Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Rück-Spiegel – die Wochenkolumne

Trockenshampoo statt kalter Dusche: Am Donnerstagmorgen war – für manche Anwohner trotz Vorwarnung der Stadtwerke überraschend –
Trockenshampoo statt kalter Dusche: Am Donnerstagmorgen war – für manche Anwohner trotz Vorwarnung der Stadtwerke überraschend – das Wasser abgestellt.

Trinkwasser: Versiegt

Wasser, Strom und im Winter eine warme Heizung – für uns ist das alles selbstverständlich. Dass es eigentlich gar nicht so selbstverständlich ist, merkt man erst dann, wenn etwas davon plötzlich nicht mehr funktioniert. Ein Leck an der Hauptversorgungsleitung in der Edigheimer Straße sorgte am Montagabend dafür, dass rund 30.000 Haushalte in Frankenthal und Bobenheim-Roxheim für gut zwei Stunden kein oder nur wenig Trinkwasser hatten. Am Mittwochabend beschäftigte die Leitung erneut den Notdienst der Stadtwerke. Eine undichte Stelle an einem Übergang zu den zwei Tage zuvor stillgelegten Rohren sorgte dafür, dass 100 Haushalte im Frankenthaler Osten fünf Stunden lang kein Leitungswasser hatten.

Und auch am Parsevalplatz saßen Anwohner am Donnerstagmorgen, die am Vorabend nicht mehr in den Briefkasten geschaut hatten, auf dem Trockenen. Trotz voll aufgedrehter Mischbatterie kam aus der Dusche nur ein dünnes Rinnsal, ehe der Wasserfluss total versiegte. Egal ob Badewanne, Waschbecken oder Spüle in der Küche, überall das gleiche Bild: den Leitungen im Haus war nur ein müdes Gurgeln zu entlocken. Wohl dem, der nach der Katastrophenwarnung am Montag zur Sicherheit einen Eimer mit Wasser abgefüllt hatte.

Nach der Katzenwäsche sorgte der Blick in die Post für Aufklärung: Unter der Zeitung lag eine „Wichtige Mitteilung der Stadtwerke“, die schon am Mittwoch auf das ausbleibende Wasser aufmerksam machen sollte. Schuld am abgestellten Wasser war übrigens kein Rohrbruch. Der Grund dafür waren Arbeiten am Leitungssystem in der Carl-Theodor-Straße, wie die Stadtwerke informierten. Frank Geller

Strom: Verstrahlt

Ein Energieprojekt der Mega-Klasse hat der Ludwigshafener Chemiekonzern dieser Tage der Öffentlichkeit präsentiert: Auf einer Fläche von bis zu 122 Hektar soll bis 2027 im Norden der Kläranlage bei Mörsch ein Solarpark entstehen – wenn der Frankenthaler Stadtrat im November grünes Licht gibt. Die geschätzte Jahresleistung von 120.000 bis 140.000 Megawattstunden reiche, um etwa 46.000 Haushalte zu versorgen – oder zwei Prozent des Strombedarfs im Stammwerk zu decken, sagen die Verantwortlichen. Es bräuchte also 50 solcher Parks, um die BASF komplett mit grünem Strom zu versorgen.

Deutlich effektiver wäre da sicher das Atomkraftwerk gewesen, dass der Ludwigshafener Chemieriese in den 1970er-Jahren an gleicher Stelle bauen wollte. Aus heutiger Sicht kann man heilfroh sein, dass es letztlich anders kam. Ein Reaktor in der direkten Nachbarschaft, gerade mal acht Kilometer vom Frankenthaler Marktplatz entfernt: spätestens seit Tschernobyl und Fukushima eine Horrorvorstellung. Statt Frankenthal bekam damals Biblis den Zuschlag. Das AKW ist seit 2011 abgeschaltet, übrig geblieben sind tausende Tonnen radioaktiver Müll.

Vor gut 50 Jahren sahen die Befürworter eines vorderpfälzischen BASF-Kernkraftwerks vor allem die Vorteile des vermeintlich sauberen, billigen Stroms. Mal schauen, wie man das – aus heutiger Sicht vielversprechende – Solarpark-Projekt mit einigen Jahrzehnten Abstand beurteilt. Sonja Weiher

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