Hockey
Sonja Zimmermann nach der Finalniederlage im Final Four und vor der EM
Natürlich nagt die Endspielniederlage auch noch zwei Tage nach dem Finale an Sonja Zimmermann. Und doch klingt die 21-Jährige sehr aufgeräumt und gar nicht traurig. Die den Umständen entsprechend gute Stimmung der Nationalspielerin ist mit der Leistung der Mannheimer Damen begründet. „Wir haben im Halbfinale drei dominante Viertel gegen Rot-Weiss Köln gespielt. Düsseldorf war im Endspiel gefühlt dreimal bei uns im Schusskreis. Schade, dass es nicht mit dem Titel geklappt hat“, lässt sie die beiden Partien auf der Anlage am Neckarplatt Revue passieren. Der MHC sei zweimal die klar bessere Mannschaft gewesen. Doch manchmal gehöre eben auch ein bisschen Glück dazu.
Die allgemeine Regel lautet im Sport ja, dass man mit einer guten Offensive einzelne Spiele, mit einer guten Defensive aber eben Meisterschaften gewinne. Allerdings muss man eben auch konstatieren, dass man, wenn man einen Titel gewinnen will, mindestens einen Treffer mehr schießen muss als der Gegner. Doch genau da haperte es noch beim MHC.
Zimmermann trifft gegen Köln zum 1:1
Zweimal stand es nach 60 Minuten 1:1. Beide Male resultierten die Mannheimer Treffer aus Strafecken. Einmal trug sich auch Sonja Zimmermann in die Torschützenliste ein. Gegen Köln im Semifinale traf sie in der 49. Minute zum 1:1, nachdem Rebecca Grote Rot-Weiss kurz davor in Führung gebracht hatte. Gegen Düsseldorf gelang Florencia Habif kurz vor Schluss der Ausgleich.
Aber aus dem Spiel heraus habe es eben nicht geklappt. Das sei kein Vorwurf in Richtung der Stürmerinnen. Sie sei sich sicher, dass diese in den kommenden Jahren den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung gehen würden. Und viele knappe Situationen seien dabei gewesen. In einem anderen Spiel wäre der eine oder andere Ball vielleicht rein gegangen. „Wir hätten ja auch die Ecken besser nutzen können“, meint die Frankenthalerin. Gegen Köln erarbeitete sich der MHC sieben, gegen Düsseldorf vier Kurze Ecken. Das Resultat ist bekannt.
Nervenstark im Penaltyschießen
Beide Partien gingen ins Penaltyschießen. In der Vorschlussrunde zeigte sich Zimmermann auch hier nervenstark, traf zweimal – einmal zum Auftakt des Shootouts und dann zum entscheidenden 5:4. Denn Nationalmannschaftskollegin Nike Lorenz scheiterte hernach. Auch gegen Düsseldorf ging die 21-Jährige voran. Diesmal kam sie jedoch nicht an Keeperin Natalie Kubalski vorbei, die am Ende auch zur wertvollsten Spielerin des Final-Four-Turniers gewählt wurde. Der DHC gewann 4:3.
Sonja Zimmermann ist sich sicher: Sie hätte auch gegen Düsseldorf ihren Penalty verwandelt. „Ich bin im entscheidenden Moment leider abgerutscht. Das gehört halt auch dazu“, sagt sie nüchtern.
Lob vom Gegner
„Ich weiß nicht, was wir hätten besser machen können. Wenn mir etwas aufgefallen wäre, hätte ich es schon während des Spiels angesprochen“, meint sie. „Für mich sind wir deutscher Meister 21.“ Auch die Gegnerinnen aus Köln und Düsseldorf hätten die Dominanz der Gastgeber bestätigt. Sonja Zimmermann ist überzeugt, dass die Mannschaft gestärkt aus dieser Finalniederlage hervorgehen kann. „Wir können stolz auf uns sein.“
Jetzt also erst mal Pause und durchschnaufen? Fehlanzeige. „Nach dem Final Four hatte ich zwei Tage frei. Dann geht’s direkt weiter. Es wird ganz normal weitertrainiert“, sagt sie. Denn es wartet die nächste Aufgabe auf die Frankenthalerin. Nächste Woche müsse sie zum Lehrgang mit der Nationalmannschaft im Hinblick auf die Europameisterschaft in Amsterdam (4. bis 13. Juni).
Vollgas geben für Amsterdam und Tokio
Da will sie natürlich ebenso dabei sein wie bei den Olympischen Spielen in Tokio. Da heißt es weiter Vollgas geben. Die 21-Jährige ist sich sicher, dass sie am Wochenende in Mannheim eine gute Bewerbung für Einsätze bei beiden Turnieren abgegeben hat. „Jetzt will ich auch auf internationalem Level zeigen, dass ich an mir gearbeitet habe.“ Sie wolle es Bundestrainer Xavier Reckinger so leicht wie möglich machen, sie für den Kader zu nominieren.
Im Hinblick auf die Olympischen Spiele wolle man in den Niederlanden schon mal ein gutes Zeichen setzen. Sie traut dem Team den ganz großen Wurf in Amsterdam zu. „Wir müssen als Einheit agieren. Wir haben auf jeden Fall das Potenzial, den Titel zu holen.“ Als Hauptkonkurrenten sieht sie Belgien, die Niederlande und England. Mit Belgien und England misst sich das deutsche Team bereits in der Vorrunde. Dritter Gegner in Gruppe B ist Italien.
Auslandssemester in Paris
In der kommenden Saison muss der Mannheimer HC erst mal ohne seine Abwehrorganisatorin zurechtkommen. Sonja Zimmermann plant ein Auslandssemester in Paris. „Ich freue mich, mal rauszukommen“, sagt sie. Auch wenn sie gerne noch mal mit den Mädels vom MHC das Unternehmen deutsche Meisterschaft in Angriff nehmen würde.
Es gefalle ihr super gut in Mannheim. Sie kenne ihre Rolle im Team. Natürlich habe sie Angebote – aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland. Doch sie weiß, was sie am MHC hat. Rund 14 Jahre lang trage sie jetzt schon das Trikot des Teams aus der Quadratestadt.
Für einen Wechsel müsse das Gesamtpaket stimmen. „Es muss eine Mannschaft sein, mit der ich mich identifizieren kann.“ Der Klub müsse ihr sympathisch sein. Und mit der Stadt müsse sie sich auch identifizieren können. Paris wäre da schon eine schöne Adresse, meint sie und lacht. Allerdings ist Frankreich nicht gerade erste Wahl, wenn es um das internationale Damenhockey geht.