Frankenthal
Stadtwerke Frankenthal: Mit Klimaschutz „jetzt anfangen“
Auch die Energieversorger müssen ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. So sehen es Geschäftsführer Thomas Bollheimer und seine Mitstreiter bei den Stadtwerken Frankenthal. Die Werke unterstützen ein neues Positionspapier der Thüga zum Thema. Darüber haben wir mit Bollheimer gesprochen.
Herr Bollheimer, die Stadtwerke Frankenthal setzen sich gemeinsam mit anderen Versorgern für besseren Klimaschutz ein. Das soll erreicht werden durch die stärkere Verwendung sogenannter grüner Gase aus erneuerbaren Quellen. Wie kommt es zu dieser Initiative?
Deutschland droht die Verpflichtung zu Ausgleichszahlungen in Millionenhöhe an die EU, wenn die Vorgaben zur Minderung der CO2-Abgaben verfehlt werden. Die bittere Erkenntnis ist, dass die Bemühungen bisher nicht zum Ziel geführt haben. Wir verfehlen die Klimaziele so krachend, dass wir sogar Strafe an die EU zahlen müssen. Das ist der Beleg, dass wir entweder nicht genug tun oder noch nicht die richtigen Dinge tun. Und wir als Gasnetzbetreiber sehen, wenn wir langfristig über unser Geschäft nachdenken, die Herausforderung, wie kriegen wir klimaneutrales Gas in die Netze? Wie können wir es schaffen, unser Geschäft ökologisch verträglich zu betreiben?
Dazu gibt es nun ein Positionspapier der Thüga mit Forderungen zum Einsatz erneuerbarer Gase. Warum haben sich die Stadtwerke dem angeschlossen?
Wer ist die Thüga? Das ist kein abstraktes Gebilde. Das sind ungefähr 100 Beteiligungen an verschiedenen Stadtwerken, die gemeinsam in München Spezialisten vorhalten für bestimmte Themen – und hoffentlich zum Wohl des Ganzen. Über solche globalen Probleme sind wir natürlich miteinander im Gespräch. Wir haben den Auftrag gesehen, dass wir mal konkret werden müssen. Wir wollen der Politik vorschlagen, wie man zu Lösungen kommen kann, und wir müssen früh anfangen. Man kann nicht gleich von Null auf 100 gehen. Aber wir müssen jetzt anfangen, sonst geht zu viel Zeit verloren.
Das Papier ist ein Gemeinschaftswerk?
Darüber spricht man natürlich miteinander. Das ist ein ständiger Prozess, dazu gibt es dann auch Veranstaltungen, bei denen man sich austauscht.
Dann erläutern Sie doch bitte, welche Punkte aus Ihrer Sicht wesentlich sind.
Der erste Punkt ist: Es sollte ein einheitlicher CO2-Preis in allen Sektoren gelten, und im Wettbewerb sollten die besten Lösungen gefunden werden.
Sie sagen also, heute gelten ganz unterschiedliche Preise für den CO2-Ausstoß, je nachdem, auf welchem Feld er stattfindet?
Ja. Strom wird viel stärker belastet, wenn man den CO2-Ausstoß anschaut, als zum Beispiel Benzin oder auch Gas. Da gibt es ein Ungleichgewicht. Wenn man zum Beispiel Elektromobilität fördern will, ist es nicht gut, wenn Strom so belastet wird.
Was Sie jetzt formulieren, ist ein Appell an die Politik …
Wir brauchen immer die Politik, die den Rahmen setzt. Aber wir können uns natürlich nicht freiwillig schwächen im Wettbewerb, indem wir sagen, wir führen in Frankenthal eine Sondersteuer ein oder so was – das würde uns nicht gut tun.
Welche weiteren Forderungen gibt es?
Die Vorgabe einer Quote für erneuerbare Gase ist ein Kernstück unseres Papiers: 25 Prozent sollen es bis 2030 sein. Im Moment beziehen wir fast komplett fossiles Gas. Das sollte sukzessive geändert werden. Der Markt muss hinterherkommen. Es müssen Power-to-Gas-Anlagen gebaut werden, über die man überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien in Gas umwandeln und speichern kann. Und es muss, wenn es wirtschaftlich ist, Gas aus Biomasse hergestellt werden.
