Frankenthal
Solaranlagen: Lange Wartezeiten
Dass sie auf dem Dach ihres Eigenheims eine Fotovoltaikanlage installieren lassen, war Sabrina und Christian Schuff schon beim Kauf klar. Eine Entscheidung, die die vierköpfige Familie in den gut eineinhalb Jahren seit Inbetriebnahme nie bereut hat. Ihr Rat für alle, die über einen Umstieg nachdenken: Nicht zu sehr auf die Wirtschaftlichkeit achten, sondern das Dach vollmachen. „Der Verbrauch wird eher steigen“, ist sich Christian Schuff sicher. Der Familienvater engagiert sich ehrenamtlich bei der Bewegung Parents for Future. Für die Investition in Solarenergie seien Klimaschutz und Einsparung von Emissionen zwei wichtige Beweggründe gewesen. Selbst „grünen Strom produzieren, der emissionsfrei ins Netz fließt“, ist für den 40-Jährigen ein großer Ansporn. „Und die Welt für unsere Kinder erhalten“, ergänzt seine 38-jährige Ehefrau.
Doch auch finanziell lohne sich der Umstieg, ist Christian Schuff überzeugt. Immerhin konnte die Familie im ersten Jahr im Schnitt bereits 83 Prozent ihres Stromverbrauchs aus eigener Quelle decken. 1700 Euro haben die Schuffs so 2021 verdient und eingespart. November bis Januar seien dabei schwache Monate gewesen, der Februar dagegen überraschend stark.
Bis zu 30 Jahre Garantie
Werte, die Thomas Deimling nicht unbedingt überraschen. Der Inhaber von Deimling Solartechnik aus dem Vorort Mörsch baut seit 1997 Fotovoltaikanlagen. Er selbst fährt mit den beiden E-Autos zu 80 Prozent mit der Sonne, der Stromverbrauch im Haushalt wird bei Deimlings zu etwa 70 Prozent aus den Anlagen auf dem Dach gedeckt. „Je nach Strompreis amortisiert sich eine Anlage nach zehn Jahren“, sagt Deimling. Und das bei einer Herstellergarantie von bis zu 30 Jahren auf die Module. Auch Deimlings erste Anlage versorgt den Kunden nach 25 Jahren noch einwandfrei.
27.000 Euro haben die Schuffs 2021 in ihre 12,24-Kilowatt-Peak-Anlage samt Zwölf-Kilowattstunden-Speicher investiert, mit 1000 Euro habe das Land den Speicher bezuschusst. Ein Kilowatt-Peak entspricht 1000 Watt, eine übliche Anlage mit etwa zehn Kilowatt-Peak koste heute einschließlich Speicher mit gleicher Leistung und notstromfähigem Wechselrichter zwischen 26.000 und 32.000 Euro. Dass die Anlage auch bei Stromausfall dank Wechselrichter weiter produzieren kann, diese Option werde derzeit verstärkt nachgefragt, berichtet Deimling.
Notstrom-Option gefragt
Auch Schuff rät aus eigener Erfahrung zu dieser Zusatzausstattung, die nicht sehr viel teurer sei, bei seinem Modell aber nicht angeboten worden sei. Mit der Folge: „Bei Stromausfall produziert auch die Fotovoltaikanlage keinen Strom.“ Zusätzlich heizt die Familie aus Flomersheim ihr Wasser mit Solarthermie. Nur bei der Heizanlage – eine Gasbrennwerttherme mit Solarthermieunterstützung – habe man Abstriche machen müssen, weil der Heizungsbauer eher ablehnend reagiert habe. „Das hätte man direkt mit Wärmepumpe machen können“, bedauert Schuff.
Kompliziert sei die Anschaffung der Fotovoltaik nicht, berichten Sabrina und Christian Schuff. Alle Formalitäten habe in ihrem Fall die Firma Deimling übernommen. Die Anmeldung beim Energieversorger – den Stadtwerken Frankenthal – sei schnell über die Bühne gegangen. Bis zu einer bestimmten Leistung sind private Solaranlagen, die Strom ins öffentliche Netz einspeisen, laut Verbraucherzentrale von der Steuerpflicht befreit. Allerdings sei es ratsam, sich zumindest anfangs von einem Experten beraten zu lassen. Der Bau selbst dauert laut Deimling je nach Größe zwei bis vier Tage.
Keine Festpreise mehr
Der Ukraine-Krieg und das Szenario einer möglichen Gasknappheit im Winter lassen bei Thomas Deimling und seinem Drei-Mann-Betrieb seit Monaten die Telefone nicht mehr stillstehen. Sechs Monate Vorlauf habe es immer gegeben, „aber im Moment herrscht Panik am Markt“, sagt der 65-Jährige. 60 Anfragen muss er im Moment abarbeiten. Und für das Jahr 2023, in dem die Firma etwa 50 Anlagen installieren wird, gibt es keine freien Termine mehr. Wenn Anbieter, etwa im Internet, schnellere Lieferzeiten versprächen, sollte man skeptisch sein, rät der Frankenthaler. „Die Situation ist bei allen gleich“, weiß er aus Gesprächen mit Kollegen.
Neben der riesigen Nachfrage nennt Deimling Lieferengpässe als Grund für Wartezeiten. Dabei beziehe sein Unternehmen die Module zu 70 Prozent aus deutscher Produktion. Angesichts von Preissteigerungen um bis zu 30 Prozent seit 2020 würden Großhändler heute keine Festpreise mehr vereinbaren. Bestellt wird also jetzt, bezahlt in vielen Monaten – zum dann geltenden Preis.