Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Sportkonzeption: Jetzt haben Schulen, Vereine und Bürger das Wort

Trainingszeiten auf den Frankenthaler Sportplätzen sollen erfasst, abgeglichen und – falls möglich – besser gesteuert werden.
Trainingszeiten auf den Frankenthaler Sportplätzen sollen erfasst, abgeglichen und – falls möglich – besser gesteuert werden.

Im Herbst kommenden Jahres will die Stadt ein Konzept in der Hand haben, wie sie den Frankenthaler Sport am wirksamsten fördern kann. Sie erhält dabei fachliche Unterstützung, aber auch Schulen, Vereine und nicht zuletzt die Bürger sollen zu Wort kommen. Ein wichtiges Ziel: Vorhandenes besser nutzen.

Die kleine Senioren-Gymnastikgruppe, die sich gewohnheitsmäßig an einem bestimmten Termin in einer riesigen Halle trifft. Die vielen wuseligen Nachwuchskicker, die sich mit einem halben Platz begnügen müssen. Um Ansprüchen, Wünschen und Notwendigkeiten beim Verteilen von Sportstätten und Trainingszeiten gerecht zu werden und am Ende noch zu erkennen, wo Lücken im Plan existieren oder schlicht Kapazitäten fehlen, braucht es mehr als Kalender und Bleistift. Stefan Henn, Leiter des Instituts für Sportstättenentwicklung (ISE), erklärt den Mitgliedern des Sportausschusses am Mittwoch mit anschaulichen Beispielen aus der Praxis, was er und sein Team gemeinsam mit der Verwaltung in der kommenden Zeit vorhaben.

Online-Umfragen starten

Eine Bestandsaufnahme, wo in Frankenthal und seinen Vororten überall Sport getrieben wird, hat das Institut bereits erstellt. In dieser Woche starten nun Online-Umfragen unter denjenigen, die in Hallen und auf Plätzen aktiv sind: Das betrifft einerseits Schulen und Vereine, die nach Angaben der Stadt per E-Mail einen Zugangslink für Funktionäre und Fachlehrer erhalten. Andererseits geht es um die Perspektive der Bürger. Hier fährt Henn mit seiner Methode zweigleisig: 5000 per Stichprobe ausgewählte Personen bekommen in den kommenden Tagen Post. Darin enthalten: eine personalisierte Kennung und wiederum ein Zugangslink. Um weiteren Interessierten die Chance zu geben, ihre Sicht der Dinge loszuwerden, gibt es zudem eine offene Befragung über die Internetseite der Stadt.

Ein zentraler Baustein neben den erwähnten ist die sogenannte Auslastungsanalyse. „Das ist der Punkt, der vielleicht am unangenehmsten ist“, weiß Henn aus Erfahrung. Tatsächlich wird dabei mit allen Vereinen, die städtische Sportstätten nutzen, ermittelt, wo sie das wie lange mit wie vielen Leuten tun. Das Ziel dieses Schritts: Freiräume erkennen und den Nutzungsgrad der Infrastruktur verbessern. Der ISE-Leiter weiß aus Erfahrung von früheren Aufträgen unter anderem im benachbarten Ludwigshafen: Es würden schnell Neubauprojekte gefordert, dabei stecke im Detail oft noch einiges an Potenzial – vorausgesetzt, die Akteure seien kompromissbereit und flexibel, so Henn.

Zum Konzept des in Trier an die Europäische Akademie des rheinland-pfälzischen Sports angesiedelten Instituts gehört auch die Rückkopplung mit Experten zu fachlichen Fragen in Form von Interviews dazu. Und irgendwann bekommen Stadtverwaltung und Politik dann einen Abschlussbericht in die Hand – inklusive entsprechender Handlungsempfehlungen.

Breitensport berücksichtigt

Wichtig ist Stefan Henn nach eigener Darstellung, ein möglichst genaues Bild dessen zu zeichnen, was Sport und Bewegung in einer Stadt wie Frankenthal inzwischen ausmachten. Dazu gehörten natürlich ganz fundamental die Aktivitäten in Vereinen und Schulen, aber auch die Kenntnis über den nicht-organisierten Breitensport: beliebte Laufstrecken oder informelle Treffpunkte wie Skateranlagen. „Das wird durch unsere Arbeit greifbarer“, ist der ISE-Chef überzeugt.

Konkret sollen aber auch die Lücken im vorhandenen Angebot und Mängel in der Infrastruktur aufgedeckt werden. Aus Sicht der Verwaltung, die Bau und Unterhalt der Sportstätten maßgeblich finanziert, betont Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU): „Wir müssen als Kommune sehr genau hinschauen, wie wir unsere Mittel einsetzen.“ Die Konzeption könne dazu beitragen, in diese Debatten etwas mehr Objektivität und Realismus zu bringen. Ein Verein gründe sich neu und bekomme dann einen eigenen Sportplatz – das sei nicht mehr möglich, sagt der OB. Henn pflichtet bei: Planungen wie diese seien „kein Wunschkonzert“.

Noch Fragen?

Informationen zum Sportstättenentwicklungskonzept gibt es auf der Internetseite der Stadt unter www.frankenthal.de/sport.

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