Frankenthal
TAW: Neue Inszenierung über ein aufregendes Thema
Die Rede ist von der Sex-Hotline, die Frau ganz bequem im Homeoffice betreiben kann. Auf diese Idee kommen in der Feel-Good-Komödie drei Frauen, deren Dorflädchen im beschaulichen pfälzischen Kleinheßbach nicht mehr so gut läuft wie in den guten alten Zeiten vor Internetshops und Supermärkten auf der grünen Wiese. Die Komödie ist ursprünglich angesiedelt in einem Alpendörfchen und steckt voller bayerischer Mundart. Regisseur Jürgen Hellmann siedelte sie um in die Vorderpfalz, weshalb sie von den Akteuren in den Pfälzer Dialekt übersetzt werden musste.
Das war die Krux bei den Proben. Denn plötzlich standen die sieben Mimen vor der Herausforderung, nach griffigen, hierzulande gebräuchlichen Bezeichnungen für Liebesspiele und -techniken zu suchen. Dabei kam man nicht umhin, über sein eigenes Liebesleben das eine oder andere preiszugeben. Dadurch waren die Proben reichlich ungewöhnlich, erzählt der Regisseur. „Besonders spannend war dies, weil bei dem Stück verschiedene Generationen am Start sind. Und die sind bei diesem Thema unterschiedlich verklemmt, was in der Komödie genauso ist.“
Vor den Toren Frankenthals
Die „Heiße Nummer“ ist die zweite Inszenierung dieser Spielzeit. Eröffnet hatte das TAW die Saison mit „Plötzlich Pfälzer“ über eine Studenten-WG, in der sich verschiedene Nationalitäten tummeln. Die neue Komödie setzt auf den dörflichen Charme einer fiktiven Gemeinde vor den Toren Frankenthals. Und hier hält man sich bei Fragen zur Sexualität reichlich bedeckt. Denn der Nachbar muss ja nicht unbedingt wissen, wie es unter der eigenen Bettdecke zugeht. Das Tabu brechen die drei Betreiberinnen vom „Lädsche“, dem Tante-Emma-Laden. Diese Einkommensquelle versiegt allmählich. Weshalb die Damen, gespielt von Marion Barchet, Elke Precht und Vera Frey, Gefallen an der Geschäftsidee finden, Männern am Telefon heiße Liebesspiele vorzugaukeln – ein Skandal in Kleinheßbach, wo das Trio außerdem mit seinen Partnern in allerlei Rosenkriege verwickelt ist.
Auf das Stück kam Hellmann zufällig. Ein Verlag hatte ihm einige Theatertexte zugeschickt. Komödien von Andrea Sixt wurden hier noch nie gespielt. Doch ihre „Heiße Nummer“ kam dem TAW-Chef gerade recht, weil das freie Theater gern auf Inszenierungen setzt, die im ländlichen Milieu spielen. Der Trick dabei: den Spielort in die Pfalz zu verlegen. „Damit kann sich das Publikum hervorragend identifizieren. Man lacht nun mal am besten über Dinge, die einen persönlich berühren“, weiß er. Bei der Besetzung sah Hellmann die Chance, sowohl Nachwuchstalenten (Frey) als auch Akteuren, die bislang nur Nebenrollen verkörpert hatten (Barchet und Precht), die Chance auf eine Hauptrolle zu geben.
Von der Leinwand auf die Bühne
Eine Herausforderung sind die zahlreichen Spielorte. Das Stück von Sixt basiert auf ihrem gleichnamigen Roman. Der wurde von Markus Goller verfilmt und avancierte in den deutschen Kinos mit mehr als einer Million Besuchern zur zweiterfolgreichsten deutschen Arthouse-Produktion des Jahres 2011. Dementsprechend ist die „Heiße Nummer“ ursprünglich nicht auf die Bedürfnisse von Theaterbühnen zugeschnitten und bietet eine Fülle von Handlungsorten.
Dieses Problem löst Hellmann mit einem Kniff: „Die Kernhandlung spielt im Lädsche, das alles hat, was zu einem Dorflädchen gehört: Registrierkasse und Regale voller Artikel des täglichen Bedarfs. Alle anderen Schauplätze sind nur angedeutet wie in einer Skizze.“ So reicht für die Kirchenszenen als Requisite lediglich eine Kniebank und die für Gotteshäuser typische schummrige Beleuchtung. Während der Dorfplatz von Kleinheßbach nur mittels einer Sitzbank angedeutet wird.
Hellmann ist überzeugt davon, „dass das Publikum in der Wohlfühlkomödie ein Stück Heimat wiederentdeckt. Und dass wir einen Nerv treffen. Denn vielen Leuten ging es so, dass sie in Corona gezwungen waren, neue Wege zu gehen. Und das Thema Liebe und Verrat ist zeitlos und zielt bei jedem mitten ins Herz. Gerade, wenn es mit viel Humor auf die Bühne gebracht wird.“
Termine
Die Premiere von „Eine ganz heiße Nummer“ ist am Donnerstag, 5. Mai, 20 Uhr, im Theater Alte Werkstatt, Wormser Straße 109. Nächste Aufführungen: Freitag, 6., Samstag, 7., und Sonntag, 8. Mai. Weitere Termine unter www.tawfrankenthal.net. Karten gibt es online oder unter Telefon 06233 354826.