Das heißt, der heutige Markt gäbe diese 25 Prozent erneuerbare Gase noch nicht her …
Nicht annähernd.
Aber wenn klare Rahmenbedingungen gesetzt werden …
… dann fängt der Markt an zu arbeiten. Und das Schöne bei einer Quote ist, der Preis pendelt sich am Markt ein. Ich muss aber betonen, dass es ohne gewisse Anschubmaßnahmen nicht geht. Das wird natürlich zu Lasten von Importgas gehen; wir machen uns damit auch weniger abhängig von ausländischen Quellen. Es muss politisch auch verstanden werden, dass erneuerbare Gase was ganz anderes sind als fossiles Erdgas, dass sie umgewandelter Strom aus erneuerbaren Quellen sind oder umgewandelte Biomasse. Das müsste man dann auch positiv bei der Energiebilanz von Häusern anrechnen.
Eine weitere Forderung lautet: Energie muss besser gespeichert werden können.
Es ist klar, dass wir die erneuerbaren Energien weiter ausbauen müssen. Wir müssen aber auch Überschussstrom auffangen können. Und nicht nur für zwei drei Stunden, sondern so lange, bis man ihn wieder braucht. Kleine Batterien reichen nicht, wir brauchen riesige Speicher. Und der Zubau geht im Moment leider extrem langsam vonstatten.
Der SWR hat kürzlich über den Fall eines Landwirts berichtet, der Biogas produziert und erheblich dafür investiert hat. 2021 endet aber die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz; das bringt solche Produzenten in Schwierigkeiten. Die Länder Rheinland-Pfalz und Thüringen haben nun eine Bundesratsinitiative gestartet, diese Förderung zu verlängern. Was sagen Sie dazu?
Meine Meinung dazu ist ambivalent. Für Betroffene habe ich großes Verständnis, und wir wollen ja Biogas in die Netze bekommen. Auf der anderen Seite müssen wir schauen, dass mit jedem Euro, den der Staat gibt, möglichst viel Klimaschutz erreicht wird. Und da müssen sich Biogasanlagen dann auch messen lassen mit anderen Möglichkeiten, Klima zu schützen.
Ein Blick noch auf Fridays for Future: Wie sehen Sie diese Bewegung, die sich für Klimaschutz einsetzt?
Ich habe zwei schulpflichtige Kinder und ich wünsche mir schon, dass die in der Schule viel lernen und dann auch fit werden, um später gegen den Klimawandel zu kämpfen. Da ist es tendenziell notwendig, die ganze Woche die Schule zu besuchen. Das ist die eine Seite. Aber Fridays for Future hat als Katalysator dazu geführt, dass das Klimathema auf der politischen Agenda ganz nach oben gerückt ist. Das kann man nur begrüßen. Und es ist das gute Recht der jungen Generation, mitzumischen und uns auch ein bisschen anzutreiben. Ich wäre auch interessiert am Gespräch mit engagierten Schülern darüber, wenn der Wunsch da ist.
Wo geht es beim Strompreis hin, wenn die angesprochenen Verbesserungen kommen?
Beim Strom- oder Gaspreis?
Gute Gegenfrage. Beides.
Also, erstens: Wenn Steuern harmonisiert werden, dann kann man noch nicht absehen, was es bewirkt. Wahrscheinlich wird Strom tendenziell im Preis ein bisschen runtergehen und Gas ein bisschen hoch. Das gilt aber nur, wenn's keine anderen Einflüsse gibt, die die Preise beeinflussen. Alles in allem wird das ein Mammutprojekt. Mich stört es ein bisschen, wenn jetzt einseitig Wohltaten wie eine „Klimaprämie“ versprochen werden. Das ist eine schöne Idee, aber das Ganze wird relativ viel kosten. Ob das nun über Strompreis, Steuern, was auch immer finanziert wird, obliegt der Politik. Aber es ist mit Kosten verbunden. Das muss man ehrlich sagen.
INTERVIEW: STEPHAN PIEROTH