Frankenthal
RHEINPFALZ-Sommertour: Zu Besuch bei Dürk Reisen
„Für mich ist es mehr als nur Geschäft, sondern auch eine gewisse Ehre“, unterstreicht Firmenchef Bernhard Dürk und spielt damit auf die Übernahme des Linienverkehrs zum 1. Januar 2021 in Frankenthal an. Es sei ein großes Risiko für seine Firma gewesen, allein die Ausschreibung habe ihn 50.000 Euro gekostet, sagt Dürk. Um einen reibungslosen Betriebsstart sicherzustellen, ließ er damals 100 Fahrer in Etappen aus Spanien einfliegen. „Das war eine ganz heftige Nummer.“
Beim qualifizierten Personal kann Dürk, der den Familienbetrieb zusammen mit Ehefrau Maria und Tochter Fabienne führt, wahrlich nicht aus dem Vollen schöpfen. „Der Busführerschein kostet in Deutschland 12.000 Euro, in Österreich sind es nur 4000 Euro.“ Und jedes Jahr fehlten bundesweit 7800 Fahrer, bis 2030 seien es 87.000. Den akuten Mangel bekam er kürzlich zu spüren: Auf einen Schlag seien acht Busfahrer durch Prämienzahlungen abgeworben worden, berichtet Dürk. „Da darf ich die Rekrutierung nicht dem Zufall überlassen.“
Bis zu 60 Reifen auf Lager
Wie hart das Geschäft geworden ist, macht Dürk den Lesern mit dem Hinweis deutlich, dass er und seine Frau von 4 Uhr morgens bis spät in den Abend hinein auf den Beinen seien: „In der Branche weiß man nicht, was der nächste Tag bringt.“ Mit rund 30 Mitarbeitern und ebenso vielen Fahrzeugen muss sich das mittelständische Unternehmen am Markt behaupten. Da war es doch im Jahr 1974, als Vater Benno Dürk die Firma mit einem gebrauchten Bus in Studernheim gründete, noch wesentlich entspannter. Als gelernter Kfz-Mechaniker, der eigentlich nur schrauben wollte, übernahm Bernhard Dürk 1989 den elterlichen Betrieb. „Damals sind wir im Auftrag der Deutschen Bahn mit zehn Bussen Linie gefahren“, erinnert er sich.
In Studernheim – nach wie vor der Hauptsitz des Unternehmens – gab es keine Expansionsflächen, sodass man sich nach einem weiteren Betriebsstandort umsah und im Ludwigshafener Stadtteil Ruchheim fündig wurde. Dort ist nicht nur ausreichend Platz für den Fuhrpark, zu dem auch Premium-Reisebusse zählen, sondern auch für eine Reparaturwerkstatt, wo viele Arbeiten in Eigenleistung nach den Vorgaben des Herstellers erledigt werden. „Ich habe immer alle Ersatzteile da, um unabhängig zu sein“, erklärt der Firmenchef. Bis zu 60 Reifen – Stückpreis 600 Euro – und einen stattlichen Vorrat an Ad-Blue in 1000-Liter-Tanks hält er auf Lager.
Die wissbegierigen und diskussionsfreudigen Sommertour-Teilnehmer machen auf dem weiträumigen Betriebshof in Ruchheim auch Halt an der Waschanlage und erfahren, dass die Busse spätestens alle zwei Tage von den Fahrern außen gereinigt werden müssen. Zwischen fünf und acht Minuten dauert die Prozedur – ohne das Dach. Für die Sauberkeit im Innern ist eine angestellte Reinigungskraft zuständig. Für die Waschanlage stehen in einem unterirdischen Tank 15.000 Kubikmeter Wasser zur Verfügung. Dabei hat sich Dürk für eine ressourcenschonende Variante entschieden. Er verwendet Regenwasser. Und bei der mit einer App zu bedienenden Tankstelle setzt er inzwischen auf digitale Technik.
Für Technik begeistern
Dies gilt auch für die vorgeschriebenen täglichen Kontrollen vor der Abfahrt der Busse. Die Fahrer machen zwischen 4 und 6.30 Uhr bis zu 120 Fotos vom aktuellen Zustand ihrer Gefährte und übermitteln sie mit dem Smartphone an die Einsatzzentrale. Schließlich muss heutzutage alles dokumentiert werden. Sehr viel Zeit verwendet Dürk, um sein hinter dem Steuer sitzendes Personal für die Praxis fit zu machen und auch für die Technik zu begeistern. „Die Fahrer sind ein wichtiges Bindeglied zu unseren Kunden.“ Er räumt ein, dass es bisweilen Beschwerden gebe und bei manchen nur das Geldverdienen im Vordergrund stehe. „Ich erfahre aber auch sehr viel Positives.“
Der Firmenchef, der sich in seinem Berufsverband und bei der Industrie- und Handelskammer auf ehrenamtlicher Ebene auch politisch positioniert, spart in seinem Vortrag die technischen Details nicht aus. So bekommen die Teilnehmer mit, dass die im Linienverkehr eingesetzten Mercedes-Busse mit einem liegenden 220-Kilowatt-Motor und einem 600 Grad Hitze erzeugenden Katalysator ausgestattet sind. Den Treibstoffverbrauch gibt Dürk mit 35 bis 45 Litern pro 100 Kilometer an, die Ersparnis durch die Hybridtechnik mit 8,5 Prozent. „Der größte Spritfresser ist die Klimaanlage“, sagt Dürk.