Frankenthal „Schach kann zur Verständigung beitragen“
Frankenthal. Seit 2008 ist der Frankenthaler Bernd Knöppel Präsident des Pfälzischen Schachbundes (PSB). Vor Kurzem ist der Jurist für eine weitere Amtsperiode wiedergewählt worden. Im Interview spricht der 46 Jahre alte passionierte Schachspieler des SK Frankenthal und Beigeordnete (CDU) der Stadt über das Potenzial der Denksportart, die Nachwuchsarbeit in der Pfalz und die Erfolgsaussichten für Frankenthal und Lambsheim.
Leider sehr wenig. Nur zwei bis drei Mannschaftskämpfe pro Saison sind noch zeitlich möglich, aber wenn ich schon spiele, möchte ich mich auch ganz darauf konzentrieren können. Die Arbeit für das Ehrenamt im Pfälzischen Schachbund erledige ich entweder abends oder am Wochenende. Wie stark ist der Denksport Schach in der Pfalz verankert? Wo sehen Sie als Verbandspräsident noch Nachholbedarf? Wir haben in der Pfalz ungefähr 2000 aktive Spieler in den Vereinen – Tendenz gleichbleibend. Gerade in der Vorderpfalz gibt es ein dichtes Netz von gut organisierten Vereinen, die teilweise hervorragende Jugendarbeit leisten. Dennoch gibt es für uns natürlich noch Bereiche, die ausbaufähig sind. Wichtig sind vor allem die Schach-AGs in den Schulen, wo die Grundlagen für die Nachwuchsarbeit gelegt werden. Die Schulen wollen wir deshalb zukünftig noch mehr unterstützen, indem wir ihnen Schachmaterial zur Verfügung stellen oder ausgebildete Trainer dorthin entsenden, wenn wir von Schulen angesprochen werden und ihnen Trainer anbieten können. Oft wird die Sportart Schach noch belächelt, Franz Beckenbauer sprach einst verächtlich von den „Klötzchenschiebern“ … Die Vorbehalte sind uns wohlbekannt, aber sie laufen ins Leere. Wenn ich mir nur die Mitglieder der ersten Mannschaft des Schachklubs Frankenthal anschaue und sehe, wie sportlich durchtrainiert viele der Spieler sind, kann ich am Sportcharakter nicht zweifeln. Im Spitzenbereich braucht man eben auch die Fitness, um über die fünf oder sechs Stunden, die eine Schachpartie dauern kann, konzentriert zu sein, ganz zu schweigen von mehrtägigen Turnieren. Im Sportbund Pfalz jedenfalls fühlen wir uns sehr gut aufgehoben. Unsere Anliegen werden dort sehr wohl berücksichtigt. Und wir haben mit ihm einen für uns wichtigen Ansprechpartner. Ein anderes, gerne gepflegtes Stereotyp ist das Image von Schach als intellektueller und elitärer Zeitvertreib für Akademiker. Ist da etwas dran? Nein, nicht wirklich. Schach ist ein außerordentlich verbindendes Spiel. In unseren Vereinen sind alle Bevölkerungsgruppen vertreten – vom Arbeiter bis zum Akademiker. Nicht zu vergessen die vielen Spieler mit Migrationshintergrund – Schach ist eben ein international weit verbreiteter Sport, der viel zur Verständigung beitragen kann. In dieser Hinsicht war für mich die Schacholympiade 2008 in Dresden ein Schlüsselerlebnis, als ich vor Ort sah, wie selbst Sportler aus verfeindeten Ländern friedlich gegeneinander spielten. Ein Rätsel für viele ist die ausgesprochen große Zurückhaltung von Frauen in Sachen Schach – kaum fünf Prozent der Vereinsmitglieder sind weiblich. Wieso ist Schach beinahe immer noch reine Männersache? Auch ich habe dafür keine abschließende Erklärung, aber es ist in der Tat so, dass Frauen für Schach auf Dauer wesentlich schwerer zu begeistern sind als Männer. Ein Grund könnte sein, dass in der Sportart Schach Mädchen oder junge Frauen zur Zeit nur wenige Bezugspersonen wie zum Beispiel Trainerinnen vorfinden. Hier besteht sicherlich Handlungsbedarf. Mit dem SK Frankenthal und dem SC Lambsheim gibt es in der Region zwei Vereine, die stark auf die Jugend setzen. Sind beide Klubs also gut gerüstet für die Zukunft? Meiner Meinung nach haben wir mit Frankenthal und Lambsheim zwei sehr gesunde Vereine mit zeitgemäßer Jugendarbeit. Ich sehe gerade an Vereinen in der Westpfalz, wo es eine ungünstige demografische Entwicklung gibt und junge Menschen wegziehen, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. In Lambsheim gibt es sehr viele noch ganz junge ambitionierte Spieler. In Frankenthal hatten wir bereits in den vergangenen Jahren Erfolge im Nachwuchsbereich. Wichtig ist auch, die älteren Jugendlichen gleich mit ins Boot der Ehrenamtlichen im Verein zu nehmen und beispielsweise als Trainer zu gewinnen. Nur so lassen sich Erfolge verstetigen. Ist es nicht schwieriger geworden, Ehrenamtliche zu rekrutieren in Zeiten, in denen immer mehr Flexibilität und Mobilität vom Einzelnen verlangt wird? Ja sicher, das spüren wir auch. Dennoch gelang es uns zumindest im PSB bis heute immer, Ämter zu besetzen. Viele der Funktionäre sind dann über viele Jahre mit dabei, sodass sich mit der Zeit ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt. Außerdem sind alle Gremienmitglieder stets selber auch aktive Schachspieler und damit Fachleute – das ist nicht bei jeder Sportart selbstverständlich!