Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Schauspielerin Genija Rykova kommt als Sängerin nach Worms zurück

Fasziniert von Jazz: Genija Rykova und ihre Bandkollegen.
Fasziniert von Jazz: Genija Rykova und ihre Bandkollegen.

Als Brünhild stand Genija Rykova 2022 auf der Bühne der Nibelungenfestspiele. Jetzt kommt sie wieder nach Worms – als Sängerin. „A Woman’s World“ heißt ihr Programm. Welche Sängerinnen sie begeistern, erzählt die 37-Jährige im Gespräch mit Gereon Hoffmann.

Frau Rykova, Sie kommen als Sängerin nach Worms zurück. Wie begann denn die musikalische Karriere?
Ich bin schon als Kind mit Jazz in Berührung gekommen. Mein Vater hat mir eine Platte von Chet Baker geschenkt. Da wurde ich süchtig nach dieser Musik. Ich habe damals natürlich auch, wie alle anderen in meinem Alter, Britney Spears gehört. Aber Jazz hat mich wirklich irgendwie anders fasziniert. Und so nach und nach habe ich gemerkt, dass alle Jazz-Nummern, die mir besonders gefallen, von Sängerinnen interpretiert wurden. Da kam dann auch der Wunsch, solche Stücke selber zu singen. Das habe ich aber nur privat gemacht.

Wie wurde Ihre Stimme entdeckt?
Eigentlich schon früh. Meine Lehrerin in der Grundschule hat meiner Mutter gesagt, ich sollte unbedingt Gesangsunterricht nehmen, weil ich so eine schöne Stimme hätte. Ich habe aber nur im Chor gesungen, mit anderen zusammen oder für mich allein fiel mir leicht. Aber alleine vor jemandem zu singen, konnte ich einfach nicht. Als ich so 17 war, hat mir meine Mutter zwei Gesangsstunden zum Geburtstag geschenkt und ich habe dann selber noch zwei bezahlt. Mehr konnte ich mir damals nicht leisten. Aber das war leider für die Katz, weil ich mich immer noch nicht getraut habe, vor jemandem zu singen. Erst in der Schauspielschule in München habe ich eine Dozentin getroffen, mit der es irgendwie gepasst hat und die meine Stimme aus mir herauskitzeln konnte.

Und von da an hatten Sie dann auch wirklich Spaß am Singen?
Es ist ja ein wundervolles Gefühl, zu singen – der ganze Körper ist beteiligt, und dann öffnen sich auch das Herz und die Seele. Von da an habe ich dann immer wieder bei verschiedenen Foren der Schauspielschule gesungen und traute mich immer mehr, allein auf der Bühne zu singen.

Und dann waren Sie auch Sängerin. Wie ging es weiter?
Nach einiger Zeit hatte ich den Wunsch, mit anderen Musikern zusammenzuarbeiten und das dann auch mit Zuhörern zu teilen. Es war immer mein größter Traum, eine Band zu haben.

Seit wann gibt es Ihre Combo?
Wir kennen uns seit 2015. Von einer Operettenproduktion am Residenztheater. Da habe ich denen von meiner Idee erzählt. Und natürlich sind Musiker skeptisch, wenn Schauspielerinnen auch noch singen wollen. Aber die hatten einen Trick, um mich zu testen.

Welchen denn?
Sie haben mich auf eine Jamsession mitgenommen und auf die Bühne geschubst. So stand ich dann plötzlich am Mikrofon. Ich bin fast gestorben vor Aufregung. Aber ich habe gesungen. Und als ich dann von der Bühne runter an die Bar gegangen bin, sind die Jungs gekommen und haben gesagt: Okay, dann erzähl mal von deiner Idee. Inzwischen sind wir ein Quartett.

Welche Sängerinnen haben Sie besonders beeindruckt?
Nina Simone habe ich spät entdeckt und bei ihrer Stimme dachte ich erst, da singt ein Mann. Später ist mal was Lustiges passiert: Ich habe mit meinem Vater telefoniert und wollte mit ihm ein Stück teilen, das er unbedingt hören sollte. Und im selben Moment sagte er, dass er auch was für mich habe. Und dann haben wir festgestellt, dass wir beide „Everything must change“ von Nina Simone ausgesucht hatten.

Gibt es weitere Sängerinnen?
Eva Cassidy hatte ich viel früher entdeckt. Mit ungefähr 13 Jahren. Also vor meinem Schauspiel- und Gesangsstudium. Sie hat so eine Engelsstimme und zugleich so eine Power. Dann ist da noch Ella Fitzgerald, das muss man wohl nicht erklären. Sie ist die Queen von allem – Jazz, Soul, Blues …

Und von diesen Frauen inspiriert, haben Sie ein Programm gemacht?
Da ist noch etwas dazu gekommen. Noch während meines Studiums bin ich auf die Gedichte von Mascha Kaléko gestoßen. Diese haben wir für „A Woman’s World“ vertont. Und ich erzähle an diesem Abend auch Biografisches und Anekdotisches zu den Liedern und Persönlichkeiten.

Bei der Vorbereitung auf unser Gespräch habe ich fast nichts von Ihrer Musik finden können, nur ein Stück auf Youtube. Woran liegt das?
Da hat Corona reingehauen. Wir mussten unsere Planungen für die Aufnahmen leider verschieben. Deshalb gibt es vom aktuellen Programm noch keine Aufnahmen, die wir guten Gewissens veröffentlichen können. Aber wir arbeiten daran.

Termin

Das Konzert findet am Mittwoch, 19. Juli, 20 Uhr, im Lincoln Theater am Wormser Obermarkt statt.

Zur Person

Genija Rykova studierte an der Bayerischen Theaterakademie August Everding Schauspiel und Gesang. Sie selbst sagt, es habe lange gedauert, bis sie ihre Stimme als Sängerin „freilassen“ konnte. Sie ist Sängerin und als Genija Rykova & Band unterwegs. Ihre Band besteht aus Jazzpianist Tizian Jost, Saxophonoist Alexander von Hagke und Cellist Eugen Bazijan. Seit 2015 treten sie mit zwei unterschiedlichen Musikprogrammen („Die Klischewetzkis“ und „A Woman’s World“) auf. Als Schauspielerin ist sie einem großen Publikum bekannt aus der Serie „Servus Baby“, welche 2019 mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde.

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