Frankenthal
Rokko Rubin und die Schlagerjuwelen begeistern Publikum bei „Musik im Garten“
Gekommen waren überwiegend Vertreter der Generation 50plus, für die in den 1970er-Jahren die ZDF-Hitparade mit Moderator Dieter Thomas Heck zur musikalischen Sozialisation gehörte. „Was haben wir euch vermisst“, rief Rokko Rubin von der mit psychedelischen Tapeten und Sonnenblumen bestückten Bühne. Der Bandleader heißt im richtigen Leben Andreas Schmidt und hat eine halbjährige Auftrittspause hinter sich. „Und nun ist die Kühlschrank leer“ säuselte seine Gesangspartnerin Claudia Carboni-Lichtwald alias Claudette Glamour französisierend ins Mikrofon. Die charmanten bis halbseidenen Dialoge und Kabbeleien der beiden Hauptakteure zogen sich als roter Faden durch den Abend.
Im Publikum hatten die Frauen klar die Mehrheit. Eine Mädelsclique hatte es sich auf ihrem abgezirkelten Liegeplatz inmitten von quietschbunten Flamingofiguren, beleuchteten Palmen und Teelichtern gemütlich gemacht. Gemeinsam ein „Festival der Liebe“ feiern und einfach mal Corona vergessen – dieses Bedürfnis bedienten Rokko Rubin und die Schlagerjuwelen drei Stunden lang vortrefflich. Nach „Ein Bett im Kornfeld“ (Jürgen Drews) gab es ein Wiederhören mit den Hits von Udo Jürgens wie „17 Jahr, blondes Haar“, „Ich war noch niemals in New York“ und „Aber bitte mit Sahne“.
Seelischer Ausgleich
Klar, am Schlager scheiden sich die Geister. Dennoch ist der Kultfaktor vieler Titel aus den 60er- und 70er-Jahren hoch. Dem damaligen Zeitgeist entsprungene Songs von Howard Carpendale, Katja Ebstein, Rex Gildo und Michael Holm zelebrierte die achtköpfige Combo mit Inbrunst. Die meisten Bandmitglieder spielen in anderen Projekten Rock oder Pop und begeben sich – vielleicht zum seelischen Ausgleich – als Schlagerjuwelen auf künstlerische Abwege. Hippieklamotten und Schlagernamen dürfen nicht fehlen, wenn Joe Vento (Rolf Günther Wind, Trompete), Sally Sunshine (Simone Kneifeld, Saxofon), Bernie Brillant (Bernd Zimmermann, Schlagzeug), Dee Diamond (Dirk Hoffmann, Keyboard), Wencko Myrrhe (Kai Dreyer, Gitarre) und Stefan Haffner (Bass) als „spanischer Austauschgitarrist“ Costa Ricca die Bühne betreten.
Dass sich hinter den Ohrwürmern oft komplexe Harmonien und handgemachte Arrangements verbergen, war deutlich zu hören. Den Sound von einst brachte die Band mit Witz und Augenzwinkern rüber. Im wallenden Blumenkleid brillierte Claudette Glamour mit ihrer ausgebildeten Stimme bei Songs von Mireille Mathieu, Cornelia Froboess, Vicky Leandros und Marianne Rosenberg. Leadsänger Rokko Rubin interpretierte im türkisfarbenen Rüschenhemd leidenschaftlich Balladen wie „Und es war Sommer“ (Peter Maffay) und „Tränen lügen nicht“ (Michael Holm).
Eine Extraportion Liebe
„Unseren letzten Auftritt hatten wir an Fasching im Gleis 4“, berichtete Rokko Rubin nach dem Konzert und tupfte sich den Schweiß von der Stirn. „Nach der dritten Nummer waren wir wieder so richtig drin.“ Das Genre Schlager werde unterschätzt, befand Rubin und ergänzte: „Es ist viel mehr als Tralala.“ Und das bewiesen seine Schlagerjuwelen auch mit Titeln wie „Am Tag, als Conny Kramer starb“ (Juliane Werding) und „Griechischer Wein“ (Udo Jürgens). Zum Abschluss forderten die Fans noch eine Extraportion Liebe und rosaroten Optimismus, und so klang das Konzert mit „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ (Jürgen Marcus) und „Ti Amo“ (Howard Carpendale) aus.