Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
Mythos Alltag: Rätselhaft
Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, der kriegt mehr mit. Klar! Wer mehr mitkriegt, den stellt der Alltag allerdings hin und wieder vor ein Rätsel. Mit einer gewissen Verwunderung dürften insofern aufmerksame Fahrgäste diese Woche in der S-Bahn Richtung Mainz auf die Monitore ihres Waggons geblickt haben. „Frohe Weihnachten“ stand dort zu lesen. Jetzt bieten sich im Grunde nur zwei sinnvolle Erklärungen für dieses Phänomen an: Entweder der Zug war seiner Zeit deutlich voraus, was nach der durchschnittlichen Erfahrung als Nutzer des Nahverkehrs eher unwahrscheinlich ist. Oder die Verbindung hatte so viel Verspätung, dass ... schlagen Sie an dieser Stelle bitte einfach im Handbuch für platte Gags über die Deutsche Bahn nach.
Die Lösung zu Rätsel Nummer zwei war hingegen eine vergleichsweise leichte Übung: In diesem Fall hatte ein RHEINPFALZ-Leser beim Spaziergehen in seinem Viertel einen Kasten entdeckt, der ihm dann doch ein wenig verdächtig vorkam: grau, an einer Laterne montiert, mit einer Kette gesichert, seiner Erinnerung nach montiert von Mitarbeitern der Stadtwerke. Weswegen er auch bei den Stadtwerken nachfragte – aber erst einmal keine Antwort bekam. Höchstwahrscheinlich hatten die gar nix damit am Hut. Denn die mysteriöse Kiste, die ein paar Tage nach Entdeckung schon wieder verschwunden war, ist – tata – „ein verdecktes Messgerät, das die Anzahl und Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Fahrzeuge misst“, wie die Pressestelle der Stadt in Windeseile recherchiert hatte. Zur allgemeinen Beruhigung fügt sie dieser Information noch die Erklärung hinzu: „Genutzt wird es zur Datenerhebung – ein Knöllchen muss man nicht fürchten.“ Jörg Schmihing
Silbersee: Reflexhaft
Wenn es um Silbersee und Altrhein geht, verstehen die Bobenheim-Roxheimer Grünen keinen Spaß. Aber manchmal bereiten sie bei dem Thema anderen Spaß. Die jüngste Geschichte dazu aus dem Gemeinderat geht so: Ein Vertreter der Umweltpartei hält nichts davon, dass am Silbersee die Hotelbaupläne neu aufgelegt werden. Das Gebiet sei streng geschützt. Warum die Grünen Ende Juni dort eine After-Work-Party gefeiert hätten, will ein kommunalpolitischer Mitbewerber von der CDU wissen. Große Heiterkeit im Ratssaal. Denn über den öffentlichen Aufruf zum abendlichen Stammtisch im Vogelparadies hatten sich auch andere gewundert. Man habe nur den armen Kioskbetreiber dort unterstützen wollen, lautete etwas kleinlaut die Antwort.
Wenig später wettert ein grüner Fraktionskollege über die Dimension, die mittlerweile das Feuerwerk beim Gondelfest am Altrhein angenommen habe. Man solle doch mal überlegen, ob es nicht eine Alternative zu einem Feuerwerk in dem Schutzgebiet gebe. Kontert derselbe CDU-Mitbewerber: Dann möge er doch bitte auf die Internetseite des Grünen-Ortsverbands schauen, wo von einem „unvergesslichen Treffen auf dem Gondelfest“ berichtet werde. So schnell, wie sich Gelächter im Saal erhebt, darf man vermuten, dass der Online-Bericht darüber, wie die Grünen den – Zitat – „beeindruckenden Teil unserer kulturellen Identität“ gefeiert haben, allen hinlänglich bekannt ist. Das Titelbild zum Text zeigt das große Brillantfeuerwerk. Waltraud Werdelis