Frankenthal Richtig romantisch muss es sein

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Die Frau, das unbekannte Wesen: Einen genauen Plan fürs erste Mal hat sie, so richtig romantisch muss es sein. Doch auch beim zehnten Versuch läuft irgendwas schief – zum Unmut ihres frustrierten Freundes. Eine absurde Beziehungskiste hat das Mannheimer TiG7 am Mittwochabend beim Sommerfestival des Theaters Alte Werkstatt „Das erste Mal“ auf die Bühne gebracht: 80 Minuten rasante Unterhaltung für 35 Zuschauer.

Entschuldigung auf Entschuldigung, verlegenes Lachen, andauerndes Reden um den heißen Brei: Langsam und vorsichtig muss die Annäherung geschehen, ein bisschen peinlich, aber nicht zu sehr, sodass die gegenseitige Anziehung doch stets zu spüren ist. In einer Regennacht, nach langer, komplizierter Anfahrt soll er sie besuchen, sie umgarnen, eine Tasse Tee vielleicht, und dann ganz spontan, aber nach genau ausgeklügeltem Plan, soll die Erotik sie beide überwältigen: So hat sich Magda das vorgestellt, und so muss es sein. Denn eine Frau braucht diese bestimmte Stimmung. Wobei das mit der Stimmung so eine Sache ist. Magdas Launen ändern sich im Minutentakt – immer auf der Suche nach dem nächsten Schritt, nach einer anderen und vielleicht besseren Möglichkeit zur schön-romantischen Annäherung. Ihr Freund Carol kann da kaum mithalten, obwohl er sein Bestes gibt. So dreht sich der Dialog stets im Kreis, ein Stillstand des Gesprächs wie der Beziehung mit den immer gleichen Phrasen, mit den immer gleichen Stichwörtern, die wiederholt eingebaut werden, um einen neuen Ansatzpunkt zu schaffen. Ach, die vielen Wohnblocks, wer soll sich da auskennen! Du bist ja ganz nass, willst du hereinkommen? Den Stadtplan müssen Idioten gemalt haben! Das Wetter, dieses schlechte Wetter! Ich war einsam, ich habe geweint, da habe ich dich angerufen … Ja, es muss halt perfekt sein! Doch der Weg zur Vollkommenheit ist mit Fallen gepflastert. Und so geht es wieder von vorne los. Alles auf Null: Carol kommt an, mit dem Blumenstrauß in der linken Hand, wieder muss es regnen, wieder muss er sich über die Stadtpläne ärgern. Das erste Mal wird zum zehnten Mal angebahnt. Der polnische Dramatiker Michal Walczak spießt mit seinem Stück die Be- und Empfindlichkeiten einer hochneurotischen Frau auf, die zwischen Schutzbedürfnis und Aggression, Zärtlichkeit und Beleidigung, Verführung und Ablehnung hin und her schwankt, die sich mal locker die Bluse auszieht, um Carol im nächsten Moment als Blödmann oder gar Scheißkerl zu beschimpfen. Sehr amüsant ist dieses Porträt am Rande des Nervenzusammenbruchs gelungen – und könnte beinahe als frauenfeindlich angesehen werden. Würde nicht der Mittelteil sich dem Manne zuwenden, der sich zwischen Begierde und Panik in groteske Qual hineinsteigert. Denn nach Vollzug wächst Magda ein „grässlicher Riesen-Dickbauch“ – ist das ansteckend? Nein, ein Baby ist da, verschwindet durchs Fenster und flieht in den Park, Nachfragen an Bahnhof und Flughafen bringen nichts. Eine Volte ins komplett Absurde, ein surrealer Alptraum, der die männlichen Beklemmungen und Ängste auf den Punkt bringt: Ich bin doch noch so jung! Das Leben aber schreitet fort, die Beziehung veraltet, die Distanz wächst. Und dieses eine erste Mal wird mehr und mehr verklärt. Das Ganze könnte Illusion sein, eine Fantasie, vielleicht auch real, vielleicht eines der Liebesspiele, die zu nichts führen. Katja Bonath und Christian Lidy gelingt das Kunststück, stets doppeldeutig zu bleiben, im Schauspiel das Spiel anzudeuten, dessen Regeln sich ständig ändern: beeindruckende Darsteller in einem rasanten, klug gebauten, witzig gestalteten Stück, in dem sich das Unausgesprochene der zwischengeschlechtlichen Beziehung zur urkomischen Kakophonie steigert.

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