Frankenthal
Strandbad soll Ende Juni für Schwimmer öffnen
Theoretisch hätte das Strandbad seit diesem Mittwoch geöffnet sein dürfen. Praktisch sind die dafür maßgeblichen Richtlinien der achten Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes aber erst seit Montagabend in Gänze bekannt. Der Oberbürgermeister findet am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss deutliche Worte für das in der seit März ohnehin stark strapazierte Verhältnis zwischen Mainz und den Kommunen: Die Vorgehensweise, den 27. Mai als möglichen Start der Freibadesaison zu nennen, sich bei den Rahmenbedingungen aber lange bedeckt zu halten, nennt Martin Hebich „sehr befremdlich“. Die „kommunale Familie“ sei von diesem Vorstoß jedenfalls vollkommen überrascht worden, „vor den Kopf gestoßen“, betont er. In der Kürze der Zeit sei ein Hochfahren der von den Stadtwerken betriebenen Anlage unmöglich gewesen, erläutert er dem Gremium auf Anfrage der CDU.
Das neue, mit dem Aufsichtsrat der Werke abgestimmte Zieldatum fürs Öffnen des Strandbads lautet nun Ende Juni – kurz vor dem Beginn der rheinland-pfälzischen Sommerferien also. Der OB und Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Bollheimer betonen vor den Kommunalpolitikern ausdrücklich den Willen, den Saisonstart selbst und ein Konzept für den Betrieb des Freibads innerhalb der kommenden vier Wochen auf die Beine zu stellen. Dass sie dabei derzeit mehr Probleme als Chancen sehen, daraus machen beide in ihren Stellungnahmen allerdings auch keinen Hehl. „Ich kann keinen übertriebenen Optimismus ausstrahlen“, hält Bollheimer bei der Sitzung im Congress-Forum fest.
Bollheimer bremst
Die Skepsis des Geschäftsführers und des Aufsichtsratsvorsitzenden der Stadtwerke hat verschiedene Gründe: organisatorische, wirtschaftliche und juristische. Da sind ganz praktische Fragen wie die nach dem Einhalten des Sicherheitsabstands, beispielsweise in der Piratenbucht, dem Wasserspielbereich für die kleinsten Badegäste. „Wie soll das denn funktionieren?“, fragt Hebich in die Runde. „Realitätsfern“ und „lebensfremd“ findet er diese Vorstellung. Immerhin habe es eine aus seiner Sicht ebenso absurde Vorgabe nicht in die am Dienstag in Kraft gesetzte Landesverordnung geschafft: diejenige nämlich, Liegeplätze auf den Wiesen des Geländes einzeln einzeichnen zu müssen. „So wie Fußball-Schiedsrichter bei der WM bei Freistößen mit diesem Schaum“, scherzt der OB.
Thomas Bollheimer differenziert zwischen dem „emotionalen Wunsch, den wir gerne erfüllen möchten“, und den Punkten, die dem aktuell noch entgegenstehen. Der Stadtwerke-Chef will von vornherein die Hoffnung auf eine ganz normale Badesaison bremsen. Rumtoben, spielen, sich mit anderen Familien verabreden, vielleicht noch gemeinsam essen – alles, was Besucher mit einem perfekten Strandbadtag verbinden, werde es in gewohnter Form nicht geben, sagt Bollheimer. „Sehr gewöhnungsbedürftig“ werde das Ganze sein, ist er sich sicher. Das fange mit dem Verkauf von an feste Zeiten gebundenen, zahlenmäßig jeweils limitierten Onlinetickets an und gehe mit Beschränkungen im Betrieb der Becken weiter. Für Martin Hebich steht fest: „Es ist nicht möglich, dass man morgens um acht kommt und bis abends acht bleibt.“
Teurer als sonst
Die ökonomische Komponente in Zeiten von Corona umreißt der Geschäftsführer der Werke in einem Satz: „Es kostet deutlich mehr Geld, als Sie es gewohnt sind – bei deutlich verändertem Angebot.“ Um das Hygienekonzept des Landes umzusetzen, brauche es mehr Personal, etwa fürs Reinigen, Desinfizieren und den Sicherheitsdienst. „Das ist ein vergleichsweise hoher Aufwand für vergleichsweise wenige Besucher“, verdeutlicht Bollheimer. Zum Vergleich: In guten Jahren wie im Supersommer 2018 kommen zwischen Mai und August bis zu 135.000 Menschen ins Strandbad. Insofern dürfte der Virussommer auch auf die Bilanz der Stadtwerke durchschlagen. Unter anderem deshalb ist es deren Chef und OB Hebich nach eigenem Bekunden wichtig, dass der Aufsichtsrat das Ziel mitträgt, trotz aller Schwierigkeiten und trotz drohenden Unmuts enttäuschter Kunden.
Besonders schwer im Magen liegt beiden ein Aspekt der Landesverordnung, auf dessen Problematik der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) laut Hebich in der Debatte seit Bekanntwerden der Lockerungspläne für Rheinland-Pfalz hingewiesen hat: die Haftungsfrage. Das Land sehe bislang vor, dass die Verantwortung fürs Einhalten von Infektionsschutz-, Hygiene- und Abstandsregeln beim Betreiber liegt, möglicherweise in letzter Konsequenz an der Person des Geschäftsführers hängenbleibe. Diese Last auf Einzelne abzuwälzen, jemanden dafür persönlich haftbar zu machen, bezeichnete der Oberbürgermeister vor dem Haupt- und Finanzausschuss als „nicht akzeptabel“. Für Hebich ist sonnenklar: Ein Schwimmbad mit einer gewissen Anzahl von Menschen sei trotz der zuletzt rückläufigen Ansteckungsfälle in der Region immer noch „ein potenzieller Infektionsherd“. Dieses Risikos müssten sich die Besucher bewusst sein. Der OB fordert deshalb: „Es geht nur mit Eigenverantwortung.“
Aufsichtsrat am 10. Juni
Bis zum möglichen Starttermin werde insbesondere die Haftungsfrage juristisch genau geprüft – von den Stadtwerken selbst und auch vom VKU, dessen Landesvorstand Martin Hebich und Thomas Bollheimer angehören. Der Interessenverband hatte offenbar bis zuletzt gehofft, dass die Landesregierung seine Vorschläge stärker berücksichtigen würde – offenbar vergebens. „Wir sind gespannt, wie“s die anderen machen“, sagt der Geschäftsführer der Werke. Mit den Nachbarkommunen Speyer, Ludwigshafen, Rhein-Pfalz-Kreis und dem für sie gemeinsam zuständigen Gesundheitsamt stimme man derweil ein möglichst einheitliches Vorgehen ab, berichtet der OB. Der nächste wichtige Termin steht am 10. Juni an: Dann hat der Stadtwerke-Aufsichtsrat das letzte Wort.