Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Tante Trudi lässt es krachen

Karin Nick (von links), Wiltrud Sporn und Alexander Wieser bei der Taufe der neuen Kanonen. Foto: BOLTE
Karin Nick (von links), Wiltrud Sporn und Alexander Wieser bei der Taufe der neuen Kanonen.

Zwei Tage lang feierte die Schützengesellschaft Frankenthal am Wochenende ihr Sommerfest. Ein Höhepunkt war die Böllertaufe, die zwei Geschützen die Namen Hanna und Trudi gab. Mit einem kräftigen Schuss Sekt wurde die Zeremonie besiegelt.

Samstag am frühen Nachmittag: Brütende Hitze liegt auf dem Platz vor dem Schützenhaus in der Mahlastraße. Der Publikumsandrang hält sich in Grenzen. Der Mittelaltermarkt in der Innenstadt, das Gondelfest in Bobenheim-Roxheim und nicht zuletzt das erfrischende Wasser in den Becken des Strandbads machen den Schützen Konkurrenz. Das Anböllern und die Taufe zweier Kanonen werden kurzerhand auf den späten Nachmittag verschoben.

Gegen 16 Uhr macht sich Böllerkommandant Alexander Wieser daran, das Böllerschießen vorzubereiten. Ohrenstopfen und andere Lärmschutzutensilien sollen bei Schützen und Zuschauern das Trommelfell schonen, denn das aufgebotene Geschütztrio wird gleich für ein gewaltiges Krachen sorgen. Das kleinste Geschütz, einer urtümlichen Vorderladerpistole ähnlich, wird aus der Hand abgeschossen. Daneben stehen zwei Kanonen auf Lafetten. Die Größere könnte Teil einer Schlachtenszene sein, wie man sie aus Historienfilmen kennt. Die zweite Kanone wirkt wie die silbernglänzende kleine Schwester des dicken Geschützes. Nach einigen Reihenfeuern und mehreren Salutschüssen schreitet die Böllerabteilung schließlich zur Kanonentaufe. Hanna soll das dicke Rohr mit dem Kaliber 50 Millimeter, Trudi die zierliche Variante mit Kaliber 35 heißen.

Namenspatin ist Hanna Schmitt

Doch wie kommt man auf die Namen der Geschütze? „Die große Kanone bekommt den Namen unseres ältesten Vereinsmitglieds, Hanna Schmitt“, verrät Böllerschütze Leonhard Schmitt. Er ist der Sohn der 94-jährigen Seniorin. „Vor fünf Jahren, mit 89, hat sie den Vogel abgeschossen und wurde Schützenkönigin“, erläutert Leonhard Schmitt. Damit sei sie wohl die älteste Schützenkönigin Deutschlands, schätzt er. Wegen eines Krankenhausaufenthalts könne die Seniorin die Taufe bedauerlicherweise nicht eigenhändig vornehmen, berichtet der Böllerschütze. So greift der Sohn selbst zum Sektglas, um die Kanone auf Anweisung des Schützenkommandanten zu taufen.

Bei der kleinen silbernen Trudi vollzieht die Namenspatin die Taufe selbst. Wiltrud Sporn ist bei den Wiesers „Tante Trudi“, und die lasse es immer krachen, verrät Nadine Wieser, Gattin des Böllerkommandaten. „Die ganze Familie Wieser ist im Verein, wir böllern und schießen“, sagt die Patin. Alexander Wieser hat das Geschütz von einem Bekannten in Magdeburg erworben. „Der hat das Geschütz selbst gebaut“, erzählt er. Und weil es nun sein Eigentum sei, habe die Familie den Namen der Kanone wählen dürfen.

Alle fünf Jahre müssen die Geschütze zum Beschussamt, um auf ihre Sicherheit hin überprüft zu werden. Kanone Trudi erhielt ihre Feuertaufe in einem Steinbruch bei Mellrichstadt in Unterfranken. Dort wurde getestet, ob das Kanonenrohr dem Abfeuern mit einer doppelten Ladung standhält. Trudi hat die Prüfung bestanden und einen fünf Jahre gültigen Beschussstempel erhalten.

Kampf um Johann-Back-Becher

Geschossen wird beim Schützenfest auch auf den Schießständen des Vereins. Gekämpft wird um den vereinsinternen Johann-Back-Becher und um den Titel des Schützenprinzen. Letzterer Wettkampf ist ein Angebot an Nichtmitglieder, die im Falle des Sieges eine kostenfreie einjährige Vereinsmitgliedschaft im Wert von rund 500 Euro gewinnen können.

Auf kurze Distanz geschossen wird an einem Stand auf dem Festgelände. Die Schießbude hat der Verein kürzlich günstig erworben, sodass er nun nicht mehr auf einen Schausteller angewiesen ist. Am Samstagabend heizt die Frankenthaler Band Peter Gun mit Sängerin Monika Ackermann den Festgästen ein. Zum Frühschoppen am Sonntag gibt es zünftige Blasmusik aus der Konserve und Unterhaltungsmusik mit dem Entertainer Sascha Grimm. „Wir sind sehr zufrieden“ – so lautet am Sonntagmittag die Bilanz von Alexander Wieser.

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