FrANKENTHAL
Stadt: Auf der Suche nach Energiefressern
„Wir haben zwei Kitas, die sind exakt baugleich“, berichtet Jan Storminger, Mitarbeiter des städtischen Bereichs Gebäude und Grundstücke, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Umso erstaunter sei man gewesen, als man sich die Energiebilanzen der beiden Häuser am Strandbad und im Ziegelhofweg genauer angeschaut habe. Denn bei den Verbrauchswerten seien deutliche Unterschiede aufgefallen, sagt Storminger, bei dem solche Daten zusammenlaufen: Er ist für die „Digitalisierung der Gebäudeverwaltung und Controlling“ zuständig. „Unterschiedliches Nutzerverhalten“ sei die wesentliche Erklärung für diese Differenzen.
Allein schon die erste genauere Analyse der mehr als 100 städtischen Liegenschaften habe Hinweise auf ein Einsparpotenzial von zehn bis 20 Prozent beim Energieverbrauch geliefert, sagt Klimaschutzmanagerin Anna-Catharina Eggers. Schlichtes Beispiel: Wenn abends und nachts die Beleuchtung in großen Gebäuden auch dort eingeschaltet bleibe, wo man sie gar nicht bräuchte, könne sich das spürbar in der Bilanz niederschlagen. „Detektivarbeit“ sei es, auch solchen vermeintlich banalen Fakten nachzuspüren.
Projekt für zwei Jahre
Stromverbrauch und Heizungen – das sind nach den Worten von Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) die wesentlichen Themen, die sich die Verwaltung nun systematisch anschaut. Frankenthal ist dabei Teil eines Verbunds von elf Kommunen in der Metropolregion Rhein-Neckar, die sich für dieses zweijährige Projekt zusammengeschlossen haben. Dazu gehören unter anderem auch die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim, die Stadt Grünstadt und der Kreis Bad Dürkheim. Die Energieagentur Rheinland-Pfalz hat das Projekt gestartet, begleitet es fachlich und hilft beim Erfahrungsaustausch. „Man konnte sich dafür bewerben“, berichtet Klimaschutzmanagerin Eggers. Die Energieagentur „hat die Gruppe dann zusammengestellt“.
Dass es sich in mehrfacher Hinsicht lohnt, ins Energiesparen zu investieren, ist für die Stadtverwaltung keine grundsätzlich neue Erkenntnis. Bereits ein 2009 vorgelegtes Klimaschutzkonzept, das sich auf 15 städtische Gebäude bezog, kam zum Ergebnis: Mit einmaligen Investitionen von rund einer Million Euro könne eine Senkung von Energieverbrauch und Emissionen um 57 Prozent erzielt werden. Erwartete Kostenersparnis pro Jahr: rund 225.000 Euro. Mithin sollten die Ausgaben bereits nach rund vier Jahren wieder eingespielt sein.
Vorteile durch Fernwärme
Eine Verpflichtung der Verwaltung, das Thema noch systematischer anzugehen, hat sich spätestens mit dem Klimaschutz-Beschluss des Frankenthaler Stadtrats vom August 2019 ergeben. Demnach sieht die Stadt Kommunen generell „in einer besonderen Verantwortung, die Anstrengungen zur Eindämmung klimaschädlicher Emissionen zu verstärken“. Das gelte für Frankenthal bei Neubauten genauso wie bei der „Optimierung städtischer Liegenschaften“.
Dabei sei eine Reihe von wichtigen Projekten schon umgesetzt, sagt Bernd Knöppel als Dezernent für den Bereich Gebäude und Grundstücke. Er nennt als Beispiel den Anschluss der Integrierten Gesamtschule Robert Schuman ans Fernwärmenetz. Sollte es in der Kindertagesstätte daneben Probleme mit der Heizanlage geben, „würden wir die eventuell auch anschließen“. Denn allein dadurch, dass „keine Heizung mehr in einem Gebäude arbeitet, spart man dann Unterhaltskosten“, sagte Anna-Catharina Eggers zu diesem Thema. Erfolgversprechend und sinnvoll sind nach Einschätzung Knöppels zudem alle Anstrengungen, Nutzer für das Thema Energiesparen „zu sensibilisieren“. 2018 habe die Stadt alle Hausmeister in diesem Sinne geschult. Man plane nun auch, mit den Schulleitungen ins Gespräch zu kommen.
Die bisherige Analyse zeige: Die Bauweise und das Alter der Gebäude seien besonders wichtige Faktoren für die Energiebilanz, erklärt Jan Storminger. Das noch relativ neue Rathaus II im Neumayerring etwa schneide vergleichsweise gut ab: „Da müssen wir nichts tun.“ Anders sehe es bei einem historischen Gebäude wie dem der Tom-Mutters-Schule aus. Raumhöhen wurden früher, zumal bei repräsentativen Gebäuden, eher großzügig bemessen. Für die Energiebilanz aber gelte: „Je niedriger die Decke, desto effektiver.“ Schulen gehörten ohnehin zu den größten Objekten in städtischem Besitz. Entsprechend aufwendig seien hier die Analysen, sagt Storminger. Aber auch bei einem Gebäude wie der Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle stellten sich Fragen: „Die Metall-Außenverkleidung da ist nicht so ideal.“
Austausch online
Wenn es um Probleme wie diese geht, dann könnten der Erfahrungsaustausch mit anderen Kommunen und die Begleitung durch die Energieagentur sicher hilfreich sein, meinen die Verantwortlichen der Frankenthaler Verwaltung. „Bisher hatten wir ein Treffen und vorher schon zwei Online-Meetings zu Grundlagen-Informationen“, berichtet Anna-Catharina Eggers. „Wir stehen also noch ganz am Anfang.“ Das nächste Treffen sei für Dezember geplant. Angesichts der Corona-Pandemie „wird das wohl online stattfinden“, erwartet die Klimaschutzmanagerin.
Einen Zwischenbericht für die städtischen Gremien solle es dann „Mitte nächsten Jahres“ geben, kündigt Bürgermeister Knöppel an. Ziel sei es, innerhalb des Projektzeitraums von zwei Jahren die notwendigen „eigenen Strukturen“ aufzubauen, die notwendig seien, um bei dem Thema deutlich voranzukommen, erklärt Eggers. „Wir machen das auch, um Vorbild zu sein“, sagt sie zum Einsatz der Stadt.
Dass man es angesichts der Corona-Krise wohl nicht schaffen wird, auf allen Feldern sofort Bestwerte zu erreichen – auch das ist den Beteiligten klar. Dass in Schulräumen nun auch im Winter regelmäßig stoßgelüftet werden solle, werde Folgen haben, glaubt Jan Storminger. „Auf die Heizkostenrechnung 2021 bin ich gespannt.“