Frankenthal Strahlendes Lametta

Mit einem festlichen Konzert zum Advent verzauberte der Liederkranz Frankenthal sein Publikum am Vorabend des ersten Advents in der Zwölf-Apostel-Kirche. Unterstützung erhielten der gemischte wie der Männerchor von der Kurpfalzphilharmonie Heidelberg und Erik Meßmer als Chorleiter, Dirigent und Instrumentalsolist bei einem Fagottkonzert von Antonio Vivaldi.
Der Liederkranz brachte auch in diesem Jahr einen stabilen, kompakten gemischten Chor auf die Bühne. Etwa zwei zu eins war das Verhältnis von Frauen- und Männerstimmen. Klangschön harmonierten die einzelnen Register, die Meßmer ausgewogen und kontrastreich in Szene setzte. Gleich zweimal hatte er Chorsätze von Wolfgang Lüderitz (1926-2012) gewählt. Der Komponist aus dem Saarland studierte in Köln und war dort jahrzehntelang als Musiker, Dozent und Komponist tätig. Sein „Brich an du schönes Morgenlicht“ war ein kraftvoller Auftakt, der als Urheber einen alten Meister vermuten ließ. Engelsstimmen gleich sang der Chor „Du Hirtenvolk erschrecke nicht“, und dann drang die Weise „Vom Himmel hoch da komm ich her“ hindurch. Ein gelungenes Werk, das programmatisch die Richtung des festlichen musikalischen Nachmittags vorgab. „Die Weihnachtsnachtigall“, aus der gleichen Feder stammend, war nun ganz ein modernes Chorwerk tonaler Sakralmusik. Diese Bandbreite von Lüderitzens Musik spiegelte sich auch in der weiteren kurzweiligen Programmfolge. Zuvor hatte Meßmer mit dem Konzert für Fagott, Streicher und Basso Continuo einen instrumentalen Glanzpunkt gesetzt. Der dunkle Ton des Instruments gab dem Werk ein ernstes Gepräge, das jedoch immer wieder mit einem fröhlich-zuversichtlichen Unterton abgemildert wurde. Vivaldis Tonsprache bewährte sich als strahlendes musikalisches Lametta. Fagott und Streicher wirkten als bestens harmonierende Seelenverwandte. Der Männerchor führte zurück zum Ursprung der deutschen Chortradition. Mit rund 20 Stimmen und seinem stolzen Altersdurchschnitt erzeugt er immer noch diesen typischen schönen und voluminösen Klang. Der A-cappella-Gesang beeindruckte mit dem im Originaltext gesungenen „Tepje Pojom“, dem russischen Gotteslob aus der Feder von Dimitri Bortniansky. Der Komponist ist weltweit gegenwärtig durch die Melodie der in den Zapfenstreich integrierten Weise „Ich bete an die Macht der Liebe“. Gemeinsam mit dem Orchester sang der Männerchor mit Friedrich Silchers „Hymnus“ auch einen Klassiker der deutschen Männerchorliteratur. Kraftvoll und erhaben intonierten Chor und Musiker den majestätischen Chorsatz. Und gemeinsam mit dem Publikum stimmten sie „Macht hoch die Tür“ an. Mit der Kurpfalzphilharmonie Heidelberg hatte der Liederkranz einen bewährten Partner an der Seite. In der Besetzung als Kammerstreichorchester passte es sich hervorragend in das Chorkonzert ein. Und mit Vivaldis Streichersinfonie G-Dur und Max Regers „Lyrischem Andante“ setzte es eigene musikalische Glanzpunkte. Nochmals eine Verbeugung vor dem Publikum machten die Künstler mit dem überaus populären „Der kleine Trommler“ aus der Feder von Otto Groll und Lorenz Maierhofers „Engel auf den Feldern singen“. Prickelnder Abschluss sollte das prächtige „Tochter Zion“ von Georg Friedrich Händel sein, das sicherlich nicht das Lieblingsweihnachtslied nicht nur von Hausherrin und Dekanin Sieglinde Ganz-Walther ist. Sie bedankte sich beim Liederkranz für das Konzert. Die Begeisterung des Publikums war überschwänglich. Mit „Hör in den Klang der Stimme“ von Lorenz Maierhofer erfüllte Erik Meßmer den Wunsch nach einer Zugabe.