Fussball
Streitfall: Sollen Amateurfußballer die Saison zu Ende spielen, oder soll man die Runde abbrechen?
Pro (Christian Treptow)
Erinnern Sie sich noch an den Frühsommer 2019? Was waren das für spannende Aufstiegsspiele um den Gang in die Fußball-A-Klasse Rhein-Pfalz zwischen Eintracht Lambsheim und dem KSV Amed Ludwigshafen. Zugegeben: Auch in der Redaktion haben wir nach dem deutlichen Sieg der Eintracht im ersten Spiel schon mit einem weiteren A-Klassisten gerechnet. Und wurden – wie die Kicker – wenige Tage später unsanft in die Realität zurückgeholt.
Oder nehmen wir die fantastischen Jubelbilder des SC Bobenheim-Roxheim, ebenfalls im vergangenen Jahr. Die Mannschaft von Benjamin Montino sicherte sich das Doubel aus Meisterschaft und Kreispokal.
Das sind die Szenen, wegen derer alle Fußballfans ein ganzes Jahr lang mit ihren Teams zittern. Sie wollen ihre Jungs – egal in welcher Liga – rennen, kämpfen und siegen sehen. Und das soll bitte auch nach dieser Spielzeit so sein.
Dabei ist es egal, wann diese Runde weitergeht. Denn, sind wir mal ehrlich: Die Saison ist so oder so jetzt schon beschädigt. Und sie geht, so oder so, in die Historie ein. Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs zum 1. September halte ich für unwahrscheinlich. Logischer wäre es, wenn es am 1. März 2021 weitergehen würde. Und dann mit dem derzeitigen Tabellenstand.
Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Und wer bitteschön will bestreiten, dass wir gerade in außergewöhnlichen Zeiten leben? Also: Spielerwechsel aussetzen bis zum Sommer 2021, einfach mit den gleichen Teams weiterspielen, und dann ab März die Runde ordentlich zu Ende bringen.
Damit am Ende auch die richtigen Teams jubeln und nicht irgendwelche Entscheidungen am grünen Tisch getroffen werden müssen. Und dann kann auch keiner sagen: Aber wir hätten noch ...
Mit der Fortführung der Saison im März 2021 würde der Verband auch um die Verlegenheit herumkommen, eine Regelung für ein etwaiges Abbruchszenario finden zu müssen. Wer soll dann aufsteigen? Gibt es überhaupt Absteiger?
Nein, das kann man sich sparen. Lasst die Kicker im Amateurbereich wieder ab 1. März 21 loslegen, wenn es die Lage erlaubt. Die Meister-T-Shirts im Sommer 2021 werden dann legendär und der Jubel noch größer.
Contra (Florian Reis)
Am 8. März fand die letzte Partie in der Region Frankenthal statt, die ich als Rheinpfalz-Reporter begleitet habe. Im Bezirksliga-Derby gewann der VfR Frankenthal beim SC Bobenheim-Roxheim mit 4:2. Dass danach kein Fußballspiel mehr stattfinden würde, damit rechnete an diesem Sonntag noch keiner.
War nach den packenden 90 Minuten das Coronavirus noch kein großes Thema, nahm es in den Tagen danach eine unglaubliche Dynamik auf. Dort gab auch der SWFV kein gutes Bild ab. Erst sollte jeder Verein selbst entscheiden, ob er seine Mannschaft am darauffolgenden Wochenende aufs Spielfeld schickt. Dann ruderte man, auch bedingt durch mehrere Unmutsbekundungen aus den Klubs, zurück und setzte den Spielbetrieb eigenhändig aus.
Auch der aktuelle Vorschlag des Verbands an die Vereine, frühestens am 1. September weiterzuspielen und die Saison dann fortzusetzen, ist ein weiterer Baustein dieses Flickenteppichs und wirkt wie eine Hinauszögerungstaktik für etwas Unvermeidliches. Wieder sind die Vereine am Zug, über etwas zu entscheiden, was sie eigentlich gar nicht entscheiden können oder wollen.
Die eingangs genannten VfR Frankenthal und SC Bobenheim-Roxheim stehen in der Bezirksliga Vorderpfalz aktuell auf einem Abstiegsplatz. In der A-Klasse Rhein-Pfalz kämpfen die DJK Schwarz-Weiss Frankenthal und der MTSV Beindersheim um den Klassenerhalt, der ASV Heßheim hat noch Aufstiegschancen.
Bei einer Aussetzung des Spielbetriebs bis mindestens Anfang September blieben diese Teams sportlich erstmal im Ungewissen. Fände der Vorschlag des SWFV eine Mehrheit, gäbe es trotzdem noch sehr viele offene Fragen. Einige Antworten müssten die Vereine schnellstmöglich erhalten, andere könnten zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht getroffen werden.
Deshalb wäre eine klare und konsequente Vorgabe des Verbands die bessere Lösung: der Abbruch der Spielzeit. Die jeweiligen Tabellenführer steigen auf. Der Abstieg wird für die Saison 2019/20 ausgesetzt. Durch die damit verbundene Aufstockung der Ligen hätten die Klubs in der kommenden Spielzeit auch noch ein paar Heimspiele mehr, was sicherlich auch den Vereinskassen ein bisschen gut tun würde.