Vorderpfalz
Sicherheit in Freibädern: Wie sich die Betreiber wappnen
Die Situation eskaliert aus dem Nichts heraus: An einer Wasserrutsche im Freibad im Berliner Bezirk Neukölln hat es Jugendlichen in der Warteschlange vor einem Jahr offenbar zu lange gedauert. Verbale Entgleisungen führen zu Rangeleien, schließlich randalieren und prügeln sich laut Polizei bis zu 50 Jugendliche. Die Badeaufsicht kann die Menge nicht bändigen, muss um ihre eigene Sicherheit fürchten. Sie weiß sich schließlich nicht mehr anders zu helfen, als das komplette Bad räumen zu lassen. Die Aggressivität einiger weniger vereitelt an diesem Sommertag die Badefreuden vieler unbescholtener Besucher.
Die Szene im Berliner Problembezirk bildet nicht den Alltag in Freibädern ab, erst recht nicht in der Vorderpfalz. Aber sie bilden Blaupausen, auf die Betreiber vorbereitet sein müssen und wollen. Bei der Planung des mitunter knapp kalkulierten und überlasteten Personals stellt sich ihnen auch die Frage, ob zusätzliches Sicherheitspersonal geordert werden sollte. Kaiserslautern hatte nach unangenehmen Erfahrungen mit Unruhestiftern voriges Jahr angekündigt, Wachleute einzusetzen und Mittel im Haushalt einstellen zu wollen. Wegen eines Sanierungsstaus ist das Freibad Waschmühle für diese Saison noch nicht in Betrieb genommen worden.
Familiäre Atmosphäre
Wie fällt die Abwägung der Gefährdung in der Vorderpfalz aus? In Speyer wird in dieser Sommersaison nicht zum ersten Mal ein Security-Unternehmen als Assistenz im Bademaxx beauftragt. Kritische Situationen ergäben sich gehäuft bei heißen Temperaturen, Wartezeiten an den Kassen und in vollen Schwimmbecken. Sie entlüden sich vereinzelt in Kraftausdrücken, selten in Bedrohungen, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Vereinzelt würden Verweise ausgesprochen, die in der Regel aber kein längeres Eintrittsverbot zur Folge hätten. Die Polizei müsse selten hinzugezogen werden. Ventile könnten geöffnet werden, indem etwa eine zweite Kasse geöffnet oder Unterstützung am Kassenautomaten angeboten werde.
„Das Personal wird bereits seit einigen Jahren von externen Kräften unterstützt“, so die Sprecherin. Je nach erwarteter Besucherzahl könnten bis zu drei externe Sicherheitskräfte abgerufen werden. Außerhalb von Spitzenzeiten, die an heißen Wochenenden oder in den Ferien verzeichnet werden, komme das Personal auch ohne Unterstützung aus. Die Stadtwerke als Badbetreiber hat dieses Vorsorgekonzept im vergangenen Jahr rund 24.000 Euro gekostet. „Der Einsatz hat sich bewährt und kommt gut an, auch weil Badegäste gegebenenfalls zusätzliche Ansprechpartner haben.“
Das eigene Bademaxx-Personal – Schwimmmeister, Kassenpersonal und Reinigungskräfte – werde immer wieder mal mit Deeskalationstrainings geschult. Für den Badebetrieb in Hallenbad, Freibad und Sauna beschäftigen die Stadtwerke 22 Voll- und Teilzeitkräfte. „Im Bademaxx herrscht an normalen Besuchstagen eine familiäre Atmosphäre mit wiederkehrenden Gästen aus Speyer und der Region“, bilanzierte die Sprecherin. Von Januar bis April zählte es knapp 109.000 Gäste – so viele wie noch in keinem Vergleichszeitraum seit Eröffnung des Kombibads 2007. Im Schnitt gehen im Jahr 300.000 im Hallen- oder Freibad schwimmen, 50.000 besuchen die Sauna.
