Frankenthal Schauspielerin Yasmina Djaballah: „Für Privatsender zählen Quoten“
Als „Die Klempnerin“ löst Polizeipsychologin Mina Bäumer für die Kripo Essen auf zupackende Art ihre Fälle. Schauspielerin Yasmina Djaballah (47) hat bis zum Abitur am Albert-Einstein-Gymnasium einige Jahre in Frankenthal gelebt. Wir sprachen mit ihr über die RTL-Serie, starke Frauenrollen und Abhängigkeiten.
Mein absoluter Lieblingsregisseur ist Lars von Trier. Ich liebe auch asiatische Filme und Hollywoodklassiker, Filme, in denen es um große Themen geht, um Schuld, Schicksal. Das ist recht weit weg von dem, was Sie beruflich machen. Natürlich ist man als Schauspielerin mal angetreten, weil man ernste, wichtige Dinge der Welt verhandeln wollte. Aber ich liebe auch Komödien. Und meine Arbeit macht mir unheimlich Spaß. Über die Komödie erreicht man die Menschen vielleicht sogar noch besser. Und wenn Lars von Trier doch mal anfragen würde? Ich weiß gar nicht, ob ich Lust hätte, für vier Monate in psychische Abgründe abzutauchen. Das muss für die Schauspieler ein ziemlicher Horrortrip sein. In Ihren Serien waren Sie schon Winzerin, Fabrikarbeiterin und Polizistin. Was war Ihr Wunschberuf als Kind? Eigentlich wusste ich schon, nachdem ich das erste Mal in der Grundschule als Amsel in der „Vogelhochzeit“ auf der Bühne stand: Ich will Schauspielerin werden. Meine Eltern hatten ein Abo fürs Mannheimer Nationaltheater. Das war die Welt, in die ich wollte. Das Spielen, nicht wirklich erwachsen werden zu müssen, fand ich toll. Ansonsten war ich eher eine Außenseiterin und hatte das Gefühl: Ich gehöre hier nicht hin. Was war Ihr erster Eindruck, als Sie das Drehbuch zu „Die Klempnerin“ lasen? Ich musste sehr oft herzhaft lachen und dachte: Wow, tolle, starke Frauenfigur, gute Situationskomik. Die Bücher hatten unheimlich Tempo, waren lebendig. Die Polizeipsychologin Mina Bäumer arbeitet recht unkonventionell. Hat das viel mit dem tatsächlichen Berufsalltag zu tun? Die Drehbücher wurden von einer Psychologin geprüft, auch darauf, ob es realistisch ist, wie wir bestimmte Krankheiten darstellen. Aber natürlich wollen wir eine komödiantische Übersteigerung. Mina Bäumer ist alleinerziehende Mutter von zwei Teenagern. Sie haben selbst zwei Kinder, 15 und 18 Jahre alt. Gehen Sie mit denen ähnlich um? Mein Mann sagt, wenn er „Die Klempnerin“ schaut: Das kennst Du in- und auswendig. Wir sind alle sehr direkt und expressiv mit unseren Gefühlen, da wird nichts unter den Teppich gekehrt. Zuletzt hatten wir uns vor vier Jahren über Ihre Rolle in der SWR-Serie „Pfälzisch im Abgang“ unterhalten. Was ist anders, wenn man für RTL dreht? Beim Drehen gibt es keinen Unterschied zwischen Privatsendern und öffentlich-rechtlichen. Und was die Vermarktung angeht? Ein Privatsender wie RTL muss Geld verdienen, da zählen die Quoten. Bei „Die Klempnerin“ gibt es da wohl noch Luft nach oben. Ein öffentlich-rechtlicher Sender wäre wohl mit rund zehn Prozent Einschaltquote sehr zufriedenen. Aber je höher die Quote ist, umso höher sind die Einnahmen pro Werbeminute. Wie wichtig ist Ihnen selbst die Quote? Davon hängt ab, ob wir eine zweite Staffel machen. Es entscheidet sich demnächst, ob ich ab Ende Mai wieder in Köln drehe. Solange habe ich frei – und kann ja auch keine anderen Angebote annehmen. Können Sie das genießen? Total. Ich langweile mich nicht. Bei der RTL-Serie habe ich vier Monate durchgearbeitet. Das war ein krasses Drehpensum. Was würden Sie sagen, wenn eines Ihrer Kinder Schauspieler werden will? Ganz ehrlich? Es ist ein toller Beruf, das Spielen an sich macht unendlich Freude. Aber es ist immer unsicher, ob man Geld verdient. Man muss robust sein und ein sehr gutes soziales Umfeld haben – und nicht davon abhängig sein, ob man gefragt wird, ob Leute einen toll finden. Seit dem Abitur 1990 wohnen Sie nicht mehr in Frankenthal. Gibt es noch Verbindungen in die Region? Die Mutter einer langjährigen Freundin wohnt noch in Bobenheim-Roxheim. Über die erfahre ich immer alle Neuigkeiten, wer was macht, wer wenn geheiratet und wer sich getrennt hat. | Interview: Sonja Weiher