Frankenthal Scherben aus der Jungsteinzeit

Mit dem Bagger untersuchten die Archäologen ein etwa drei Quadratkilometer großes Gelände Am Römig stichprobenartig – und stieße
Mit dem Bagger untersuchten die Archäologen ein etwa drei Quadratkilometer großes Gelände Am Römig stichprobenartig – und stießen auf etliche Fundstücke aus der Frühgeschichte.

„Wir wussten bislang nicht, dass am Römig über so große Flächen Siedlungsbefunde sind“, sagt David Hissnauer auf Nachfrage. Er ist der für Frankenthal zuständige Gebietsreferent der Landesarchäologie in Speyer. Etwa 30.000 Quadratmeter sei die Fläche groß, auf der man bereits 2017 bei ersten geomagnetischen Untersuchungen und noch ohne Eingriff in den Boden „Anomalien“ entdeckt habe. „Das haben wir auch nicht jeden Tag“, sagt der erfahrene Altertumswissenschaftler. Der nächste Schritt sei eine Sondage des Bodens gewesen. Dabei werden mit Hilfe eines Baggers Schnitte in die Bodenschichten gezogen. Etwa 20 waren es am Römig. „Wir haben dabei schnell eine starke Betroffenheit von archäologischen Funden gesehen“, sagt Hissnauer. Auftrag der Landesarchäologie ist es allerdings nicht, die Funde auch tatsächlich auszugraben. Vielmehr gehe es um deren Schutz im Boden, betont der Fachmann. „Archäologische Funde sind im Boden am besten geschützt. Sobald man ausgräbt, beginnt der Verfall.“ Deshalb sei er froh, dass ein Großteil des Geländes, auf dem eine Logistikhalle des Chemiekonzerns BASF entstehen soll, mit Erdaufbau auf ein höheres Niveau angepasst werden musste. Übriggeblieben sei eine Gra-bungsfläche von immerhin noch rund 2000 Quadratmetern. Bei den Arbeiten, die von Juli bis Dezember dauerten, habe man Scherben, Tierknochen und Geräte aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit gefunden. Die jungsteinzeitlichen Objekte werden laut Hissnauer der Linearbandkeramischen Kultur zugeordnet. Der wissenschaftliche Begriff leitet sich ab von den charakteristischen Verzierungen an Gefäßen. Alle Befunde habe man mit Fotos und Plänen dokumentiert und nach Speyer in ein Depot gebracht. Dort warten sie auf ihre wissenschaftliche Auswertung. Weil es sich um interessante Siedlungsfunde handle, ist Hissnauer zuversichtlich, dass sich beispielsweise eine Universität des Materials annimmt. Keine Überraschung für die Archäologen gab es indes bei Sondagegrabungen an der Adamslust. „Die Fundstelle dort ist bekannt.“ Es habe sich bestätigt, dass dort eine kleinere Zahl von Objekten aus der römischen Epoche liegt. Aktiv werden müsse man allerdings erst, bevor die Bebauung des Geländes startet. Hissnauer geht dann von einer einmonatigen Grabungszeit aus. Einen Termin gebe es noch nicht. Auch hier gelte: „Wir graben nur da aus, wo durch die Baumaßnahme ein Bodeneingriff notwendig ist.“ Beim Abriss der alten Turnhalle des Karolinen-Gymnasiums stießen die Altertumsforscher im September unter dem Betonfundament auf Überreste eines alten Friedhofs (wir berichteten). Eine zeitliche Einordnung und eine Erklärung zur Herkunft der Knochen kann David Hissnauer noch nicht geben. Grundsätzlich sei das Areal um die beiden Gymnasien von historischer Bedeutung. Neben der mittelalterlichen Klosteranlage Klein-Frankenthal und einem Kapuzinerkloster aus dem Ende des 17. Jahrhunderts, befanden sich dort in der Neuzeit ein Hospiz sowie die „Armen- und Irrenanstalt“ der Stadt Frankenthal. Da in der Neuzeit auf Grabbeigaben verzichtet wurde, fällt eine wichtige Hilfe bei der Altersbestimmung der Knochen weg. Außerdem sei man in den 1950er-Jahren, als die Schulen gebaut wurden, mit Bodendenkmälern „völlig anders“ umgegangen. Deshalb sei der Untergrund stark durchwühlt, was die zeitliche Bestimmung der Funde deutlich erschwert. „Wir haben an einer Stelle beispielsweise zwischen den Knochen eine Colaflasche gefunden“, verdeutlicht Hissnauer. Sicher ist bis heute jedenfalls nur: Es handelt sich um einen Bestattungsplatz. Dass es im vergangenen Jahr in Frankenthal gleich drei größere archäologische Maßnahmen gab, ist Zufall, betont der Gebietsreferent. Von sich aus werde die Landesarchäologie nicht tätig. Sie sei jedoch immer bei Baumaßnahmen eingebunden. Nils erklärt

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