Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Schulbuchausleihe im Jahr der Corona-Pandemie aufwendiger und teurer

Stapelweise Bücher: So sah es im Sommer in der Mörscher Au in den zurückliegenden Jahren regelmäßig aus.
Stapelweise Bücher: So sah es im Sommer in der Mörscher Au in den zurückliegenden Jahren regelmäßig aus.

2020 ist so ziemlich alles anders als gewohnt. Die Schulbuchausleihe bildet da keine Ausnahme. Um die mehr als 6500 Lehrbücher zu verteilen, hat die Stadt ihr eingespieltes System komplett auf den Kopf gestellt. Und das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld.

Wenigstens eine Sache ist unter Corona-Bedingungen gleich geblieben: Dreh- und Angelpunkt der gesamten Frankenthaler Schulbuch-Logistik ist und bleibt die Mörscher Au. Das Problem bei der ganzen Angelegenheit: Einfach alle an bestimmten Terminen zum Abliefern und Abholen dorthin zu bitten, das wäre mit Blick auf den Infektionsschutz nicht vertretbar gewesen, sagte Beigeordneter Bernd Leidig (SPD) im Schulträgerausschuss. Um beispielsweise Abstands- und Hygieneregeln einhalten und längere Warteschlangen vermeiden zu können, sei die an sich geräumige Mehrzweckhalle im Vorort dann doch zu klein gewesen, verdeutlichte der Schuldezernent.

Umzugsfirma engagiert

Was tun? Das Rezept der Verwaltung lautete Dezentralisierung: Die Bücher wurden vor Ort in den einzelnen Schulen zurückgegeben, verpackt und von einer zu diesem Zweck engagierten Umzugsfirma zurück in die Mörscher Au gebracht. Dort dann wieder Routine: die Rückläufe ins System buchen und unbrauchbare Exemplare aussortieren. An diesem Punkt, räumte Bernd Leidig ein, sei es zu Versäumnissen gekommen, wurden mangelhafte Bücher „nicht ordentlich“ dokumentiert. Nachteile sollen Familien, die diese Bücher jetzt zum Schulstart zugeteilt bekommen haben, in diesen Fällen nicht entstehen, so der Beigeordnete. Es werde großzügig „freigestempelt“, sodass keine Schadenersatzansprüche drohten.

Auch die Verteilung der 6700 Bücher fürs Schuljahr 2020/2021 lief dann wieder dezentral. Mitarbeiter der Stadt sortierten das Material in der Mörscher Au, sodass es dann wiederum in fertigen Paketen für die einzelnen Kinder und Jugendlichen an die Schulen ausgeliefert werden konnte. Das klingt aufwendig und ist es auch: „Wir haben viele zusätzliche Helfer gebraucht, um das bewerkstelligen zu können.“ Profitiert haben die Organisatoren davon, dass Betreuungs- und Mensakräfte für eingespannt werden konnten, weil deren Arbeitsfeld pandemiebedingt brachlag.

Dreifache Stundenanzahl

Bernd Leidig packte das vor dem Ausschuss in griffige Zahlen: Während im vergangenen Jahr 13 Helfer zusammen 929 Stunden mit dem Projekt Schulbuchausleihe beschäftigt waren, mussten im Coronajahr 2020 fast 60 Helfer 2950 Stunden ran. Vor allem der Transport der Bücher von den Schulen nach Mörsch und wieder zurück habe zu Mehrkosten von rund 20.000 Euro geführt, sagte der Beigeordnete. Ob es dann auch mehr Geld vom Land gebe, wollte Verena Baqué (CDU) wissen. Insgesamt habe Frankenthal vom Land 1,2 Millionen Euro für Mehrkosten im Zusammenhang mit Corona bekommen, berichtete Leidig. „Das hat im Großen und Ganzen auch so hingehauen.“

Abgehakt ist das Thema für die Verwaltung auch knapp fünf Wochen nach Beginn des neuen Schuljahrs nicht. Das liegt unter anderem an der großen Zahl derjenigen, die offizielle Fristen – sei es für Rückgabe oder Neubestellung – verpasst haben. Kurz nach den Ferien waren nach Angaben von Monica Umstadt, Chefin des Fachbereichs Schulen, innerhalb weniger Tage 500 E-Mails aufgeschlagen. Umstadt: „Es gibt immer noch offene Fälle.“ Da wird jetzt wohl etwas Geduld gefragt sein, wie Bernd Leidig erläuterte. Die Schulbuchverlage produzierten nur eine gewisse Anzahl an Exemplaren. Wenn die vergriffen seien, werde nachgedruckt. Und das kann dauern.

57 Prozent machen mit

Ungebrochen ist aus Sicht der Verwaltung der Trend der Eltern zur Schulbuchausleihe – unter einer gewissen Einkommensgrenze abgedeckt von der Lernmittelfreiheit, darüber gegen Gebühr. Etwa 57 Prozent aller rund 6900 Frankenthaler Schüler hätten sich in diesem Jahr dafür angemeldet. Bei der Rückgabe kam es nach Darstellung Umstadts zu 1345 Schadenersatzfällen, in denen Bücher schlicht nicht ein weiteres Mal verwendet oder aufbereitet werden konnten. Nach ihren Daten waren das 200 mehr als im Vorjahr. „Das hat uns überrascht, wir hätten mit deutlich mehr gerechnet“, sagte Monica Umstadt. Ihre größte Hoffnung bei der Schulbuchausleihe: „Das wir das Ganze im nächsten Jahr wieder unter normalen Bedingungen durchziehen können.“

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