Frankenthal Sprühende Kreativität

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„Klein, aber fein und familiär“, das schätzen Besucher an der Airbrushmesse in Bobenheim-Roxheim, die ein Wochenende lang die Friedrich-Ludwig-Jahn-Halle zum Szenetreff werden ließ. Seit 2011 organisiert Norbert Klug (Airbrushstudio Chili-Air) zusammen mit dem Kulturbüro des Rhein-Pfalz-Kreises und der Gemeinde Bobenheim-Roxheim alle zwei Jahre die Schau.

„Hier ist Airbrush kein Beiwerk wie bei großen Messen, sondern Mittelpunkt“, sagt Harald Rettich. Das Gros der Künstler, Händler und Hersteller wie auch das Publikum nutze den Treff, um sich auszutauschen, neue Entwicklungen kennenzulernen, sich zu präsentieren, Kontakte zu pflegen. Harald Rettich vom Studio Wizz-Art kommt aus der Schwäbischen Alb. Seine irrealen Bildwelten entstehen bevorzugt mit der Airbrush-Pistole. Auch Georg Huber, der zu den Airbrush-Vorreitern in Deutschland zählt, malt „nach der Natur“. Doch was auf den ersten Blick fotorealistisch aussieht, ist es beim zweiten Hinsehen in Komposition, Größenverhältnissen, aber auch Farben nicht, soll es auch nicht sein, betont er. Der 55-Jährige hat mit Airbrush in den 1980er-Jahren begonnen, als man noch Werkzeug und Material aus den USA beziehen mussten. „Das hat es bei uns zwar auch schon gegeben im Lackiererhandwerk, im Fotoretuschierbereich und beim Colorieren gab es die Technik sogar schon seit Ende des 19. Jahrhunderts, aber das wusste niemand.“ Als Pionier habe er mit die ersten Arbeitsanleitungen geschrieben. Der Kunstmaler, Dozent und Autor ist gefragt, vier von fünf Bildern sind Auftragsarbeiten. Huber setzt jedoch nicht allein auf eine Technik. Wie viele Kollegen wechselt er ab oder mischt. „Um im Nachhinein zu korrigieren, für Licht-Schatten-Effekte oder um Stimmungen zu erzeugen, sprühe ich.“ Aber auch das sei kein Dogma, er wähle die Technik nach Gefühl. Zu sehen sind auf der Messe neue Entwicklungen, neue Farben, neue Hilfsmittel, neue, feinere, ausgeklügeltere Pistolen, leistungsstärkere und flüsterleise Kompressoren – von rund 500 Euro für ein gutes Starterset aus Pistole und Kompressor sind nach oben keine Preisgrenzen gesetzt. Am Stand des Herstellers Createx erklärt der Wahlamerikaner Gerald Mendez – einer der bekanntesten Airbrusher weltweit – den Umgang mit Farben und arbeitet parallel an einem Fantasybild. Begleitend zur Messe gibt es Workshops und Schnupperkurse, und auch beim Live-Bodypainting kann zugeschaut werden. Und als Erinnerung gibt’s auf Wunsch ein Airbrush-Tattoo von Dennis Klug. Erstmals stellen sich die sechs Diplomanden des Airbrush-Studiums vor, das aus jeweils einjährigem Grund- und Hauptstudium sowie Meisterkurs besteht und von Chili-Air zusammen mit der Volkshochschule seit einigen Jahren angeboten wird. Die gezeigten Diplomarbeiten beschäftigen sich mit aktuellen Themen wie Griechenlandkrise oder Gewalt. Für den Altriper Bauingenieur Peter Hagmann soll es ein Hobby bleiben, dagegen hat Yvonne Ißle die Selbstständigkeit gewählt und sich auf Tiere und Porträts spezialisiert. Sie sagt, auch wer nicht zeichnen kann, könne mit Airbrush und den vielfältigen Techniken und Tricks kreativ tätig sein. Sprühen könne man heute mit transparenter und deckender Farbe, aber auch mit Acryl, Aquarell, Tusche und sogar Öl. Wichtig sei es, die Technik zu beherrschen, wie beim Autofahren. Dann könne man sich auf die kreative Arbeit konzentrieren. Was außer der Technik dazugehört, zählt Georg Huber auf: „Talent, innere Leidenschaft und mindestens 10.000 Übungsstunden.“

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