Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel So darf es weitergehen: Beschwingtes Neujahrskonzert mit der Neuen Philharmonie Frankfurt im Congress-Forum

Auch was fürs Auge: Das Ludwigshafener Tanzpaar Kim und Christian Weber wirbelte beim Konzertwalzer „Rosen aus dem Süden“ mit Sc
Auch was fürs Auge: Das Ludwigshafener Tanzpaar Kim und Christian Weber wirbelte beim Konzertwalzer »Rosen aus dem Süden« mit Schwung und Eleganz übers Parkett.

Ein Neujahrskonzert in Frankenthal ohne die Neue Philharmonie Frankfurt – kaum vorstellbar. Die inzwischen zu Stammgästen arrivierten Gute-Laune-Botschafter aus Hessen ließen es am Mittwochabend wieder einmal so richtig krachen.

Bevor die 38 Musiker ihre erste Rakete zündeten, wurde das Publikum im gut gefüllten Congress-Forum mit einem virtuellen Saalfeuerwehr – absolut rauchfrei und klimaneutral – auf ein von Ohrwürmern der leichten Muse dominiertes Programm eingestimmt. Als dankbar erwies sich das Motto „Rosen aus dem Süden“, entführte der bunte Melodienreigen zwar in das Sehnsuchtsland Italien, war aber gleichzeitig auch eine Hommage an den Wiener Walzerkönig Johann Strauß, an dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr erinnert wird.

Schon bei der leichtfüßig daherkommenden Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ von Gioachino Rossini offenbarten sich die Qualitäten des Orchesters aus der Mainmetropole: sattelfest in der Intonation auch der offenliegenden Bläserpassagen, zuverlässig bei den Einsätzen, sensibel für Tempowechsel und dynamische Steigerungen. Und über allem stand der künstlerische Leiter Jens Troester, der – mit großen Gesten agierend – seine spielfreudigen Philharmoniker voll im Griff hatte und schwungvolle Akzente zu setzen wusste.

Der Dirigent spinnt den roten Faden

Angefangen von der Polka française „Die Tauben von San Marco“ über den Lagunenwalzer aus „Eine Nacht in Venedig“ bis zum lustigen Schwipslied – die flotten und eingängigen Strauß-Melodien waren bei dem mitreißend musizierenden Orchester in besten Händen. Beim Florentiner Marsch von Julius Fucik ging so manchem Liebhaber zackiger Blechbläserfanfaren das Herz auf. Und mit den vielfältigen Facetten südländischer Lebensart machte die Suite „Scènes Napolitaines“ von Jules Massenet vertraut – ein imposantes Klanggemälde mit Glockenschlägen und explosivem Trommelwirbel.

Den roten Faden des Programms spann Dirigent Troester mit seiner informativen Moderation, bei der er immer wieder die Bezüge zu Bella Italia herstellte. Dass er allerdings aus der legendären Trappatoni-Wutrede („Ich habe fertig“) zitierte, wollte nicht so recht in den Rahmen passen. Dann schon eher der kalauernde Song „Der Beppino trinkt gern Vino“ aus der Operette „Lady Hamilton“ von Eduard Künneke, den die beiden Gesangssolisten zum Besten gaben: die deutsch-italienische Sopranistin Karola Pavone und der österreichische Tenor Roman Payer, einst Mitglied der Wiener Sängerknaben.

Edelschnulzen gefällig?

Edelschnulzen gefällig? Gerhard Winkler war ein wahrer Meister dieses Genres. Von ihm erklangen die Capri-Fischer und das Trinklust versprühende Chianti-Lied. Beim innigen Duett „Niemand liebt dich so wie ich“ aus „Paganini“ von Franz Léhar hätte ein wenig mehr Tuchfühlung beim Solistenpaar nicht geschadet. Nachdem die Philharmoniker beim Intermezzo aus „Cavalleria Rusticana“ von Pietro Mascagni für besinnliche Momente gesorgt und beim Giuditta-Walzer von Léhar den Dreivierteltakt kultiviert hatten, war die Rückkehr zum Geburtstagskind Johann Strauß unvermeidlich.

Seine viel gespielte Tritsch-Tratsch-Polka war die musikalische Reaktion auf die Wiener Boulevardjournaille, die unverblümt über Affären des lebensfrohen Komponisten berichtete. Sein großer Konzertwalzer „Rosen aus dem Süden“, bei dem das Ludwigshafener Tanzpaar Kim und Christian Weber mit Schwung und Eleganz übers Parkett wirbelte, setzte den fulminanten Schlusspunkt der offiziellen Programmfolge. Obendrauf gab's noch zwei Zugaben: das Duett „Behüt' dich Gott, komm gut nach Haus“ aus „Gräfin Mariza“ von Emmerich Kálmán und den obligatorischen Radetzkymarsch mit kollektiver Klatscheinlage. Die Freude über ein wunderbares Konzert stand den Besuchern ins Gesicht geschrieben. So darf es 2025 ruhig weitergehen.

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