Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Tankstellen-Chef erwartet keinen Benzin-Engpass

Rechnet mit sehr hohem Aufkommen, wenn die vorübergehende Steuerermäßigung für Kraftstoff greift: Tankstellen-Chef Jochen Ziehl.
Rechnet mit sehr hohem Aufkommen, wenn die vorübergehende Steuerermäßigung für Kraftstoff greift: Tankstellen-Chef Jochen Ziehl.

Droht an Zapfsäulen in der Stadt am Mittwoch totales Chaos? Tankstellenbetreiber Jochen Ziehl (52) hofft auf die Vernunft der Autofahrer, wie er im Interview mit Jörg Schmihing sagt. Und möglicherweise greift der „Tankrabatt“ auch nicht direkt.

Was schätzen Sie: Wie lang wird die Schlange an Ihren Zapfsäulen am Mittwoch sein?
Gute Frage, das werden wir sehen, ob die Leute vernünftig sind und noch ein bisschen Sprit im Tank haben. Aber ich rechne auf jeden Fall mit einem sehr hohen Aufkommen.

Wie stark bekommen Sie und Ihre Mitarbeiter den Unmut über die hohen Spritpreise zu spüren?
Es kommt immer mal wieder vor, dass Leute denken, wir als Tankstellen-Betreiber seien für die Preise verantwortlich. Da wird schon ab und zu der Frust abgelassen.

Wie reagieren Sie dann?
Mit einer Gegenfrage: Ob es denn woanders billiger ist? Wir können ja wirklich nichts dafür. Im Gegenteil: Wir kaufen den Treibstoff teuer ein und müssen das dann auch an den Kunden weitergeben.

Machen sich diese Preise auch beim Umsatz bemerkbar? Warten die Leute länger mit dem Tanken oder fahren sogar weniger Auto?
Beim Umsatz merken wir keinen Unterschied. Die sind von der Anzahl der getankten Liter nahezu gleich geblieben. Auch während der Corona-Zeit war es nicht unbedingt weniger. Es wird genauso viel Auto gefahren wie immer.

Sie kennen bestimmt diesen alten Spruch: Ich merke die hohen Benzinpreise nicht, ich tanke immer nur für 20 Euro.
(lacht) So ungefähr könnte man den Effekt umschreiben.

Ist der sogenannte Tankrabatt das richtige Instrument in der aktuellen Situation?
Nur zur Klärung: Das ist kein Rabatt im eigentlichen Sinn, sondern eine Steuerreduzierung. Das kommt in der öffentlichen Wahrnehmung ein bisschen falsch rüber. Wir Tankstellen geben keinen Preisnachlass. Wir kaufen den Sprit günstiger ein – wegen des gesenkten Steuersatzes. Der greift am 1. Juni ab 0 Uhr. Was dann geladen wird in der Raffinerie oder im Tanklager, das wird auch günstiger verkauft. Die Menge, die sich jetzt noch in unseren Tanks befindet, unterliegt noch dem alten Steuersatz. Ob für diese Bestände direkt am Mittwoch auch niedrigere Preise gelten, das weiß ich noch nicht. Ich schätze, dass es sich nach und nach runterregelt.

Das heißt, Sie haben noch Vorräte?
Ja, der Umsatz ist vor dem Stichtag schon zurückgegangen. Normalerweise wäre ich jetzt schon leer, hätte schon einen neuen Zug kommen lassen müssen. Stattdessen habe ich immer noch einen gewissen Bestand, den ich noch in den Mittwoch mitnehme. Wenn es so weiter geht, reden wir von knapp 50.000 Litern. Wenn ich die deutlich billiger verkaufe, würde ich quasi über Nacht 11.000 Euro verlieren.

Bedeutet das, dass bei Ihrer Tankstelle dann auch nicht direkt die Preise runtergedreht werden?
Ich habe das zumindest nicht vor. Aber ich schaue natürlich, was die großen Konzerne machen, reagiere entsprechend und passe mich dem Markt an.

Wie groß ist der organisatorische Aufwand für Sie als Unternehmer?
Der Aufwand für uns ist relativ gering. Es wird ja nichts nachversteuert. Das heißt: Wir müssen keine Meldungen machen, wie viel Sprit wir noch drin haben. Genauso ist es am 1. September, wenn die Regelung ausläuft: Auch da müssen wir nichts für eine eventuelle Nachversteuerung melden. Das einzig Lästige kann sein, dass wir zumindest kurzfristig an den Tanklagern längere Wartezeiten haben werden. Denn niemand wird vor Mitternacht laden. Ich rechne in der Nacht mit riesigen Warteschlangen dort.

Die EU-Staaten haben sich spät am Dienstagabend auf ein Öl-Embargo gegen Russland geeinigt. Ist es denkbar, dass geringere Mengen am Markt den Tankrabatt im Prinzip direkt wieder auffressen?
Die Ukraine-Krise wurde für meine Begriffe schon vor Ausbruch des Kriegs eingepreist. Das hat sich dann noch einmal verschärft. Das Embargo bedeutet aber unterm Strich nur eine Veränderung der Lieferkette. Insofern ergeben sich daraus Spekulationspreise, denn es gibt ja keine wirkliche Verknappung der Mengen. Nur die Logistik wird etwas aufwendiger.

Rechnen Sie mit Problemen, als Betreiber einer Tankstelle genügend Sprit besorgen zu können?
Nein, wir hatten schon in der zurückliegenden Zeit kein einziges Mal die Situation, dass wir nicht laden konnten oder es auch nur Engpässe gab.

Sie haben ja eine freie Tankstelle. Ist diese Unabhängigkeit für Sie in der aktuellen Gemengelage ein Vor- oder ein Nachteil?
Der Vorteil ist natürlich, dass ich mich frei entwickeln kann – auch was beispielsweise den Shop und die Produkte dort angeht. Beim Sprit, beim Benzingeschäft, da bin ich natürlich auch abhängig von den großen Mineralölkonzernen. Ich kaufe zwar auf dem freien Markt, aber die bestimmen schon, wo es da lang geht. Ich kann insofern keinen Preiskrieg mit deren Tankstellen anfangen. Den würde ich verlieren.

Zur Person

Das Tankcenter Ziehl in der Carl-Bosch-Straße gibt es nach Angaben von Chef Jochen Ziehl (52) seit 2005. Damals sei er im noch jungen Industriepark Nord mit seinem Unternehmen ziemlich allein auf weiter Flur gewesen. Nach harten Anfangsjahren ist Ziehl mit seinem Standort sehr zufrieden – vor allem weil sein Gelände gut für Lastwagen anzusteuern ist.

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