Frankenthal Terminservice für Fachärzte wird selten genutzt

91-94125639.jpg

Bei der schnellen Vergabe von Facharztterminen gibt es in Frankenthal offenbar wenig Probleme.

Nach dem Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung sollte mit den zentralen Servicestellen das Ziel verfolgt werden, längere Wartezeiten bis zu einer Facharztbehandlung zu verkürzen und innerhalb einer Woche einen Termin zu vermitteln. Notwendig ist eine Überweisung des Hausarztes, der eine medizinische Dringlichkeit bescheinigt. Dies gilt nicht für einen Termin beim Augen- oder Frauenarzt. Wird die Servicestelle der KV tätig, vereinbart diese im Zeitraum von maximal vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt, auf dessen Auswahl der Patient allerdings keinen Einfluss hat. Eine Fahrzeit von bis zu 60 Minuten gilt als zumutbar. Vom Vermittlungsservice ausgenommen sind Termine bei Zahnärzten, Kinderärzten sowie Psychotherapeuten. Auf RHEINPFALZ-Anfrage bestätigte Rainer Saurwein, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz, dass die Servicestelle kaum genutzt wird. „Wir haben im Durchschnitt etwa 100 Vermittlungen pro Woche.“ Auf ein Quartal hochgerechnet seien dies rund 1200 Terminabsprachen. Zum Vergleich: Landesweit werden nach Angaben Saurweins vierteljährlich etwa 800.000 Facharzttermine vereinbart, sodass sich das Einschalten der Servicestelle im Promillebereich bewegt. Zu den am meisten nachgefragten Fachrichtungen gehören – wie der KV-Sprecher informierte – Neurologen, Rheumatologen, Radiologen und Gastroentereologen. Nur in dringenden Fällen würde Patienten über die Servicestelle eine Behandlung vermittelt. „In Bagatellfällen werden von uns keine Termine zur Vergabe angeboten.“ Nach Einschätzung von Rainer Saurwein hätte es der Regelung, die für alle Beteiligten mit einem relativ großen bürokratischen Aufwand verbunden sei, nicht bedurft. „Mit unserem Gesundheitsinformationsservice helfen wir schon seit Jahren den Patienten mit Schwierigkeiten.“ Uwe Reineke, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, sieht weder Probleme noch Handlungsbedarf. „Bei uns bekommen die Patienten innerhalb kürzester Zeit einen Termin, in akuten Fällen noch am gleichen Tag.“ Zuweisungen durch die KV habe es in seiner Praxis bisher nicht gegeben. Der Orthopäde Frank Gellweiler hält von der gesetzlichen Regelung der Terminvergabe überhaupt nichts und bezeichnet sie als „totalen Quatsch“. Der hohe bürokratische Aufwand werde letztlich vom Patienten gezahlt. Er habe eigens für die KV bestimmte Terminfenster freigehalten, die allerdings nicht abgerufen worden seien. Eine kurzfristige Terminvergabe sei in seiner Praxis die Regel, Notfälle würden sofort behandelt. Sollte es zu Wartezeiten kommen, hält Gellweiler den Weg über den Hausarzt für besser. Bei Frauenärztin Friederike Gutmann bekommen die Patientinnen bei Problemen sofort einen Termin. „Bei uns bleibt keiner im Regen stehen.“ Neupatientinnen müssten mitunter etwas länger warten, sofern kein akuter Fall vorliege. Über die Kassenärztliche Vereinigung sei der Praxis bisher kein einziger Fall zugespielt worden. „Bei uns bekommt jeder innerhalb von zehn Tagen einen Termin“, unterstrich Marc-Wigand Pointner, Facharzt für Chirurgie. Auch wenn seine Praxis, in der überwiegend Kassenpatienten behandelt würden, gut ausgelastet sei, gebe es bei akuten Fällen keine Wartezeiten. Für bedenklich hält Pointner die Regelung, dass die KV-Terminservicestelle die Patienten auch den Ambulanzen der Krankenhäuser zuweisen könne und dort eine Facharztbehandlung nicht sichergestellt sei. Völlig unproblematisch verläuft die Terminvergabe bei dem Urologen Günter Bauknecht. „Mehr als zwei bis drei Wochen muss kein Patient warten.“ Mitunter sei eine Behandlung auch vom einen auf den anderen Tag möglich. Keine Wartezeiten gibt es auch in der Praxis des Internisten und Onkologen Thomas Ehlers. „Wir behandeln überwiegend lebensbedrohlich erkrankte Patienten.“ Die Kassenärztliche Vereinigung habe er wissen lassen, keine Zeitfenster für Terminvergaben freihalten zu können. Spätestens innerhalb einer Woche sei ein Termin zu bekommen. Dabei werde kein Unterschied zwischen Privat- und Kassenpatienten gemacht. „Jeder wird bei uns gleich behandelt“, hob Ehlers gegenüber der RHEINPFALZ hervor.

x