Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Satirische Prognose: Was die Stadt 2023 beschäftigen wird

Wie wird 2023 für Frankenthal laufen? Abwarten ...
Wie wird 2023 für Frankenthal laufen? Abwarten ...

Januar

Das Beispiel Jesko Piana macht Schule. Nach dem Wechsel des früheren FWG-Fraktionsvorsitzenden zu seinen neuen Kumpels von der CDU überlegen sich verschiedene weitere Stadtratsmitglieder vor der ersten Sitzung des hohen Hauses im neuen Jahr, dass ihnen der Sinn nach kommunalpolitischer Luftveränderung steht. Ein Beispiel von vielen: Thomas Börstler (FDP) verstärkt die Linken-Fraktion und zitiert ab sofort bei jeder Wortmeldung aus dem „Kommunistischen Manifest“.

Februar

Am Rosenmontag erklärt Christian Baldauf, nach seinem Rückzug vom Vorsitz der CDU-Landtagsfraktion als unabhängiger Kandidat fürs Oberbürgermeisteramt antreten zu wollen. Weil eine kurzfristig in Rheinland-Pfalz beschlossene Gesetzesänderung für die im Juni anstehende Direktwahl auch Bewerber jenseits der Altersgrenze von 65 Jahren zulässt, kommt einer ins Spiel, den niemand mehr auf dem Zettel hatte – Theo Wieder plant sein Comeback: „Wenn Frankenthal mich braucht, bin ich da.“

März

Wer zu Besuchen ins Heßheimer Viertel aufbricht, muss sich durch meterhoch gestapelte blaue Müllsäcke voll mit Laub kämpfen. Der Eigen- und Wirtschaftsbetrieb hat ernst gemacht und jene Tüten stehenlassen, die nicht fürs ordnungsgemäße Entsorgen des Blattwerks zertifiziert sind. Aber: Man soll ja nicht nur meckern, sondern auch das Positive sehen. In baumreichen Wohngebieten der Stadt entwickeln sich neue Sportarten – sehr beliebt: Laubsack-Weitwurf.

April

Bis Trends in Frankenthal ankommen, dauert es ein bisschen, aber dann ... Die Bürgerinitiative Ziegelhofweg belässt es nicht mehr bei Protestnoten und Stellungnahmen gegen den geplanten Bau von Wohnhäusern auf der Grünfläche an der Robert-Schuman-Schule. Sie setzt auf zivilen Ungehorsam: Kurz nach Ostern kleben sich einige Mitglieder nach dem Vorbild der Umweltaktivisten der „Letzten Generation“ auf der Wiese fest – aber nur tagsüber und nur bei gutem Wetter.

Mai

Die armen Mörscher wissen seit einem guten Dreivierteljahr nicht, welches Stündlein geschlagen hat. Weil die Glocken der Kirchturmuhr zu laut sind, müssen sie zumindest nachts schweigen. Ortsvorsteher Adolf-José König (SPD) erweist sich mal wieder als Praktiker mit Sinn für pragmatische Lösungen. Zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens patrouilliert nun ein Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts durchs Dorf und signalisiert mit einer Triangel die Zeit.

Juni

In Frankenthal ist Strohhutfest: Wenige Tage vor der Eröffnung startet der Verkauf der allseits beliebten und begehrten Buttons. Deren Design geht dieses Mal auf einen offenen Gestaltungswettbewerb zurück. Die Stadtverwaltung wird von der Flut an Einsendungen buchstäblich überrollt. Die Jury unter dem Vorsitz von OB Martin Hebich entscheidet sich für ein Motiv von zeitloser Schönheit und rätselhafter Vieldeutigkeit: zwei Schorlegläser auf einem Stapel Laubsäcke.

Juli

Dass es bei 25 Kandidaten, die sich am Ende um das Amt des Frankenthaler Oberbürgermeisters balgen, zu einer Stichwahl kommt, ist fast logisch. Am Ende ist es ein Überraschungsbewerber, der das Rennen macht: Grabowsky-Sänger Olli Herrmann holt im zweiten Wahlgang 98,2 Prozent. In der Stunde des Triumphs kündigt er an, das Strohhutfest von vier Tage auf eine Woche auszudehnen – ohne Sperrstunde.

August

Nach so viel Stress: Sommerpause.

September

Damit hat fast niemand mehr gerechnet: Die Verwaltung legt dem Stadtrat einen mehrheitsfähigen Bebauungsplanentwurf für das Eppsteiner Gebiet „Bornfeld III“ vor. Der in zähen Verhandlungen gefundene Kompromiss: Auf der dorfintern schon als „Zornfeld“ verballhornten Fläche soll statt zuerst 143 und dann 35 Wohneinheiten nur noch ein Haus plus Hundehütte erlaubt sein. Noch-OB Martin Hebich (CDU) versöhnlich: „Besser als nix.“

Oktober

Letzter Bürgerempfang für den scheidenden Oberbürgermeister, der mit dem nahen Ende seiner Amtszeit vor Augen ein ungeahntes Maß an Lockerheit erreicht. Zum Abschluss seiner Rede liest er allen die Leviten: den Ratsfraktionen (inklusive seiner eigenen), den Kollegen im Stadtvorstand und der RHEINPFALZ. Zum Abschluss intoniert er mit der Stadtkapelle „My Way“. Warum nicht gleich so?

November

Bei einer Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses wird bekannt, dass beim Weihnachtsmarkt 2023 zwar keine Ponyreitbahn stehen wird. Dafür haben sich nach Darstellung von Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) aber nur 25 Bratwurstbuden als Beschicker beworben. Er gibt seinen Senf dazu: „Das Angebot ist insofern etwas einseitig. Aber man muss es positiv sehen: Konkurrenz belebt das Geschäft.“

Dezember

Versöhnliches Jahresende: Die Stadtverwaltung hat für die zeitgerechte Bearbeitung von Wünschen aus den kommunalpolitischen Gremien ein sogenanntes Ticketsystem eingeführt. Es schlägt Alarm, wenn’s mal wieder länger dauert. In einem Aktenschrank wird eine 20 Jahre alte Anfrage der Grünen zum Parkraumbewirtschaftungskonzept entdeckt und prompt beantwortet. Seitdem nimmt das Thema richtig Fahrt auf. Jörg Schmihing

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