Umgangston rauer
Ähnlich flexibel wie Speyer handhabt Ludwigshafen den Einsatz eines privaten Sicherheitsdienstes. Er wird witterungsbedingt und gemäß dem zu erwartenden Besucheraufkommen im Willersinn-Freibad geordert. In der Saison 2023 wurden dafür 9500 Euro bezahlt. Deeskalationsschulungen erhält auch das dortige Personal, das im Wesentlichen ausreiche, um die Frequenz zu bewältigen. An besucherstarken Tagen könne auf Saisonkräfte zurückgegriffen werden, erklärte eine Sprecherin aus dem zuständigen Bäderbereich der Stadtverwaltung. 2023 zählte das Willersinn-Freibad rund 85.000 Gäste, die aktuelle Saison sei witterungsbedingt „sehr bescheiden“ angelaufen.
Renitente Badegäste, die sich nicht an die Hausordnung hielten, konnten auf dem Freibadgelände zwischen Friesenheim und Oggersheim bisher von Personal oder Security-Kräften unter Kontrolle gehalten werden. Polizeibeamte hätten allenfalls punktuell hinzugerufen werden müssen, um Personalien, nicht jedoch Anzeigen aufzunehmen. „Wir stellen aber fest, dass der Ton gegenüber unserem Aufsichtspersonal rauer wird, wenn es auf Verstöße gegen die Haus- und Badeordnung hinweist. Provokationen und Beleidigungen haben zugenommen“, meldete die Sprecherin. Diese träfen auch die Kassiererinnen, die mehr in Diskussionen verwickelt würden und teilweise verbalen Aggressionen ausgesetzt seien.
Eine Folge: zum Teil mehrwöchige Hausverbote, vor allem für Provokateure, die andere Badegäste belästigten oder gar gefährdeten. Zu Schlägereien sei ein solches Verhalten noch nicht ausgeartet, „Drohungen, körperliche Gewalt anzuwenden, werden aber hin und wieder ausgesprochen“.
„Respekt nimmt spürbar ab“
Denselben Betrag wie Ludwigshafen, nämlich 9500 Euro, haben die Stadtwerke Frankenthal voriges Jahr für den Einsatz eines sporadischen Sicherheitsdienstes im Strandbad ausgegeben. Ein wesentlicher Kostenfaktor ist in dieser Lokalität das legendäre Strandbadfest, das 2023 allerdings ausgefallen ist. Im Jahr zuvor hatte der Träger rund 15.700 Euro Zusatzkosten für die Sicherung der Unversehrtheit der Badegäste.
Bis zu einer Anzahl von 800 sind fünf erfahrene Mitarbeiter für die Aufsicht eingeplant, darüber mindestens sieben. Voriges Jahr zählte das Strandbad rund 74.000 Badegäste, wie in Ludwigshafen sei die aktuelle Saison schleppend angelaufen. Die nächsten Schulungen zum Umgang mit schwierigen Badegästen ist fürs Spätjahr geplant. 2022 und 2023 wurde ein halbes Dutzend grenzwertiger Vorfälle und Androhungen registriert. „Es zeichnet sich jedoch ein besorgniserregender Trend ab. Der Respekt und die Akzeptanz der Kunden gegenüber den Mitarbeitern nimmt spürbar ab“, erklärte eine Sprecherin.
Die meisten Hausverbote wurden erteilt, weil sich Personen unerlaubt Zutritt verschaffen wollten, indem sie über die Umzäunung kletterten. Die Stadtwerke zeigten diesen Hausfriedensbruch konsequent an, die Staatsanwaltschaft habe alle Verfahren eingestellt. In zehn Fällen erfolgten Hausverbote wegen verbaler Ausraster gegenüber Mitarbeitern. In einigen wurde auch mit Gesten gedroht.
Die Badefreuden in der Vorderpfalz bleiben an den meisten Tagen also ungetrübt. Schlägereien, erst recht von Massen, prägen nicht das Bild auf den Liegewiesen. Aber mit eigenem Personal allein bekommen die Betreiber die Häufung von kontinuierlichen Provokationen und Eskalationen nicht in den Griff. Um die Gemüter in der Hitze der Debatten wieder zu kühlen, geht es heutzutage nicht mehr ohne Securitykräfte.