Coronavirus
Schulen in Frankenthal und dem Umland sind auf die Schließungen gut vorbereitet
Eine Überraschung ist die Nachricht, die am Freitag gegen 14.30 Uhr öffentlich wird, nicht. Nachdem am Donnerstagabend bereits die Schließungen aller Schulen und Kitas in Berlin, Bayern und dem Saarland bekannt wurde, zieht am Freitag auch Rheinland-Pfalz nach. Um 16.30 Uhr tagen unter anderem Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), um über Details der Schließungen zu beraten. Da sind die Schüler schon längst zu Hause. Doch die Lehrer haben vorgesorgt.
Arbeitshefte für Deutsch und Mathe mitgenommen
Gut vorbereitet hat sich die Friedrich-Ebert-Grundschule am Jakobsplatz in Frankenthal. Bereits am Donnerstag habe das Kollegium die Eltern aller 354 Schüler angerufen, berichtet Schulleiterin Marion Duda. Die Eltern seien darüber informiert worden, dass im Falle einer Schulschließung, wie sie das Land nun angeordnet hat, Übungsmaterialien für alle vier Klassenstufen auf die Homepage gestellt werden. Da Duda und Konrektor André Staudinger von zu Hause aus Zugang zum Server haben, könne bei Bedarf bei einer längeren Schließung weiteres Material zur Verfügung gestellt werden. Alle Schüler sollten bereits über das Wochenende ihre Bücher und Arbeitshefte für die Fächer Deutsch und Mathematik mit nach Hause nehmen. Über die Internetseite der Schule sollen auch in den nächsten Tagen und Wochen alle wichtigen Informationen veröffentlicht werden. Schon jetzt sei klar, dass die Fahrten ins Schullandheim Hertlingshausen ausfallen. Unter den Eltern gebe es viel Verständnis für die Entscheidung der Landesregierung, die Schulen zu schließen. Auch mit den Kindern habe man ruhig die aktuelle Lage besprochen. „Wir haben ein super Team, das ohne Hysterie alles vorbereitet hat, was nötig ist“, sagt Duda. In Notfällen, etwa wenn Eltern als Ärzte und Pfleger arbeiten, gebe es am Montag von 9 bis 13 Uhr eine Betreuung.
Mündliche Abiturprüfung wie geplant
Drängendste Frage für die beiden Gymnasien in Frankenthal mit zusammen 2500 Schülern und 200 Lehrern war, ob die mündlichen Abiturprüfungen wie geplant stattfinden können. Hier gab es im Laufe des Freitags zunächst unterschiedliche Informationen von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) und vom Landesbildungsministerium. Gegen 19 Uhr kam dann aus beiden Schulen die Nachricht: Die Prüfungen finden kommende Woche wie vorgesehen statt. Im Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) werden am Montag und Dienstag 120 Schüler ins mündliche Examen gehen. Am Karolinen-Gymnasium (KG) sind die Prüfungen für die 86 Abiturienten von Mittwoch bis Freitag. Beide Schulen bedauern, dass alle Abi-Feierlichkeiten ausfallen müssen. „Da fehlt der würdevolle Abschluss der Schullaufbahn völlig“, sagt AEG-Rektorin Sabine Schanz.
Ebenso wie ihr KG-Kollege Christian Bayer ist sie seit Tagen mit den möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie beschäftigt. In einem Merkblatt hat Bayer nach eigener Aussage sein Kollegium über die Organisation des Lernens im Falle einer Schulschließung informiert. Klassenleiter sollen per E-Mail in Kontakt mit Eltern sein und so auch Materialien zum Lernen und Üben weiterleiten. „Das wird natürlich nicht so funktionieren wie normaler Unterricht“, weiß der KG-Rektor. Auch Schanz sieht gerade die Gymnasien vor massiven Schwierigkeiten. „Unsere Schüler können ja nicht vier Wochen lang Vokabeln lernen.“ In manchen Fächern brauche es zwingend Lehrer zur Vermittlung des Stoffs. Zu klären sei nun, welche Arbeitsmaterialien per E-Mail oder zum Abholen bereitgestellt werden. Eine digitale Infrastruktur, um Unterricht auf diesem Wege zu halten, fehlt in Frankenthal wie in den meisten deutschen Schulen. „Wir sind mit dem Digitalpakt erst ganz am Anfang.“ Beide Gymnasien wollen Schüler und Eltern über die Homepage auf dem Laufenden halten. Dort hieß es aus dem KG am Freitag, man gehe davon aus, eine Notbetreuung anbieten zu können. Kinder sollten jedoch, wenn möglich, nicht zur Schule kommen. Im AEG wird erst nach dem Abitur ab Mittwoch eine Notbetreuung eingerichtet.
