Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Strohhutfest@home per Videostream eröffnet

Stoßen auf ein etwas anderes Strohhutfest an (von links): Martin Hebich, Holger Schröder, Vanessa Quietzsch und Bernd Knöppel.
Stoßen auf ein etwas anderes Strohhutfest an (von links): Martin Hebich, Holger Schröder, Vanessa Quietzsch und Bernd Knöppel.

Es war das mit Abstand kürzeste Eröffnungszeremoniell aller Zeiten: Punkt 14.07 Uhr fiel am Himmelfahrtstag per Videostream der offizielle Startschuss für das virtuelle Strohhutfest@home. „Wir mussten uns der Realität beugen, 2021 werden wir umso mehr feiern“, machte Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) allen Daheimgebliebenen Mut für die Zeit nach Corona.

So richtige Feierfreude wollte freilich bei der Vierer-Talkrunde vor optisch recht bescheidener Kulisse im Kulturzentrum Gleis 4 nicht aufkommen: kahle Backsteinwand, rustikale Holztruhe als Tisch, antikes Loriot-Sofa in Rot und zwei dazu passende Sessel. Den Part des Fragestellers übernahm – wie beim echten Strohhutfest auf dem Rathausplatz – RPR1-Moderator Holger Schröder. Von Miss Strohhut Vanessa Quietzsch erfuhr er, dass die Absage des Festes ein großer Schock gewesen sei. Sofort habe sich für sie ein großes Problem aufgetan: „Was mache ich stattdessen an den vier Tagen?“

Da sprang Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) hilfreich zur Seite. Er gab einen Überblick über das Musikprogramm, das bis Sonntag auf dem Videokanal der Stadt gestreamt wird und verband damit den Dank an die beteiligten Akteure. Auch machte er ein wenig Appetit auf alte Filmchen, bei denen sich so mancher Feierlustige wiedererkennen dürfte. Dann schnappte sich jeder sein Dubbeglas, um gemeinsam auf die Eröffnung eines etwas anderen Festes anzustoßen.

Hebich: Ein merkwürdiges Gefühl

Der Oberbürgermeister machte gegenüber der RHEINPFALZ keinen Hehl daraus, dass es für ihn schon ein merkwürdiges Gefühl gewesen sei, ein virtuelles Strohhutfest ohne die stimmungsvolle Besucherkulisse auf dem Rathausplatz zu eröffnen. Das Fest lebe schließlich von der Begegnung und Kommunikation. „Wir wollen auch in dieser dunklen Zeit den Menschen das Feiern nicht verbieten.“ Sang- und klanglos habe man sich in diesem Jahr von dem Fest nicht verabschieden wollen, weshalb mit dem gestreamten Programm etwas Strohhutfestatmosphäre in die Wohnzimmer getragen werden solle. Er sei froh, dass diese Idee von den Musikbands – in räumlicher Distanz – mitgetragen werde.

Wegen des Versammlungsverbots im öffentlichen Raum habe es zur Absage der viertägigen Veranstaltung keine Alternative gegeben, betonte der OB. „Wir wollen schließlich ein sicheres Strohhutfest, das Ansteckungsrisiko wäre zu hoch gewesen.“ Den Vereinen, die nun ohne Einnahmen dastehen, sagte Hebich seine Unterstützung zu. „Sie machen in der Krise einen tollen Job.“ Wenn auch nicht alles erstattet werde, so sollten doch die größten Löcher gestopft werden.

Buttons bis auf wenige Restexemplare ausverkauft

Beispielsweise mit dem Erlös aus dem Verkauf der Strohhutfest-Buttons. Die in einer Auflage von 9999 Stück produzierten Sammlerstücke sind laut Verwaltung bis auf wenige Restexemplare ausverkauft. Auch die 750 Strohhutfest@home-Pakete fanden reißenden Absatz, sodass das Kontingent bereits kurz nach dem Verkaufsstart verdoppelt wurde. „Trotzdem war das Paket innerhalb weniger Stunden ausverkauft“, meldete die Stadt am Mittwoch.

„Für einen für Frankenthal so wichtigen Tag braucht man ein Symbol“, meinte Holger Schröder im RHEINPFALZ-Gespräch. Die virtuelle Eröffnung sei eine gute Sache gewesen, um gemeinschaftliche Erlebnisse zu schaffen. Er selbst habe den Laptop auf der Terrasse postiert und den Riesling rechtzeitig kaltgestellt. Auch wenn er nur im kleinen Kreis das Strohhutfest@home feiere, fühle er sich doch als Teil einer großen Gemeinde.

Grußbotschaft der ehemaligen Missen

„Wir sind alle sehr traurig.“ So brachte Martina Baum, Managerin und gute Seele im Club der ehemaligen Missen, die Stimmungslage auf den Punkt. Statt eines Bühnenauftritts müssen sich ihre Mädels in diesem Jahr auf eine virtuelle Grußbotschaft beschränken. „Viel Spaß beim Strohhutfest@home“, wünschen sie per Video, das auf dem Rathausplatz produziert wurde. 17 ehemalige Stadtrepräsentantinnen waren – in gebührendem Abstand – mit von der Partie. Ohne Maske, dafür mit Strohhut.

Mit der Aufnahme in den Club der Ehemaligen muss Vanessa Quietzsch allerdings noch bis 2021 warten. Ihre Amtszeit wurde um ein Jahr verlängert. „Ich freue mich riesig“, sagte sie am Telefon. Sie habe es sich nicht träumen lassen, dass es für sie eine so schöne Zeit werden würde. Sie sei weiterhin mit vollem Herzen dabei, betonte Quietzsch. Und auch das Strohhutfest@home werde sie in familiärer Runde angemessen feiern. „Da kann draußen die Welt untergehen.“

Die ehemaligen Missen schickten eine Grußbotschaft.
Die ehemaligen Missen schickten eine Grußbotschaft.
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