Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Rück-Spiegel – die Wochenkolumne aus Frankenthal

Bunt: das christdemokratische Taschensortiment.
Bunt: das christdemokratische Taschensortiment.

Fraktionen: Pragmatisch

Es gibt die steile These, dass das weitgehende Kontaktverbot während der Corona-Krise die Digitalisierung unserer Gesellschaft extrem beschleunigen könnte: Ältere Herrschaften trauen sich an Smartphone und Tablets, um den Kontakt mit ihren Lieben zu halten. Lehrer und Schüler kommunizieren übers Internet. Kommunalpolitik und damit die Arbeit der Fraktionen des Frankenthaler Stadtrats war zuletzt noch ein ziemlicher Papierkram in Form blauer (für die Ausschüsse) und gelber (für den Stadtrat) Vorlagen. Wenn das Plenum sich zu einer seiner monatlichen Sitzungen traf, dann hatten da zwar schon einige den Laptop vor sich stehen, aber auf den meisten Tischen stapelten sich noch munter die Akten und Pläne. Und um sich auf die Treffen der Gremien vorzubereiten, gab es – klar – weitere Sitzungen. Das ist zumindest für absehbare Zeit nicht mehr machbar. Allerdings haben sich die Mitglieder des Hohen Hauses mit erstaunlichem Tempo und ebenso erstaunlicher Flexibilität den Erfordernissen der Krise angepasst.

Die CDU löst das Ganze technisch und hält ihr wöchentliches Tête-à-tête per Video als „virtuelle Sitzung“ ab. Fraktionschefin Gabriele Bindert findet: „Das klappt hervorragend.“ Auch Grüne und Linke sind voll digital unterwegs mit Videokonferenzen. Die Sozialdemokratie behilft sich mit Besprechungen am Telefon, den derzeit so beliebten „Telkos“, schreibt sich Whats-App-Nachrichten oder E-Mails. Und dann gibt es noch eine kleine bedenkenswerte Erkenntnis, die der Liberale Thomas Börstler beisteuert: Größe kann in schwierigen Zeiten auch hinderlich sein. Er und sein Mitstreiter Arno Gürtler plaudern am Telefon oder schicken elektronische Post.

Aber ganz ehrlich: Vielleicht freut sich der eine oder andere Volksvertreter jetzt schon, wenn er nach der Corona-Zwangspause mit einer dicken Tasche voller Papier zur Ausschuss- oder Stadtratssitzung marschieren kann: zum Diskutieren, zum Streiten, zum Ringen um Lösungen. Und zum völlig analogen Plausch, wenn alles vorbei ist.

Recycling: Praktisch

Vor einem knappen Jahr, als von einem Virus, das die Welt aus den Angeln heben würde, noch nichts zu ahnen war, da tobte, naja, da war in Frankenthal Kommunalwahlkampf. Mit den üblichen Zutaten: ein paar prominente Gastredner hier, ein paar Infostände dort. Und Plakate und Banner allenthalben. Aber was passiert nach der Materialschlacht mit den großformatigen Werbeträgern? Die exakte Antwort auf diese Frage lautet: zwölf große und 34 kleine Taschen, 43 Shoppinghelfer, sechs Dokumententaschen, sechs Hüllen fürs Tablet und zwei Schürzen. Diese Alltagshelfer hat die CDU bei der Lebenshilfe Bruchsal aus dem planenartigen Stoff von neun Bannern nähen lassen. Hübsch bunt sind die Accessoires, auf manchen sind noch Namensreste zu erkennen: „Bald“(auf) oder „Bind“(ert). Auf anderen prangt die Europaflagge. Geplant war nach Angaben der Partei- und Fraktionschefin, die Taschen an Infoständen auf dem Rathausplatz zu verkaufen. Jetzt kommt der Handel vor allem über die Facebook-Seite der Christdemokraten in Schwung. Der Erlös wird der Stadt fürs Pflanzen von Bäumen weitergereicht, wofür es in den Kommentaren Lob auch von der politischen Konkurrenz gab. Ein hübsches Projekt also und überhaupt nicht kopflastig. Die Gesichter auf den Bannern wurden jedenfalls vorsichtshalber bei der Produktion nicht verwendet. Jörg Schmihing

KSB: Präsentabel

Mehr als zufrieden kann der Frankenthaler Pumpen- und Armaturenbauer KSB mit seinem Jahresabschluss 2019 sein. Die Präsentation der Ergebnisse am Donnerstag erfolgte allerdings unter denkwürdigen Umständen. Um das Coronavirus möglichst in Schach zu halten, konnten sich Direktorium und Journalisten nur via Internet austauschen. Fragen wurden per Tastatur eingegeben und dann per Video-Livestream beantwortet. Und wie das so ist bei Premieren: Mal „klemmte“ es beim Journalisten beim Zugang zur Übertragung, mal musste der KSB-Sprecher seine Bildschirmdarstellung etwas „nachjustieren“. Letztlich haben alle das Beste daraus gemacht. Dass man sich 2021 dann wieder „live“ sehen kann – das hoffen mit Sicherheit alle Beteiligten. Stephan Pieroth

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