Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Stadt will Medizinisches Versorgungszentrum gründen

Räumliche Nähe trotz organisatorischer Trennung: Ein Medizinisches Versorgungszentrum könnte in der Stadtklinik untergebracht we
Räumliche Nähe trotz organisatorischer Trennung: Ein Medizinisches Versorgungszentrum könnte in der Stadtklinik untergebracht werden.

Gute elf Jahre liegt es zurück, dass der letzte niedergelassene Neurologe in Frankenthal in Ruhestand gegangen ist. Seitdem erbringt die Stadtklinik ambulante Leistungen in diesem Fachgebiet – mit dem Segen der Kassenärztlichen Vereinigung. Jetzt könnte Bewegung in diese Konstruktion kommen.

Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) neigt meist nicht zur Dramatik – im konkreten Fall allerdings spricht er mit einer gewissen Nachdrücklichkeit von einer „einmaligen Gelegenheit“ und einem „engen Zeitfenster“. Der Anlass für diese Ansage des OB: Die Kassenärztliche Vereinigung schreibt im Fachgebiet Neurologie/Nervenheilkunde für die Region Frankenthal/Speyer/Rheinpfalz dreieinhalb neue Arztsitze aus. Bis Anfang November können sich Interessenten bewerben. Und die Stadt respektive die Stadtklinik ist interessiert, zwei dieser Kassensitze zu übernehmen.

Bundesweite Neukalkulation

Dieser Vorstoß könnte einen Zustand beenden, der im Gesundheitswesen eher die Ausnahme als die Regel sein soll: dass angestellte Krankenhausärzte Leistungen für gesetzlich Versicherte übernehmen, die sonst in der Hand niedergelassener Fachmediziner liegen. Seit 2009 gibt es in Frankenthal keinen Neurologen mit eigener Praxis mehr. Die Stadtklinik hat diese Versorgungslücke mit einer sogenannten Ermächtigungsambulanz geschlossen – einer Sonderform, die alle zwei Jahre neu zu beantragen und zu genehmigen ist.

Die Voraussetzung für die erfolgreiche Bewerbung um die auf Basis einer bundesweiten Neukalkulation ausgeschriebenen Sitze ist allerdings die Gründung eines organisatorisch vom restlichen Klinikbetrieb getrennten Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ). Diesen Schritt vorzubereiten und die Möglichkeiten mit der Kassenärztlichen Vereinigung auszuloten, dafür hat der Krankenhausausschuss am vergangenen Mittwoch grünes Licht gegeben; am Donnerstag, 1. Oktober, hat der Stadtrat das letzte Wort.

„Keine Konkurrenzveranstaltung“

Der Oberbürgermeister wollte vor allem einen Eindruck vermeiden: den einer Konkurrenzveranstaltung zu bestehenden ambulanten Strukturen: „Es geht um eine notwendige Ergänzung des Angebots. Der Bedarf ist offenkundig vorhanden.“ Als Rechtsform für ein solches MVZ schlägt die Stadt den sogenannten Eigenbetrieb vor. Angesiedelt würde dieses weitere kommunale Unternehmen wohl in der Stadtklinik selbst.

Nach Darstellung von Michael Roth, Leitender Oberarzt der Funktionseinheit Neurologie des Krankenhauses, hat diese räumliche Nähe große Vorteile etwa in der Zusammenarbeit mit der Schlaganfalleinheit. Im geplanten Erweiterungsbau der Stadtklinik seien zudem Räume für eine neurologische Praxis mit der entsprechenden Infrastruktur vorgesehen. Über den Zuschlag für die Sitze entscheidet letzten Endes der für die Region zuständige Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz.

Hebich: Muss offen sein

Während für Michael Baumann (CDU) im ersten Schritt schon „eine deutliche Ausweitung der Leistung“ erreicht ist, warf Dieter Schiffmann (SPD) ein, dass für ein Medizinisches Versorgungszentrum in Frankenthal mit zwei neurologischen Sitzen „das Ende der Fahnenstange nicht erreicht“ sein müsse, dort weitere Disziplinen denkbar seien. Martin Hebich stimmte zu: „Man muss offen sein.“ Ziel müsse eine flächendeckende Versorgung über alle Fachgebiete hinweg sein. Vor allem wegen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei für Ärzte eine Festanstellung am MVZ als Alternative zu Jobs im Krankenhaus oder als Niedergelassener interessant.

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