Vorderpfalz
Schockanrufe: Wie Banken Kunden schützen können
Vermehrt berichtet die Polizei in den zurückliegenden Wochen wieder von solchen Schockanrufen in der Region. Während viele Senioren misstrauisch sind und das Gespräch beenden, erbeuten die Betrüger in einigen Fällen hohe Summen. 29.000 Euro zahlte beispielsweise eine Frankenthalerin Mitte Januar. Die Anrufer hatten ihr eingeredet, eine angebliche Angehörige habe eine Schwangere angefahren und brauche Hilfe. In Ludwigshafen händigte eine 86-Jährige mehrere Zehntausend Euro an Betrüger aus. Die Frau erhielt einen Anruf von einem angeblichen Anwalt. Er sagte, dass es in der Stadt vermehrt zu Raubüberfällen auf Senioren komme und die 86-Jährige deshalb ihr Geld in Sicherheit bringen müsse. Unter Beteiligung von mindestens zwei weiteren Täterinnen, die die Seniorin anriefen, wurde diese überredet, ihre Konten zu plündern.
Bei einem über 80-jährigen Paar aus Speyer gelang den Anrufern das nicht. Nachdem sich ein Mann am Telefon als Sohn der beiden ausgegeben und behauptet hatte, einen Fahrradfahrer überfahren zu haben, wurde das Gespräch an einen vermeintlichen Polizisten weitergeleitet. Um eine Haftstrafe für den Sohn abwenden zu können, verlangte dieser die Zahlung einer Kaution von 35.000 Euro. Der Betrugsversuch scheiterte zum Glück.
„Massiver Druck“
Mit solchen und ähnlichen Geschichten schaffen es Kriminelle immer wieder, die verängstigten Gesprächspartner zur Übergabe teils hoher Summen zu bewegen. Ist kein Bargeld im Haus, werden die Opfer aufgefordert, Ersparnisse von ihrem Bankkonto abzuheben. Wie stellen sich die Geldinstitute in der Region auf diese Entwicklung ein und mit welchen Vorsichtsmaßnahmen können sie ihre Kunden unterstützen?
Er habe anfangs nicht nachvollziehen können, wie Menschen auf die Horrorgeschichten reinfallen, räumt Thomas Mansmann ein. Bei der Sparkasse Rhein-Haardt, die in Frankenthal sechs Filialen hat, ist er für Qualitätsmanagement zuständig. Inzwischen wisse er, welchen massiven psychologischen Druck die Täter ausüben. „Da kann es passieren, dass die Betroffenen die Warnung unserer Mitarbeiter schlicht nicht glauben“, weiß Mansmann. Er erinnert sich an zwei Fälle in Neustadt und Grünstadt, in denen Bankangestellte am Schalter das Gespräch mit älteren Kunden gesucht hätten, nachdem diese eine hohe Summe Bargeld abheben wollten – und so den Betrug verhinderten.
Begrenzt Bargeld vorrätig
„Wir sind nah an den Kunden dran“, das sieht Mansmann als die beste Möglichkeit, Betrugsopfer zu schützen. Die Mitarbeiter seien sensibilisiert, größere Beträge müssten vorab angemeldet werden, weil in den Filialen nur begrenzte Summen vorrätig sind. Auch am Geldautomaten gibt es ein Limit für Einzelabhebungen. „Die Betrüger wollen schnell viel Geld“, erklärt Mansmann, warum die Automaten für diesen Zweck selten genutzt werden.
Auch die Sparkasse Vorderpfalz, die in Bobenheim-Roxheim und Lambsheim Geschäftsstellen hat, schult ihre Mitarbeiter nach eigenen Angaben regelmäßig und informiert über aktuelle Fälle dieser Betrugsmaschen. Die Ansprechpartner für die Kunden fragten bei größeren Abhebungen durchaus nach, wofür ein ungewöhnlich hoher Betrag verwendet werden soll. Durch die Aufmerksamkeit und das beherzte Eingreifen der Mitarbeiter seien „bereits zahlreiche Fälle erfolgreich verhindert und damit finanzielle Schäden von unseren Kunden abgewendet worden“, heißt es.
Ungewöhnliche Umsätze erkennen
Ein Vorteil der Filialen sei, dass Kunden oft über viele Jahre hinweg bekannt seien. Auf die Spur eines möglichen betrügerischen Hintergrunds könne auch ein ungewöhnliches Umsatzverhalten hindeuten, das über eine digitale Registrierung („Monitoringsystem“) erkannt werde, nennt der Banksprecher eine technische Möglichkeit. Mit diesem Hinweis des Systems könne beim Kunden gezielt nachgefragt werden.
„Angriffe und Missbrauchsfälle nehmen zu, das merkt man“, berichtet Andreas Schünhof, Sprecher der Vereinigten VR Bank Kur- und Rheinpfalz mit Sitz in Speyer und Geschäftsgebiet bis ins Leiningerland, zu dem auch Filialen in Frankenthal und Bobenheim-Roxheim gehören. Vor allem Enkeltrick- und Schockanrufe seien „auf Platz eins der Liste“ mit Fällen, mit denen Bank-Mitarbeiter konfrontiert werden. Um dem zuvorzukommen, gebe es regelmäßig interne Schulungen. Die Arten, wie da Betrug betrieben wird, änderten sich aber immer wieder. „Mit jedem neuen Fall lernt man dazu“, sagt Schünhof.
70 Fälle in Frankenthal
Aus dem hauseigenen Rechenzentrum wisse man, wie die Täter vorgehen. Daraus könne man Frühwarnsysteme ableiten, die dem Personal helfen, schneller zu reagieren. „Ein gesundes Maß an Misstrauen ist ein guter Ratgeber“, sagt Schünhof. Wenn etwa ein Kunde eine Überweisung fürs Ausland tätigen wolle – egal ob persönlich am Bankschalter oder online – werde geprüft, ob die Überweisung ins Schema des Kunden passe.
Einig sind sich aber alle Vertreter der Banken: „Ganz verhindern wird man Betrug nie.“ Allein im Oktober des Vorjahrs registrierte das Polizeipräsidium Rheinpfalz in seinem Zuständigkeitsbereich (Vorder- und Südpfalz) 330 Fälle von Callcenter-Betrug, wie der Oberbegriff für derlei Taten lautet. Schwerpunkte waren Frankenthal mit 70, Ludwigshafen mit 40 und der Rhein-Pfalz-Kreis mit 35 Fällen. 20 Fälle gab es in Speyer. Von einer Welle von Schockanrufen in der Vorderpfalz berichtete die Polizei auch in der dritten Kalenderwoche im Januar.
Noch Fragen?
Informationen über Betrugsmaschen gibt es im Netz unter polizei.rlp.de, bei den Sparkassen und VR Banken. Wer sich unsicher ist, kann jederzeit den Notruf 110 der Polizei wählen oder sich bei der Polizeiinspektion Frankenthal, Telefon 06233 3130 melden.
im Netz unter https://www.sparkasse-rhein-haardt.de/de/home/service/sicherheit-im-internet.html
und www.vrbank.de/banking-service/sicherheit/phishing-warnungen.html