Frankenthal
Streik im Nahverkehr: Verdi auch in Frankenthal aktiv
Die Interpretationen dessen, was sich zwischen 5.30 und 7 Uhr am Zentralen Omnibusbahnhof ereignet hat, liegen ziemlich weit auseinander: Verdi-Mitglieder hätten „unverschämt und frech“ versucht, seine Fahrzeuge zu blockieren und den Linienverkehr zu stören, sagt Unternehmer Bernhard Dürk. Stimmt nicht, sagt Gewerkschaftssekretär Marko Bärschneider. Seine Mitstreiter hätten lediglich versucht, mit den Fahrern der Frankenthaler Busse zu sprechen, sie zu informieren und ebenfalls zum Niederlegen der Arbeit aufzufordern: „Das ist ganz normales Streikgeschehen.“
Da ist Dürk, der erst seit Jahresanfang den Betrieb der Frankenthaler Omnibuslinien übernommen hat und offenbar am Sonntagabend von geplanten Aktionen auch in Frankenthal erfahren hatte, ganz anderer Auffassung: Der Bahnhofsvorplatz sei der „falsche Ort“, um den Konflikt zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften auszutragen. „Hier sind Kinder, die in die Schule müssen. Hier sind Menschen, die zur Arbeit wollen“, sagt Dürk. Bei allem Verständnis für die Forderungen nach mehr Geld: „Man braucht auch Kunden, die das bezahlen.“
„Im Hintergrund dabei“
In deren Interesse habe er mit seiner Familie versucht, mögliche Verzögerungen im Fahrplan am Montag zu verhindern. „Bis auf eine Minute hier und da ist uns das auch gelungen“, sagt Dürk. Als Vorstandsmitglied im Verband des Verkehrsgewerbes Rheinhessen-Pfalz sei er nicht direkt an Verhandlungen beteiligt, „aber im Hintergrund dabei“. Dass Verdi die Verantwortung für das Platzen der Sondierungsgespräche vergangene Woche den Arbeitgebern zuschiebe, sei nicht korrekt.
Er und seine Unternehmerkollegen müssten die wirtschaftlichen Folgen abschätzen können, wenn sie auf Forderungen der Arbeitnehmerseite eingingen. Dafür gebe es zwei Bedingungen. Erstens: einen Rheinland-Pfalz-Index, der die Grundlage für die Bezuschussung des öffentlichen Nahverkehrs durch das Land bildet und dabei auch mögliche Tarifsteigerungen berücksichtigt. Zweitens: eine politische Zusage, dass Mehrkosten übernommen werden. Und da, sagt Dürk, hake es – „wegen einiger personeller Wechsel in der Landesregierung“.
„Wir lassen sie fahren“
Marko Bärschneider kann Dürks Darstellung nicht nachvollziehen. Aus der Warte des für Verkehrsthemen in Rheinland-Pfalz zuständigen Gewerkschaftssekretärs ist sie „schlicht und ergreifend falsch“. Die am Montagmorgen nach Frankenthal gereisten Streikenden hätten getan, was in solchen Fällen aus seiner Sicht „absolut üblich“ sei. Die Verdi-Leute hätten auch keinen der Busse am Weiterfahren gehindert. Allerdings bräuchten sie ein bisschen Zeit, um mit den Kollegen hinterm Steuer reden und sie über den Sinn des Streiks informieren zu können. Bärschneider: „Wenn die das aber nicht wollen, dann gehen wir auch raus und lassen sie fahren.“
Tatsächlich gebe es aber auch den umgekehrten Fall, berichtet der Sekretär. In Neuwied und Koblenz hätten Fahrer nach den Gesprächen mit Verdi-Vertretern quasi an der Haltestelle die Arbeit niedergelegt, die Fahrgäste hinausgebeten und den Bus abgeschlossen. Dass die Gewerkschaft auch bei anderen Unternehmen aktiv werde außer den sozusagen offiziell bestreikten, sei nichts Ungewöhnliches, erklärt Bärschneider. Dass die Überraschung in Frankenthal so groß gewesen sei, führt er auf den Umstand zurück, dass die Firma erst seit Kurzem wieder im Nahverkehrsgeschäft sei: „Die kennen keine Streiks und reagieren da sehr schroff und scharf.“
Deshalb war am Montag auch zwischenzeitlich die Polizei vor Ort. Seine Kollegen hätten angesichts der „aufgeheizten Stimmung“ an das gegenseitige Verständnis der beiden Parteien appelliert, sagt auf Anfrage Achim Schäfer, stellvertretender Leiter der Inspektion. Abgekühlt habe die Gemüter dann wohl auch der einsetzende Regen.