Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Rück-Spiegel – die Wochennkolumne

Plötzlich überlebensgroß im Bild: CDU-Stadtratsmitglied beim digitalen Teil der Sitzung am Mittwochmorgen.
Plötzlich überlebensgroß im Bild: CDU-Stadtratsmitglied beim digitalen Teil der Sitzung am Mittwochmorgen.

Stadtrat: Schnell

Nach einem guten Dreivierteljahr, in dem sich viele Menschen daran gewöhnen mussten, dass Videocalls- und Telefonkonferenzen in großer Zahl und manchmal großer Zähigkeit zu ihrem Arbeitsalltag gehören, hat auch der Frankenthaler Stadtrat die schöne, neue Digitalwelt für sich entdeckt. Viele der Fraktionsmitglieder lauschten den Haushaltsreden ihrer Vorsitzenden vom heimischen Schreibtisch, vom gemütlichen Sofa oder von sonst wo her. Beschwerden über die ungewohnte Leere im Saal und die ungewohnte Kürze mancher Rede gab es offenbar nicht; dafür ein paar Momente gemeinsamen Amüsements, als Beispiel vor dem Start der Sitzung das eine oder andere Ratsmitglied dank eingeschalteter Webcam überlebensgroß auf der Leinwand im CFF zu bewundern war - gerne auch mal noch im gemütlichen Räuberzivil. Die Akustik vor Ort war wieder einmal schlecht, was aber nicht nur an der Technik lag, sondern daran, dass die Redner das Mikrofon nicht optimal ausgerichtet hatten. CDU-Fraktionschefin Gabriele Bindert, auf diesen Umstand angesprochen, fragte in die Runde: „Soll ich noch mal von vorne anfangen?“ Ehrlich gesagt: Das „Nein“ der Anwesenden kam vielleicht ein kleines bisschen zu schnell. Jörg Schmihing

Suboptimal

Halbwegs erfahrene Verbraucher wissen: Wenn ein Brief oder eine E-Mail zum Thema „Anpassung“ von Kosten eintrudelt, dann bedeutet das in 99,9 Prozent der Fälle: Die Preise werden steigen. Weshalb man glaubt, es sei möglich, solche Fakten in Verbindung mit dem scheinbar neutralen Begriff Anpassung „sympathischer“ zu präsentieren, bleibt das Geheimnis der Absender. Nachrichten, die betroffene Kunden nicht erfreuen können, hatte diese Woche die Sparkasse Rhein-Haardt zu verkünden. Neun von 41 Filialen sollen im Frühjahr 2021 geschlossen werden, darunter die in der Heßheimer Straße in Frankenthal und die in Studernheim. Die Sparkasse werde „2021 ihre Standorte optimieren“, hieß es dazu in der Einladung zum Pressegespräch über das Thema. „Optimieren“ heißt verbessern, und wenn man auf den lateinischen Wortstamm zurückgeht, schwingt sogar die Suche nach der „bestmöglichen“ Lösung in diesem Begriff mit. Wenn bei Kunden das Gegenteil von „Optimierung“ ankommt, dann müssen die sich veralbert vorkommen. Zugestanden: In Zeiten von Null- und sogar Negativzinsen ist das Bankgeschäft deutlich schwieriger geworden als früher, und die Anzahl der Kunden, die noch persönlichen Kontakt am Schalter suchen, ist in den letzten Jahren gesunken. Das kann man sehr wohl offensiv ansprechen. Auf schönfärberische Verpackungsfloskeln sollte aber verzichtet werden.

Schwierig

Viele schauen auf sie: Statistiken zur Corona-Situation, die täglich veröffentlicht werden. In Rheinland-Pfalz sammelt das Landesuntersuchungsamt in Koblenz die entsprechenden Daten ein; das Mainzer Gesundheitsministerium übernimmt dann die daraus zusammengestellten Übersichten. Über Probleme, die dabei auftreten, haben wir schon mehrfach berichtet. Mit besonderer Sorge schauen Experten in diesen Tagen auf die Altenheime; es geht um die teilweise hohe Fallzahlen dort. Dass es in Verbindung damit auch Schwierigkeiten mit der korrekten Datenerfassung gibt – davon ist kaum die Rede.

Konkret: Wenn amtliche Statistiken über Todesfälle erstellt werden, dann ist „maßgeblich immer der Wohnort“ der Verstorbenen. So erklärt es das Landesuntersuchungsamt auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Wenn Senioren aus einer anderen Gemeinde in ein Seniorenheim nach Frankenthal umziehen, dann müssten sie ihren neuen Wohnsitz hier anmelden. So erläutert Xenia Schandin, Pressesprecherin der Stadt, die Rechtslage. Bei der Verwaltung hat man aber den Eindruck, dass das Meldeamt keineswegs Kenntnis von allen Zuzügen bekommt. Denn, so sagt es Schandin: Allein die Pro Seniore Residenz Frankenthaler Sonne übernehme den „Service“, für die Anmeldung der neuen Bewohner zu sorgen. Anderswo bleibe diese Aufgabe den Betroffenen selbst und ihren Angehörigen überlassen. Und da gebe es dann wohl auch „emotionale Gründe“, die alte Meldeadresse noch beizubehalten, „weil man hofft, dass man doch noch wieder nach Hause kann“.

Das heißt dann aber auch: Die amtlichen Corona-Sterbedaten in Städten wie Frankenthal sind wohl eher zu niedrig angegeben, weil manche Fälle nicht korrekt zugeordnet werden. Das ist zu bedenken, wenn man auf diese Informationen schaut. Und selbst wenn Behörden genauer hinschauen würden: Ganz in den Griff bekommen wird man dieses Problem nicht. Stephan Pieroth

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