Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtwerke: Strukturen müssen sich ändern

Die Entscheidung darüber, wie und wann Ersatz für das bisherige Verwaltungsgebäude der Stadtwerke kommt, soll im Herbst fallen.
Die Entscheidung darüber, wie und wann Ersatz für das bisherige Verwaltungsgebäude der Stadtwerke kommt, soll im Herbst fallen.

Die Stadtwerke Frankenthal stehen vor großen Veränderungen: Im Frühjahr 2021 verlässt der langjährige Chef Thomas Bollheimer den Versorger. Das Geflecht der städtischen Tochtergesellschaften braucht perspektivisch eine neue Struktur. Und engere Kooperationen mit sind zumindest nicht mehr ausgeschlossen.

„Ohne Kooperationen geht es nicht mehr“, sagt Thomas Bollheimer. Der Stadtwerke-Geschäftsführer verweist auf den Kreis der Gesellschafter, wo mit der Thüga AG (München, 20 Prozent) und den Pfalzwerken (Ludwigshafen, 10 Prozent) zwei namhafte Versorger vertreten sind. Und er erinnert an lokale Partnerschaften etwa in der Ausbildung, die mit EWR in Worms und den Stadtwerken Speyer gepflegt würden. Um das Frankenthaler Unternehmen als Betriebsführer für die Gemeindewerke Bobenheim-Roxheim, die Elektrizitätsgenossenschaft Dirmstein oder das E-Werk Gerolsheim habe sich, so beschreibt es Bollheimer, eine „kleine Energiefamilie“ entwickelt.

Markt in Bewegung

Der Markt allerdings ist in Bewegung, Konzentrationsprozesse laufen, regionale Versorger fusionieren: „Wir müssen schauen, was um uns herum passiert“, sagt Thomas Bollheimer. Offen für Gespräche seien die Stadtwerke schon. Die zentrale Frage dabei: Wer könnte von der Unternehmensphilosophie her passen? Und die lautet dem Chef zufolge immer noch: Die Stadtwerke wollen in Frankenthal Wertschöpfung betreiben, ihr Hauptversorgungsgebiet haben und Arbeitgeber für Menschen aus der Region sein. „Keinen absoluten Handlungsdruck“ sieht auch Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU). Als Aufsichtsratsvorsitzender des kommunalen Versorgungsunternehmens spricht er mit Blick in die Region von einer „gewissen Präferenz“ bei einer möglichen Partnerwahl.

Unabhängig von solchen Fragestellungen müssen sich Werke allerdings auf verschiedenen Ebenen für die Zukunft präparieren: Ein ganz konkreter Schritt ist hier der geplante Verwaltungsneubau in der Wormser Straße. „Die Mitarbeiter müssen angemessen untergebracht sein. Container sind da bestimmt keine Dauerlösung“, sagt Thomas Bollheimer. Das Projekt sei ausgeschrieben worden, die Bauentscheidung soll in diesem Herbst fallen. Vorgesehen sei „kein Luxusbau“, aber ein Gebäude, das für das Stadtwerke-Team nach Bollheimers Überzeugung eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Status quo darstelle.

Neue Struktur gesucht

Eine Baustelle im übertragenen Sinn haben die Stadtwerke respektive der Konzern Stadt beim Thema des sogenannten steuerlichen Querverbundes: Aufgrund entsprechender Entscheidungen auf Ebene der Europäischen Union wird es auf Dauer nicht möglich sein, dass die Verlustbringer Strand- und Ostparkbad sowie die Parkhausbetriebe unter dem Dach der Stadtwerke bleiben und deren Minus von der Gewinnausschüttung an den Hauptgesellschafter, die Congress Forum Frankenthal GmbH (62,13 Prozent) abgezogen wird.

Gesucht wird nun ein gesellschaftsrechtliches Konstrukt, das enge Kooperation weiter ermöglicht, aber formale Trennung garantiert. „Das muss sehr gut bedacht sein“, sagt Geschäftsführer Bollheimer. Martin Hebich sieht zwei Möglichkeiten, „die funktionieren könnten“: das Tochter- und das Schwestermodell. In jedem Fall müssten die Mitarbeiter in den betroffenen Geschäftszweigen mitgenommen, die geplanten Veränderungen mit dem Betriebsrat besprochen werden. Der OB betont: „Hier wird niemand hängengelassen.“

Noch kein Nachfolger

Auf eine wichtige Frage gibt es aktuell noch keine Antwort: Nach der überraschenden Ankündigung von Thomas Bollheimer, seinen Geschäftsführer-Posten aus persönlichen Gründen bis spätestens Ende März 2021 aufgeben zu wollen, ist die Suche nach einem Nachfolger noch nicht abgeschlossen. Martin Hebich bestätigt: Gespräche hätten stattgefunden, die Auswahl an Bewerbern sei „ordentlich“, aber eine Entscheidung noch nicht gefallen. Auch Bollheimer selbst, der künftig mit einer Teilzeitbeschäftigung liebäugelt, hält sich seine berufliche Zukunft noch offen.

Dass „seine“ Stadtwerke zum Abschied gut dastehen, dafür gibt es Bollheimer zufolge ein paar zentrale Erfolgsfaktoren, beispielsweise die anhaltenden Investitionen in die Netze. Die Früchte dieser Arbeit habe man im Corona-Jahr 2020 geerntet. Als Folge „solider Geschäftspolitik“ sei das Unternehmen „robust durch die Krise gekommen“. Für den scheidenden Chef ein wichtiger Punkt: „Wir konnten uns als verlässlicher Partner derjenigen beweisen, die von der Pandemie härter getroffen sind als wir selbst.“

Spätestens Ende März 2021 gibt er seinen Posten als Stadtwerke-Geschäftsführer ab: Thomas Bollheimer.
Spätestens Ende März 2021 gibt er seinen Posten als Stadtwerke-Geschäftsführer ab: Thomas Bollheimer.
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