Frankenthal Selbstbewusstes Damenquartett

Eine Hammerfrau schreckt nicht vor Malerwalzen zurück.
Eine Hammerfrau schreckt nicht vor Malerwalzen zurück.

Eine turbulente Ladies Night in kitschig-buntem Baumarktambiente ist das Musical „Hammerfrauen“, das am Dienstagabend im fast voll besetzten großen Saal des Congress-Forums Frankenthal die neue Spielzeit eröffnete. Mit reichlich Klamauk und Kalauern hielt das Ensemble des Tournee-Theaters Thespiskarren aus Hannover das Publikum gut zwei Stunden bei Laune.

Das von Craig Simmons flott und ideenreich in Szene gesetzte Stück erhält seine wesentlichen Impulse von einem selbstbewusst auftrumpfenden Damenquartett, das mit der „Obiphobie“ – verstanden als Abneigung gegen Baumärkte wie Obi – gründlich aufräumt und der vom Heimwerkerfieber infizierten Männerwelt zeigt, wo der Hammer hängt. Dabei helfen in erster Linie die beiden prominenten Protagonistinnen Isabel Varell und Caroline Beil mit ihrer Ausstrahlung und professionellen Bühnenpräsenz über so manche dramaturgische Schwachstelle hinweg. Die literarisch wenig anspruchsvolle Story von Robert Löhr ist zwar über weite Strecken recht unterhaltsam, sie bedient allerdings auch häufig die klassischen Gender-Klischees („Frauen genießen Welpenschutz“). Nebenbei wird mit nicht immer originellen und zweideutigen Wortspielen die triviale Baumarkt-Terminologie abgearbeitet. Der Mikrokosmos zwischen Klobrillen, Fliesenkleber und Bohrmaschinen ist nun einmal nicht sonderlich prickelnd und der Übergang von der Komik zur Klamotte oft fließend. Die Ausgangslage: Der passionierte Heimwerker Marc (Christian Miebach) will eine heruntergekommene Mühle in Brandenburg in Eigenregie sanieren. Seine Verlobte Julia (Anastasia Troska) ist von dieser Idee wenig begeistert – und schon gar nicht von dem mit Zement, Sägeblättern und Tapeziermessern prall gefüllten Hochzeitstisch im Baumarkt. Obendrauf kommt noch die Anmeldung zum Abendkurs „Fliesenlegen für Frauen“. Zum Glück fließt bei dieser vom männlichen Fachpersonal (Dirk Hinzberg und Marco Billep) mit viel Geduld betreuten Fortbildungsveranstaltung reichlich Rotkäppchen-Sekt, sodass bei den angeschickerten Hammerfrauen ausgelassene Partystimmung aufkommt und die üblichen Beziehungskisten zutage treten. Da bricht sich auch der lange aufgestaute Frust über den Do-it-yourself-Wahnsinn Bahn. Die Lieder aus der Feder von Michael Frowin und von Komponist Benedikt Eichhorn sind nicht unbedingt eine Offenbarung. Eine Kostprobe aus der finalen Nummer: „Eine Frau muss tun, was eine Frau tun muss. Das ist zwar banal, doch wir brauchen einen Schluss.“ Die recht biederen Tanzeinlagen, die von Betty Dir choreografiert wurden, ließen noch viel Luft nach oben. Und dass die durchaus facettenreiche und eingängige Musik aus der Konserve kam, war nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal der Aufführung. Ihre stärksten Momente hatte die Inszenierung nach der Pause, als das Weiberquartett so richtig die Schau abzog und sich nicht nur seelisch entblätterte. In einem Anflug von Sentimentalität wurden die Hammerfrauen plötzlich zu Trümmerfrauen. Isabel Varell entledigte sich ihrer karierten Bluse und trauerte in einem zu Herzen gehenden Song ihrem verstorbenen Mann nach. Und Caroline Beil mutierte von der frustrierten Ehefrau Cornelia zum lasziven Vamp mit Löwenmähne. Mit aufreizend-verführerischen Tugenden ausgestattet gab auch Eva Löser eine gute Figur ab. Die starken Beifallsbekundungen ließen nur einen Schluss zu: Dem amüsierten Publikum haben die „Hammerfrauen“ gefallen.

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