Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel RHEINPFALZ-Sommertour: Baumexperten der Stadt führen Lesern ihre Arbeit vor

Der Eigen- und Wirtschaftsbetrieb hatte am Freitag alles an technischer Ausrüstung aufgefahren, was bei der Pflege der rund 30.0
Der Eigen- und Wirtschaftsbetrieb hatte am Freitag alles an technischer Ausrüstung aufgefahren, was bei der Pflege der rund 30.000 Frankenthaler Bäume zum Einsatz kommt.

Höhenangst scheint für RHEINPFALZ-Leser ein Fremdwort zu sein. Zumindest für die Teilnehmer der Sommertour am Freitag, die sich auf dem Hauptfriedhof per Hubsteiger 30 Meter nach oben hieven ließen, um bei der Fahrt ins grüne Kronendach das Arbeitsumfeld der städtischen Baumpfleger etwas näher kennenzulernen und die Aussicht über den Wipfeln der Platanen zu genießen.

„Es war fantastisch“, schwärmte Dagmar Herb von dem Panorama – auf der einen Seite die Skyline der BASF und der Rhein, auf der anderen Seite die Innenstadt mit dem Turm der Zwölf-Apostel-Kirche. Eigens für die 15 Leser hatte der Eigen- und Wirtschaftsbetrieb Frankenthal (EWF) seine komplette Ausrüstung für den Grünpflegeservice aufgefahren. Gerade mit Blick auf den Massaria-Befall der Platanen habe der Arbeitsumfang der Baumpflege deutlich zugenommen, erläuterte Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU). Daher sei auch das Personal auf sechs Mitarbeiter verdoppelt worden. „Sie haben sich bestimmt auch schon geärgert, wenn der Friedhof mal wieder gesperrt ist, aber Sicherheit hat oberste Priorität“, warb Knöppel um Verständnis.

„Die Massaria-Krankheit ist auf dem Vormarsch“, informierte Thomas Karst, für die Grünpflege zuständiger EWF-Abteilungsleiter. Große Äste würden befallen und brächen oft ohne Vorwarnung herunter. Daher sei vorgeschrieben, die Bäume zweimal pro Jahr zu kontrollieren. Als letzte Rettung komme der Rückschnitt in Betracht. „Irgendwann sind es dann Kopfplatanen, die noch Jahrzehnte leben können.“

Handwerkszeug vorgeführt

Ein bisschen praktischen Anschauungsunterricht bekamen die Tourteilnehmer an einem „Exponatentisch“, an dem pilzbefallene Äste in unterschiedlicher Stärke aufgereiht waren. Ob die Schnittstellen an den Bäumen wieder mit Lackbalsam verschlossen würden, wollte ein Leser wissen. Thomas Karst verneinte dies als kontraproduktiv, da sich der Pilz darunter weiter entwickeln könne. „Es ist besser, wenn sich der Baum selbst abschottet.“ Pilzbefallene Bäume könnten noch viele Jahre existieren, erläuterte der Experte. „Und was passiert mit dem toten Holz?“. Es muss laut Karst nicht gesondert entsorgt werden.

Mit welchem Handwerkszeug die Trupps ausgestattet sind, demonstrierten Fachagrarwirtin Sabine Hollunder und ihre beiden Mitarbeiter Markus Bast und Marcel Lohrum. Häufig zum Einsatz kommt eine ausfahrbare Stangensäge. Eine trapezverzahnte Handsäge liefere auch gute Schnittleistungen, erfuhren die Leser und staunten, wie leise eine handliche Kettensäge mit Akku-Betrieb im Gegensatz zur herkömmlichen, rund sechs Kilogramm schweren Motorsäge arbeitet.

Sicherung mit System Cobra

Nicht immer muss zu radikalen Methoden gegriffen werden. Als Alternative zum Baumschnitt nannte Thomas Karst die Sicherung der Krone mittels eines Hohltaus aus Polypropylen – auch System Cobra genannt – das eine Überlast bis zu vier Tonnen auffangen könne. Die Äste würden nach einer „verletzungsfreien Methode“ miteinander verbunden, bei der Ruckdämpfer aus Gummi zum Einsatz kämen. „Unglaublich, was es nicht alles gibt“, kommentierte ein Leser dieses Patent. „Früher hat man Stahlseile verwendet, die in das gesunde Holz eingedrungen sind“, ergänzte der Fachmann vom EWF. Er erklärte den Teilnehmern auch, wie man Baumpfleger wird – selbstredend mit gärtnerischer Grundausbildung.

Recht aufschlussreich waren auch die Zahlen, mit denen Thomas Karst aufwartete: 30.000 Bäume – alle in einem Kataster erfasst – gebe es im Stadtgebiet. „Das ist unsere Arbeitsgrundlage.“ Der Anteil an Platanen liege bei etwa 1300. Rund zwei Drittel der Pflegearbeiten erledige der EWF inzwischen selbst, der Rest werde an externe Firmen vergeben. Die Kosten dafür im vergangenen Jahr: knapp 470.000 Euro.

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