Frankenthal
Starkregen: Stadt sieht sich grundsätzlich gut gerüstet
Eins betont Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) ganz grundsätzlich: Auf Unwetter wie das im Norden von Rheinland-Pfalz und mithin auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, sei fast unmöglich. In seiner Antwort auf die zum Haupt- und Finanzausschuss von der SPD gestellten Fragen hält er fest: Das Informations- und Beratungszentrum Hochwasservorsorge – ein Gemeinschaftsprojekt der Landesregierung, der Kommunalen Spitzenverbände und des Vereins Hochwasssernotgemeinschaft Rhein – betone, „dass eine exakte Vorhersage von Zeitpunkt und Ort eines Starkregens derzeit nahezu unmöglich ist“.
Dennoch sieht Knöppel Frankenthal mit ein paar Einschränkungen insgesamt ganz gut gerüstet. Der aus dem jahr 2008 stammende Generalentwässerungsplan für die Stadt und ihre Vororte habe ergeben, dass die Kanalisation einen Starkregen bis zur Indexstufe 3 problemlos verkraften kann. Gemeint sind damit Niederschlagsereignisse mit zehn bis maximal 50 Millimeter pro Quadratmeter, wie sie statistisch alle ein bis zehn Jahre vorkommen. „Und diese Angaben sind nach wie vor zeitgemäß“, heißt es im mehrseitigen Bericht der Verwaltung.
Veränderte Bauleitplanung
Alles was über das geschilderte Maß hinaus geht, ist – salopp gesagt – nicht mehr Sache der unterirdischen Entwässerungsanlagen. „Es ist auch weder wirtschaftlich noch betrieblich sinnvoll, die Kanalisation zur Ableitung deutlich erhöhter Ablussmengen auszulegen“, erklärt Knöppel den Kommunalpolitikern. Selbst wenn der Klimawandel heftigere Unwetter mit größeren Niederschlägen bringe, müsse dem eher mit anderen Mitteln begegnet werden: Möglichkeiten zur Versickerung und oberirdischer Überflutungsschutz. Tatsächlich seien diese Aspekte inzwischen „Standardaufgaben der Bauleitplanung“, so der Bürgermeister. Das bedeutet: Wenn neue Bebauungspläne aufgestellt werden, müssen diese Faktoren immer berücksichtigt werden.
Nun soll Frankenthal wegen des offenbar fehlenden Wohnraums in den kommenden Jahren bis 2035 ja noch weiterwachsen – in Form kleinerer und größerer Neubaugebiete, wie sie etwa in Eppstein und Flomersheim, aber auch südlich der Schraderstraße vorgesehen sind. Führen die zusätzlichen Wohnungen zu einer zusätzlichen Belastung des Kanalsystems und damit im Notfalll zu Problemen? Das ist nach Einschätzung der Fachleute im Rathaus nicht der Fall. Knöppels Botschaft: „Es ist keine hydraulische Zusatzbelastung zu erwarten.“
Hausaufgaben zu erledigen
Probleme, die zu lösen, und Hausaufgaben, die zu machen sind, gibt es natürlich trotzdem noch. Die großen Stauraumkanäle im Pilgerpfad und Am Kanal hätten zwar die Gesamtsituation entspannt, der Teufel steckt aber auch bei diesem Thema im Detail: Punktuell für Schwierigkeiten sorgen Knöppel zufolge nämlich verwurzelte Anschlussleitungen von Sinkkästen oder Gullys, die mit Laub und Straßenkehrricht verschmutzt seien.
In eigener Regie muss noch die Abflussituation im Bereich Siemensstraße/Industriestraße verbessert werden. Was die ebenfalls von der SPD und weiteren Fragestellern angesprochene Lage an Gewässern wie der Isenach angeht, ist die Kommune auf die Zusammenarbeit mit dem Gewässerzweckverband Isenach-Eckbach angewiesen: Laut Bürgermeister Knöppel fängt das mit der regelmäßigen Säuberung der Gräben und Wasserläufe an und setzt sich in Workshops fort, die im September stattfinden und die das Thema Starkregen inklusive der möglichen Konsequenzen daraus haben werden.
Neben diesen zum Teil eher theoretischen Betrachtungen soll nach Darstellung von Bernd Knöppel aber auch etwas anderes jetzt nicht zu kurz kommen: Um herauszufinden, wo der Katastrophenschutz in Frankenthal dazulernen und sich verbessern kann, möchte der Bürgermeister rasch das Gespräch mit Vertretern jener Organisationen aus der Stadt suchen, die im Katastrophengebiet Ahrtal im Einsatz waren und entsprechende Erfahrung gesammelt haben – etwa Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Malteser Hilfsdienst und Rotes Kreuz.