Ebert-Grundschule Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Schulelternbeirat: Nur jedes zweite Kind bis März im Homeschooling dabei

„Warum schließt die Schule?“: Deniz Kartal, Vorsitzende des Schulelternbeirats der Friedrich-Ebert-Grundschule, bekommt in der C
»Warum schließt die Schule?«: Deniz Kartal, Vorsitzende des Schulelternbeirats der Friedrich-Ebert-Grundschule, bekommt in der Corona-Krise auch am Wochenende häufig von Familien solche Fragen gestellt.

Kinder, die in ihrer Bildung abgehängt werden – diese Angst bewegt derzeit viele Eltern. Die Elternsprecherin der Friedrich-Ebert-Grundschule will Mut machen und erzählt von einer kleinen Erfolgsgeschichte.

Deniz Kartal holte gerade ihre Tochter aus der ersten Klasse ab, als sie eine Mutter traf, die mit der Betreuung ihrer drei Kinder überfordert war: Neben einem Kleinkind hat die Frau mit türkischen Wurzeln ein Kindergartenkind, das daheim ist, weil die Kita aktuell nur den Nachwuchs berufstätiger Familien betreut. Ihre Zweitklässlerin konnte die Hausfrau daher bei den Hausaufgaben nur wenig unterstützen, das Mädchen kam in der Schule nicht mehr mit. „Die Klassenlehrerin hat das bemerkt und das Mädchen in die Betreuung aufgenommen“, berichtet Kartal, die seit 2015 den Schulelternbeirat (SEB) leitet. Das habe der betroffenen Mutter sehr gut getan. „Sie kann schließlich nicht 24 Stunden täglich präsent sein und für alle Kinder gleichzeitig da sein.“

Diese Geschichte ist für Kartal die Bestätigung ihrer Erfahrung, dass die Schule am Jakobsplatz mit den erschwerten Bedingungen unter Corona weitgehend klarkommt. „Unsere Schule versucht immer, eine Lücke zu finden, um den Lehrplan durchzuziehen“, ist sie überzeugt. Im Wechselunterricht gelingt das besser als, wie aktuell wieder, im Fernunterricht. „Für den Unterricht per Internet hat nicht jeder Haushalt ein Tablet.“ Nur die Hälfte der Kinder habe daher beim Homeschooling mitmachen können, so ihr Fazit Mitte März.

Die meisten wünschen sich normalen Unterricht

Die Einteilung des Wechselunterrichts hat die Schulleitung mit dem SEB abgesprochen: Die Klassen wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Während eine Gruppe jeweils am Montag, Mittwoch und Freitag die Schule besucht, erhält die zweite Gruppe dienstags und donnerstags vierstündigen Präsenzunterricht. In der darauffolgenden Woche tauschen die Gruppen die Tage. Dieses Modell hält Kartal für praktikabler, als täglichen Unterricht für zwei Stunden. „Viele Mütter arbeiten vormittags und können ihre Zeit so besser organisieren.“

Die Eltern würden das Modell begrüßen, wobei sich 90 Prozent ganz normale Unterrichtszeiten zurückwünschen. Auch, weil die Schule eine Schwerpunktschule mit Förderschülern ist, wäre ein Regelbetrieb die beste Lösung. Besonders die Sechsjährigen würden beim Unterricht von zu Hause aus am PC bereits nach zehn Minuten die Konzentration verlieren.

Eltern befürchten, dass die vierten Klassen derzeit auf den Wechsel zur weiterführenden Schule nicht gut genug vorbereitet werden. Diese Erfahrung hat Kartal selbst gemacht: Ihre ältere Tochter besucht aktuell die fünfte Klasse am Albert-Einstein-Gymnasium. „Da wurde von Anfang an Vollgas gegeben, meine Tochter ist seitdem nur noch am Lernen.“

Corona macht Ehrenamt anstrengend

Ihr Ehrenamt an der Grundschule bezeichnet Kartal seit der Pandemie als anstrengend. „Auch am Wochenende und nachts werde ich angeschrieben.“ Warum die Schule schließt , weshalb Quarantäne ist?, fragen Eltern. „Jeder nimmt die wechselnden Vorschriften anders auf.“ Dies sei manchmal sowohl moralisch als auch psychisch Nerven raubend.

Der elfköpfige SEB an der Friedrich-Ebert-Schule ist multikulturell wie die Familien der Schüler – deutsche, russische und türkische Eltern sind in dem Gremium vertreten. Unter der Ägide der Elternvertreter gab es vor Corona ein bewegtes Schulleben: Im März hätte es das traditionelle Grillen mit Stockbrot gegeben, im Sommer das Schulsportfest und im Advent den beliebten Basteltag mit Buffet. Umso mehr freut sich Kartal über kleine Höhepunkte, die den Schülern ein Stück Normalität vermitteln – etwa über den Besuch vom Nikolaus im Dezember.

Förderverein fehlen Einnahmequellen

Nicht nur das gesellige Beisammensein vermisst die 40-jährige SEB-Vorsitzende. „Da die Feste ausfallen, bekommt der Förderverein auch keine Spenden, von denen Spielgeräte für die Kinder angeschafft werden.“ Besonders die Einnahmen des Sommerfestes, bei dem üblicherweise über 1000 Gäste kommen, fehlen nun in der Vereinskasse. Doch es geht nicht nur um Geld. Der Förderverein kann derzeit auch nicht bei Veranstaltungen um neue Mitglieder werben.

Den Wunsch nach einem Schulalltag, wie er bis vor einem Jahr üblich war, teilt Kartal mit allen Eltern der 370 Schüler. Damit der Veranstaltungskalender wieder gefüllt ist und auch endlich wieder die über 20 Arbeitsgemeinschaften stattfinden können, die von Sport über Musik und Technik bis hin zu Kunst die Freizeit der Kinder bereichern.

Serie

Sie sind Sprachrohr der Eltern und zuweilen Prellbock zwischen Lehrern und Familien: Elternvertreter sind gerade in diesen Tagen wichtig. Wir haben an fünf Schulen nachgefragt, was Müttern und Vätern derzeit unter den Nägeln brennt.
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