Unterrichtsmaterial kommt über digitalen Weg
Etwas von den aktuellen Ereignissen überrollt worden ist die Berufsbildende Schule Andreas Albert in Frankenthal. Ursprünglich sollte laut Konrektor Christian Riedemann am Dienstag, 17. März, eine Krisensitzung stattfinden. Diese wurde kurzfristig auf Freitagmittag verlegt. Die rund 500 Berufsschüler der Albert-Schule werden laut Riedemann in den nächsten Wochen in ihre Ausbildungsbetriebe gehen. Die übrigen 600 Schüler wolle man möglichst über digitale Medien, etwa über E-Mail-Verteiler oder die Lernplattform Moodle, mit Unterrichtsmaterial versorgen. „Das wird mal mehr, mal weniger gut funktionieren“, vermutet Riedemann mit Blick auf das breite Angebot der Schule vom Berufsvorbereitungsjahr bis zur höheren Berufsfachschule. „Wir sind gerade erst auf dem Weg zur digitalen Schule“, bekennt der Konrektor. Das sei in der aktuellen Situation ein Problem.
Auch die Lehrer der Karl-Wendel-Grundschule in Lambsheim werden sich am Montag zu einer Krisensitzung treffen, und auch sie werden besprechen, wie sie den Kontakt zu den Schülern und Eltern halten können. Eine Liste mit aktuellen E-Mail-Adressen hat das Kollegium schon, und über eine spezielle Lern-App wurde Material bereitgestellt. „Die Kollegen haben vor ein paar Tagen schon Übungspäckchen gerichtet und ihren Schülern einen Zugang zur digitalen Lernplattform gegeben, auf der sie ausgewählte Übungen bearbeiten können“, teilt Rektor Peter Bisson mit. Die stammen vor allem aus den Fächern Deutsch und Mathematik. Ganz abdecken werde man den doch recht langen Zeitraum von vier Wochen jedoch nicht. „Wir hatten eigentlich gehofft, nächste Woche noch Unterricht machen zu können mit den rund 240 Schülern“, so Bisson. Die Aufgabenblätter reichten nur für ein paar Tage. Per E-Mail soll noch mehr Material nachgereicht werden, vor allem Lektüren für die dritten und vierten Klassen. Abwälzen auf die Eltern wolle man den Unterricht jedoch nicht. „Sie sollen keine Hilfslehrer sein. Es geht darum, dass die Kinder den Stoff festigen“, sagt Bisson.
Eltern müssen nicht den Unterricht übernehmen
Aufgabenblätter und Arbeitsanweisungen haben am Freitag auch die rund 370 Schüler der Realschule plus in Bobenheim-Roxheim von ihren Lehrern bekommen. Wie Schulleiterin Sabine Reich mitteilt, hätten die Lehrer schon vor zwei Tagen Materialien zusammengestellt. „Es war ja abzusehen, dass die Schließung kommt“, sagt sie. Je nach Schulfach und Klasse hätten die Schüler am Freitag Aufgabenhefte, Arbeitsblätter und Bücher nach Schulschluss mitgenommen. „Die Kollegen haben kreative Zusatzaufgaben gestellt, die den Unterricht nicht ersetzen sollen, sondern das Gelernte vertiefen“, erklärte Reich. „Aber auch das hat seine Grenzen.“ In einer Dienstbesprechung am Montag wolle sie mit den Kollegen besprechen, inwieweit man per E-Mail Rückmeldung an die Schüler geben oder ihnen weiteres Material für die vier Wochen „Freiarbeitszeit“ zukommen lassen könne. Bezüglich der Notbetreuung, die sie und ihre Kollegen ab Montag für Kinder von berufstätigen Eltern, die keine andere Betreuung finden, übernehmen werden, hofft Reich auf Vorschläge vom Land. „Ich stelle mir das nicht einfach vor, wenn da plötzlich 30, 40 Schüler antreten.“