FRANKENTHAL
Strandbad: Ab Freitag gilt Kreisverkehr und Überholverbot
„Die Leute sollen kommen, es einfach mal ausprobieren und sich ihr eigenes Bild machen.“ Thomas Bollheimer kennt die kritischen Stimmen zur bevorstehenden Öffnung des Strandbads. Der Stadtwerke-Geschäftsführer gibt gerne zu, dass auch er wegen der vielen offenen Fragen zunächst einigermaßen skeptisch gewesen sei. „Aber wenn ich sehe, was unser Team hier in der doch recht kurzen Zeit entwickelt haben, muss ich sagen: Die Mühe hat sich gelohnt.“ Er hoffe, dass viele Frankenthaler das Angebot nutzten und im Corona-Sommer 2020 eine gute Zeit auf dem weitläufigen Gelände genießen könnten.
Natürlich sind die Vorkehrungen allgegenwärtig, die für einen den Vorgaben des Landes entsprechenden Betrieb sorgen sollen: Es geht mit den Markierungen auf dem Boden vor den vier Kassenhäuschen los, setzt sich im Freibad mit vielen Hinweisschildern zu Abstands- und Hygieneregeln fort und hört mit der Maskenpflicht in und vor den Toiletten sowie beim Warten am Kiosk noch lange nicht auf. Bollheimer und auch Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU), der den Rundgang am Dienstag mitmacht, sind beide überzeugt: Den Badespaß muss das alles nicht bremsen.
Zeichen zum Aufbruch
Einer von denen, die sich viele Gedanken darüber gemacht haben, wie eine Freibadsaison unter den besonderen Vorzeichen der Corona-Pandemie aussehen kann, ist Daniel Münkel. Der leitende Schwimmmeister hält die gefundenen Lösungen für praktikabel. Beispiel: die vier Zeitblöcke pro Tag. „Die Badegäste sollen die vollen zwei oder drei Stunden, die sie gebucht haben, ausnutzen können – das ist das Ziel“, betont Münkel.
Und das geht so: Kurz vor dem Ende der jeweiligen „Schicht“ gibt’s ein Zeichen zum Aufbruch. Die Besucher hätten dann Zeit, um in Ruhe einzupacken, während schon die Reinigung und Desinfektion beispielsweise der WCs anlaufe. Die Stunde zwischen den Wechseln soll helfen, dass die Aufbrechenden nicht den Neuankömmlingen in die Quere kommen. Damit das Gelände für die Strandbad-Mitarbeiter überschau- und kontrollierbar bleibt, ist der Rundweg um den Weiher im hinteren Teil zwischen Monte Scherbelino und Minigolf-Anlage gesperrt, ergänzt Stadtwerk-Sprecherin Melanie Brünner.
Bis zu vier Kassen
Warteschlangen und damit das Aufeinandertreffen vieler Menschen auf engem Raum zu vermeiden – diese Absicht steht hinter vielen Vorkehrungen, die Münkel und seine Mitarbeiter sich in den zwei Wochen seit dem Öffnungsbeschluss des Stadtwerke-Aufsichtsrats ausgedacht und umgesetzt haben: An bis zu vier Kassenhäuschen können die QR-Codes der Eintrittskarten gescannt werden, um die Besucher so rasch wie möglich ins Bad zu schleusen. Am Kiosk gibt es einen mit Bändern markierten Bereich, der ein bisschen an die Check-in-Schalter am Flughafen erinnert.
Sportbecken unterteilt
Damit sich Laufwege an den Becken oder am Kleinkindbereich Piratenbucht, wo die Rutsche gesperrt bleiben wird, nicht kreuzen, setzt Münkel auf das Prinzip Einbahnstraße. Große gelbe Pfeile auf dem Boden sorgen dafür, dass sich niemand „verirrt“. Logischerweise ist es für das eingesetzte Personal kaum möglich, auf Spielplätzen oder eben in der Piratenbucht jederzeit aufs Einhalten der 1,5-Meter Regel zu achten. „Wir sind zuversichtlich, dass die Eltern da vernünftig sind und eigenverantwortlich darauf achten. Wir werden Leute aber auch ansprechen, wenn es uns nötig erscheint“, sagt Daniel Münkel.
Aber wie lassen sich die auch sonst bekannten, fast klassischen Probleme zwischen weniger ambitionierten Wassersportlern und echten „Kampfschwimmern“ im Zwei-Meter-Becken unter den beschriebenen Umständen in den Griff bekommen? Auch daran hat das Stadtwerke-Team gedacht: Im Sportbecken sind vier Bereiche für jeweils eine bestimmte Nutzergruppe abgeteilt – von „gemütlich“ links bis „sehr schnell“ rechts, wie Schwimmmeister Münkel erklärt. In diesen vier Abschnitten wird im Kreis geschwommen; und es gilt Überholverbot. Während man sich beispielsweise beim Sternbecken über die Erfahrung der ersten Tage an die dort mit gutem Gewissen vertretbare Personenzahl herantasten möchte, ist nebenan bei den Schwimmern klar, wie viele ins Wasser dürfen: 96.
Auch was die mögliche Gesamtzahl der Badegäste pro Zeitblock angeht, geben sich die Verantwortlichen noch zurückhaltend. „Wir wollen das nicht gleich zu Anfang ausreizen“, sagt Stadtwerke-Chef Bollheimer. Es müsse sich einspielen. Ein paar Zugeständnisse im Vergleich zu dem sonst im Bad gewohnten Komfort werden die Besucher aber machen müssen: Die Duschen bleiben ebenso zu wie die zentrale Umkleide. Und bei einem weiteren Thema ist der Geschäftsführer eher verschlossen. Eine Summe, was die Öffnung des Strandbads in Corona-Zeiten kostet, will Thomas Bollheimer noch nicht nennen. Nur so viel verrät er: „Es sind viele einzelne Posten, die sich summieren. Das kostet uns richtig Geld.“
Zur Sache: Blockzeiten, Preise und Online-Verkauf
- Blocksystem: Vorgesehen sind laut den Stadtwerken täglich vier Zeitspannen, jeweils unterbrochen für eine Stunde. Die Zeiten: 7 bis 9 Uhr, 10 bis 13 Uhr, 14 bis 17 Uhr und 18 bis 20 Uhr.
- Preisstruktur: Die Zwei-Stunden-Blöcke am Morgen und am Abend kosten für Erwachsene drei Euro, für Jugendliche/Kinder von sechs bis 17 Jahren und mit Ermäßigung zwei Euro sowie für Kinder bis fünf Jahren 50 Cent. Für die Drei-Stunden-Blöcke am Vor- und Nachmittag gelte für diese Gruppen folgende Tarife: Erwachsene 4,50 Euro, Jugendliche/Ermäßigte drei Euro und Kinder 50 Cent.
- Tickets: Eintrittskarten werden nach Angaben der Stadtwerke online über die Internetseite des Strandbads und im Kundenzentrum verkauft. In diesem Sommer gibt es keine Saison- oder Mehrfachkarten. Online für einen bestimmten Tag oder eine bestimmte Zeit erworbene Karten verfallen, wenn sie nicht benutzt werden oder das Freibad beispielsweise wegen eines Gewitters geräumt werden muss.