenschweren Vermögens zustehen.
Ursprünglich stammt diese wendungsreiche Komödie, die mit personellen Irrtümern und Verwechslungen spielt, aus der Feder des französischen Dramatikers Ivan Calbérac. Im Theater Alte Werkstatt (TAW) in Frankenthal feierte nun eine ins Deutsche übersetzte Version davon unter Leitung von Regisseur Jürgen Hellmann ihre Premiere. Sowohl die Premiere als auch die Aufführung am Sonntag waren mit jeweils 120 Besucherinnen und Besuchern ausverkauft.
Drehbare Bühne
Über die Soundanlage im Theatersaal erklangen die thematisch zum Fünf-Personen-Stück passenden Songs „Millionär“ von Die Prinzen, „Money, Money, Money“ von Abba und „Money, Money“ von Liza Minnelli aus dem Film „Cabaret“. Räumlich und sprachlich springt die Komödie „Jugendliebe“ zwischen zwei Welten beziehungsweise Ebenen hin und her, nämlich zwischen dem luxuriösen Apartment des erfolgreichen Geschäftsmanns und der schlichten Wohnung seiner Haushälterin Waltraud (Angelika Dietrich), die in einem Plattenbau in der Ernst-Reuter-Siedlung in prekären Verhältnissen leben muss.
Indem der Geschäftsmann vorübergehend in die primitive Bude seiner Haushälterin einzieht, gaukelt der gerissene Businessmann seiner Jugendliebe (Sabine Asal-Frey) angebliche Mittellosigkeit vor. In diesem Zusammenhang bespielen die Akteure eine sich um die eigene Achse drehende Bühne, wodurch sich das vornehme Apartment, in dem abstrakte Kunstgemälde hängen, buchstäblich im Handumdrehen in eine einfache Wohnung mit weißem Spülbecken aus Urgroßmutters Zeiten verwandelt.
Hochdeutsch versus Pfälzisch
Während der mondäne Chef, der sich mit seiner attraktiven Freundin (Sina Weiß) über den Kauf eines Schlosses streitet, bewusst darauf achtet, sich einer gewählten Sprache zu bedienen, schwadroniert seine ruppige Haushälterin Waltraud im pfälzischen Dialekt drauflos. Mit dem Herz auf der Zunge.
Wie bereitet sich Hauptdarstellerin Sina Weiß, die in der Rolle der verwöhnten Luxus-Freundin zu erleben ist, auf das Theaterstück vor? „Den Text habe ich in einem Raum gelernt, in dem es keine Reize gibt“, erklärt die Darstellerin, die an der Schule für Schauspiel in Wiesbaden studiert hat und vier Jahre dem festen Ensemble an der Badischen Landesbühne in Bruchsal angehörte, nach der zweieinhalbstündigen Aufführung. Inzwischen arbeitet Weiß, die Mutter eines dreijährigen Jungen ist, als freischaffende Schauspielerin, um flexibel zu bleiben und je nach Engagement von Bühne zu Bühne zu springen.
Termine
Die nächsten Aufführungen von „Jugendliebe“ finden am Donnerstag, 23. April, und Samstag, 25. April, jeweils um 19.30 Uhr im Theater Alte Werkstatt statt. Karten im Internet unter www.tawfrankenthal.de.