Frankenthal
Stadt will über Landesprogramm 1170 Tablets für die Schulen kaufen
Man könne sich vor Wohltaten derzeit kaum retten. Beigeordneter Bernd Leidig (SPD) ergänzt diesen Satz aber sicherheitshalber mit dem Hinweis, dass er als Scherz aufzufassen sei. Denn Geld aus Mainz für die Schulen in Frankenthal – dagegen wehrt sich die Stadtspitze natürlich nicht. Aber die Frage, wie genau jene 430.000 Euro investiert werden, die über das Sofortausstattungsprogramm fließen, war dennoch so leicht nicht zu beantworten. Welche mobilen Endgeräte – denn dafür ist der genannte Betrag vorgesehen – sollen angeschafft werden? Wie viele? Und: Wer soll sie bekommen?
In Grundzügen steht fest: Zielgruppe sind jene rund 1900 Mädchen und Jungen, auf die das Kriterium der Lernmittelfreiheit zutrifft – Kinder und Jugendliche aus Familien, die so arm sind, dass sie Schulbücher kostenlos ausgeliehen bekommen. Die Logik dahinter: Wer sich wegen seines geringen Einkommens keine Bücher kaufen oder gegen Gebühr leihen kann, der wird sich auch keinen Tablet-Computer leisten können. Klar ist aber auch: Für alle wird das Geld vom Land nicht reichen. Rechnerisch stünden pro Schüler etwa 230 Euro zur Verfügung – nicht viel für ein leistungsfähiges und robustes Gerät.
Bestellung übers Land
Die Rechnung der Stadt sieht wie folgt aus: Sie möchte über den Rahmenvertrag des Landes für die 19 Schulen in ihrer Trägerschaft 940 Tablets der Hersteller Apple und Lenovo bestellen. Weitere 230 kommen noch einmal dazu, weil Rheinland-Pfalz über den aktuellen Nachtragshaushalt für vier Geräte aus dem Sofortausstattungsprogramm ein fünftes spendiert – so viel zu den eingangs erwähnten Wohltaten. Macht unterm Strich: rund 1170. Und das wiederum bedeutet: Etwa 60 Prozent der bedürftigen Schüler können versorgt werden.
Stellt sich die Frage: Was kann, was soll mit den Geräten passieren? Die offenbar von manchem Politiker gehegte Hoffnung, dass mit dem Kauf dieser Tablets ein Schritt in Richtung Digitalisierung gelinge, dämpften am Dienstag die Praktiker im Schulträgerausschuss. Dieter Jäger, Leiter der Friedrich-Schiller-Realschule plus, sah vor allem einen Sinn in der Großbestellung: verbesserte Möglichkeiten im Homeschooling – beim Unterricht zu Hause, „um die Situation in den Griff zu bekommen“, falls Corona noch mal den Präsenzunterricht ausbremst. Mit Blick auf ein solches Szenario im bevorstehenden Herbst und Winter sei „die spannende Frage“, wann die Geräte geliefert würden.
„Moodle“ funktioniert
Alexander Dejon, Chef der Integrierten Gesamtschule Robert Schuman, drückte den Zweck der Anschaffung noch etwas drastischer aus: „Es geht darum, die Erreichbarkeit mancher Kinder zu Hause zu gewährleisten.“ Digitalisierter Unterricht mit den entsprechenden technischen Voraussetzungen und pädagogischen Konzepten sei etwas völlig anderes.
Verena Baqué (CDU) sah vor allem ein Problem auf die Schulen zukommen: die große Vielfalt an Gerätetypen und damit unterschiedlicher Bedienungsweisen an den Schulen und in den Lerngruppen. Sofern mit Anwendungen gearbeitet werde, die über Internetbrowser wie Firefox oder Chrome liefen, sei das Erscheinungsbild und die Funktionalität vergleichbar, sagte Eddy Wert, seit Juli bei der Stadt für das Thema Digitalisierung an Schulen zuständig. Thomas Kramer, Leiter der Berufsbildenden Schule, verwies auf den seit einigen Jahren nach diesem Prinzip organisierten Landesbildungsserver „Moodle“.
Mario Litzenburger, Leiter der Albert-Schweitzer-Schule, lenkte den Blick auf einen kritischen Punkt, den er für seine Förderschule Schwerpunkt Lernen ausgemacht hat. Etwa 20 Prozent der Haushalte, aus denen seine Kinder kämen, hätten überhaupt keinen Internetanschluss. „Es ist schwierig, von Fernunterricht zu sprechen, wenn ich ein Fünftel der Schüler gar nicht erreiche.“